Grafische und plastische Werke von Otto Müller und Michael Lauss in der St. Anna-Kapelle

(von Tobias Schmidt)

Bilder kann man malen. Skulpturen haut man aus Holz oder Stein. Häuser indes, werden gebaut. Im Werk des malenden Architekten Otto Müller und des bauenden Malers und Bildhauer Michael Lauss kommt diese vermeintliche Übersichtlichkeit aber an ein Ende.

Müller, seit über 20 Jahren Bildender Künstler, ließ nie ab von Tektonik und räumlicher Struktur. In das Rechteck von Leinwand oder Zeichenpapier „baut“ der Künstler mittels Ölfarbe oder Zeichenkohle Linien, Flächen und Formen, Vor- und Rückstufungen. Der Betrachter kann darin „Eigenschaften von Landschaften“ oder auch menschliche Köpfe wiederfinden.

Otto Müller, “Landschaftsbild“, 2018, Öl auf Leinen (Quelle: Müller)

Michael Lauss arbeitet seit 1984 als freiberuflicher Bildhauer und Maler vor allem in Passau und Linz. In seinen Arbeiten dienen immer wieder „skulptural bearbeitete“ Hölzer als Rohstoff für einen plastischen, mit Holzdübeln gefügten Aufbau. Lauss nutzt Fugen, Holzmaserung, Bearbeitungsspuren und Farbe als Mittel zur zeichnerischen und malerischen Gestaltung. Die fertigen Objekte erscheinen mal mehr als flaches, mal als dreidimensionales Bildwerk. Dass sie auch zu raumbildende Architekturen werden können zeigen des Künstlers Schöpfungen für Kunst am Bau in Bayern und Österreich, etwa am Landratsamt Passau oder der Freibühne in Hofkirchen im Traunviertel.

Otto Müller und Michael Lauss sind beide im Raum Ostbayern/Oberösterreich wohlbekannt, beide haben in anderen Zusammenhängen schon im Passauer Kunstverein ausgestellt. Ihre gebauten Bilder und Bildwerke sind alsbald in einer Gemeinschaftsausstellung mit dem Titel „Gebautes“ zu sehen.

Michael Lauss, “ohne Titel“, 2017, Holz, Acryl (Quelle: Lauss)

Sie eröffnet am Donnerstag, 12. September um 19 Uhr in der St. Anna-Kapelle, Heiliggeistgasse 4, und kann danach noch bis einschließlich Sonntag, 13. Oktober jeweils Dienstag bis Sonntag zwischen 13 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt besichtigt werden.

Und weil im Begriff „Bau“ natürlich DAS bundesdeutsche Kunstjubiläum 2019, nämlich 100 Jahre Bauhaus mitklingt, und weil dessen erster Leiter Walter Gropius im Gründungsmanifest des Bauhauses den „Bau“ als das „Endziel aller bildnerischen Tätigkeit“ bezeichnete, mag diese Ausstellung als zeitgenössischer Passauer Beitrag zum Bauhausjubiläum 2019 verstanden werden.  

Michael Lauss, “Hamlet“, 2017, Holz, Acryl (Quelle: Lauss)