Rückblick auf das 35. Inntöne-JazzFestival

Diersbach/OÖ. Was haben manche diesen Termin herbei gesehnt! Pandemiebedingt fand das 35. INNtöne Jazzfestival heuer am Wochenende von Mariä Himmelfahrt als Open Air-Veranstaltung statt. Doch konnten weder Maskenpflicht noch das von Gewittergüssen bis hochsommerliche Hitze wechselhafte Wetter auch diesmal den besonderen Musikzauber am Buchmannhof in der Diersbacher Froschau nicht trüben.

Bühne vor Sauwald-Kulisse, davor ein in die Wiese gemähtes Schachbrettmuster, aufgesprühte Nummerierung, Strohhüte mit INNtöne-Logo als Sonnenschutz, eine Handvoll Stühle, Regenschirme und Campingstühle bringen die Zuhörer…   ..und fertig war die Corona-konforme Freilichtjazzarena. Doch man muss auch zugestehen: diese neue Logistik vom platztechnisch entzerrten Gelände, über Funkstrecke verbundenen Ordnungskräften, welche den Zugang zum Gastronomie- und Ausstellungsangebot im Innenhof regelten bis hin zur Onlineroutine für den Kartenverkauf vor Ort hatten Paul Zauner und seinem Team im Vorfeld viel Kopfzerbrechen bereitet. Alles in allem ist aber der Pandemietest bestanden, wenn es – was niemand wünscht – arg käme und wir uns auf längere Virusverweilzeiten inklusive „Social Distancing“ einstellen müssten, Musiker und Musikhörer fänden hier dennoch einen Ort zum Auftanken.

Das Musikprogramm war wie gewohnt vielseitig gestaltet, wobei der Vokaljazzabend mit Standards oder der amerikanische Ich-blas-alles-weg-Saxophonheld eben gerade nicht im Vordergrund standen. Nein, das Jazzfestival ließ Gefälligkeit und Virtuosentum auch heuer wieder hintan stehen und statt dessen Am-Puls-der-Zeit befindliche Töne erklingen. Das Londoner Schlagzeug-meets-Sax Duo JZ Replacement, mittlerweile um E-Piano zum Trio ergänzt zeigte mit treibenden Grooves auf, wie sich urbane Clubsounds auf Jazz drehen lassen. Wenn es ein Genre „Kammermusik 2.0“ gäbe, Beate Wiesingers Wiener Septett e c h o boomer ließe sich wohl hier „schubladieren“: toll arrangierter Art Pop, vertrackte Grooves samt klanglichem Zuckerguss der Bläser und Streicher. Ein Highlight! Und dass zeitgenössischer Jazz auch zu New Wave, Ambient Music und Noiserock anschlussfähig ist, zeigten quasi als „Rausschmeißer“ am Sonntagabend 5K HD. Neonlicht und Bühnenebel – auch so etwas „geht“ bei den INNtönen. Die Jazzamalgamierung folkloristischer Wurzeln ist ein weiteres, über die Jahre gepflegtes Asset dieses Festivals. Heuer mit der albanischstämmigen Sängerin Elina Duni (und einem von ihrem Gitarristen Rob Luft „virtuos zergniedelten“ polyglotten Liederabend), Maria Mazzotta aus Italien oder dem Hildegunn Øiseth Quartett aus Norwegen. Und wenn dann aus sphärisch verhangenen Klängen heraus diese Lead-Woman dem Publikum erklärt, dass sie auch Ziegenhörner als Instrumente nutze, und fragt, ob vielleicht jemand solche in ihre Sammlung abzugeben hätte… …dann entbehrt das inmitten eines Bauernhofsettings eben nicht einer gewissen Komik. Eine, die freundlich-humorvolle Nähe stiftet. Die wir grad alle bitter nötig haben. Und die – Corona hin oder her – einfach den wunderbaren Geist dieses Festivals ausmachen.  

Fotos: Schmidt

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