Ein halbfiktionales Island zeigt Julia Baier in „Northern Drifting“. Ab 3. März in der Soiz Galerie

(von Tobias Schmidt)

Vor zwei Jahren zeigte Julia Baier in Passau Fotografien zum Thema Wasser und Badeanstalten. Das waren „nasse Motive“, die im Kopf des Betrachters Gegen- und Spiegelbilder evozierten und die Grenze des Dokumentarischen durchaus humorvoll überschritten.

Anfang März zeigt die in Passau aufgewachsene und heute in Berlin arbeitende Fotografin (Europäischer Architekturfotografie-Preis 2015, Nominierungen bei World Press Masterclass, Leica Oskar Barnack Preis, Beteiligung an der Gruppenausstellung „Augen auf! 100 Jahre Leica Fotografie“, Arbeiten für Jung von Matt und andere Agenturen) eine neue Schwarz-Weiß-Bilderserie in die Passauer Soiz Galerie.

(Quelle: Julia Baier)

„Northern Drifting“ entstand 2015 im Rahmen eines Künstlerstipendiums in Island. Die Lage der Insel auf zwei auseinanderdriftenden Kontinentalplatten schuf hier eine sich permanent wandelnde, extreme Landschaft: Vulkane, Geysire, schwarzes Lavagestein trifft auf Schnee, Moosflechten auf harten Fels, heißes Wasser auf kalte Luft. Starke Kontraste der Elemente, das wünscht sich jeder Landschaftsfotograf. Aber in Veränderung und Bewegung begriffene Landschaft, erfordert das nicht ein anderes Medium? Julia Baier versuchte dem zu entsprechen, indem sie mit der Kamera ihres Mobiltelefons in Panorama-Einstellung aus einem fahrenden Auto heraus fotografierte. Zerklüftete Felsmassive, Spuren, Bruchkanten in der Schneedecke, doch sind diese Motive immer nur zum Teil von der Fotografin „gefunden“. So manches ist durch die Kamera „hinzu gerechnet“, quasi „erfunden“. Schnee- trifft auf Pixelzauber, und fordert unsere im Bild überlieferte Vorstellung von „natürlicher Schönheit“ heraus, weil sich jene hier eben auch als unvollkommenes Ergebnis digitaler Rechenleistung offenbart.

(Quelle: Julia Baier)

Wie real ist das noch, wieviel Fiktion steckt in diesen Szenerien? Fassen wir es so zusammen: in „Northern Drifting“ betont Julia Baier „Landschaftsfotografie“ auf dem Grundwort. Die Serie ist abermals eine Schule des Sehens, es sind Bilder übers Bildersuchen und -machen.

(Quelle: Julia Baier)

Vernissage dieser neuesten Ausstellung der Passauer Soiz Galerie, Schustergasse 19, ist am Freitag, 2. März um 19 Uhr.
Am Sonntag, 4. März um 11 Uhr stellt Julia Baier ihre Arbeit außerdem im Rahmen eines Vortrags im Café Museum vor. Danach ist „Northern Drifting“ noch bis 20. April jeweils Mittwoch bis Freitag 15 – 19 Uhr und Samstag 11 – 15 Uhr bei freiem Eintritt zu besichtigen.
Nähere Informationen auch unter www.soiz.de