Kampf gegen Gewalt in der Familie: Jugendämter, Polizei und Wohlfahrtsverbände wollen auch Migranten und Flüchtlinge erreichen

Passau. Es ist ein Thema mitten in und aus der Gesellschaft: Häusliche Gewalt. Der Runde Tisch (Bild) unter anderem aus Jugendämter, Polizei und Wohlfahrtsverbänden in Stadt und Landkreis Passau will seit sechs Jahren genau das deutlich machen. Gewalt in der Familie ist unabhängig von sozialen Schichten und auch unabhängig von Herkunft und Nationalität. Darum gibt es die Info-Broschüre des Runden Tisches jetzt auch unter anderem in den Sprachen Eng-lisch, Französisch, Arabisch, Dari und Farsi. „Wir sehen es als unsere Aufgabe, möglichst alle zu erreichen, dazu zählen auch Migranten, Flüchtlinge und Asylbewerber“, so Melanie Wagner, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises und Koordinatorin des Runden Tisch. Besonders wirkungsvoll hält sie die breite Zusammensetzung dieses Aktionsbündnis gegen häusliche Gewalt. Denn u.a. mit Weißer Ring, Frauenhaus, Frauenseelsorge und Familiengericht und Staatsanwaltschaft sind wichtige gesellschaftliche Gruppen vertreten.

Beim letzten Treffen des Runden Tisches im Landratsamt Passau standen unter anderem die offiziell bekannten Fallzahlen häuslicher Gewalt in Niederbayern im Mittelpunkt. Ungeachtet der Tatsache, dass die Dunkelziffer sogar noch um ein Vielfaches höher sei, sieht Melanie Wagner in der Statistik den Beleg, dass niemand behaupten dürfe: „So etwas gibt es bei uns nicht.“ Ganz im Gegenteil. Der Landkreis Passau ist ebenso betroffen wie jede andere Region Bayerns und darum gilt: „Der Kampf gegen Gewalt in der Familie darf nicht nachlassen.“ In der Folge der Flüchtlingswelle von 2015 geriet dieses Thema in Verbindung mit Flüchtlingsunterkünften ebenfalls in den Fokus der Öffentlichkeit. Vertreter der Polizei und des Frauenhauses machten deutlich, dass es rechtlich sehr schwierig sei, hier von Gewalt betroffenen Frauen in Sicherheit zu bringen. Die Frauenhäuser können nicht als rechtlich anerkannte Unterkunft wirken und die Verteilung in andere Unterkünfte ist meist auch keine Lösung. Dieser Problemkreis soll daher auch im Mittelpunkt des nächsten Treffens des Runden Tisches stehen.

2015 verzeichnete die Polizei in Bayern 19.191 Fälle von häuslicher Gewalt (Anstieg um 2,8 Prozent gegenüber 2014). In Niederbayern waren es 1.648 Fälle (Rückgang um 10,8 Prozent). Der Anteil der männlichen Tatverdächtigen in Niederbayern lag bei knapp 80 Prozent. Fast genau so hoch ist der Anteil weiblicher Opfer von häuslicher Gewalt. Von Alkoholeinfluss gingen die Beamten in 27 Prozent der Fälle aus, bei fast 40 Prozent der Fälle mussten Kinder das Geschehen mit ansehen.

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