Passau (oi). Dr. Carsten Gerhard, künstlerischer Leiter der Festspiele Europäische Wochen Passau e.V.  war überwältigt: mehr als 18 InteressentInnen aus dem Festspiel-Gebiet hatten sich zum Infoabend für das Rimini-Protokoll „Hausbesuch Europa“ im EW-Büro eingefunden. Sie alle zeigten Interesse, bei dem außergewöhnlichen Projekt in die Rolle des sogenannten Gastgebers zu schlüpfen.

„Im Rahmen der Festspiele laden wir Künstler ein, die sich mit ihren Werken und künstlerischen Themen mit Europa identifizieren und sich für die Völkerverständigung einsetzen“, erklärte Dr. Carsten Gerhard zu Beginn den generellen Auftrag der Festspiele. Danach informierte er die Anwesenden detailliert über das Thema des Abends.

Rimini-Protokoll ist eine dreiköpfige, vielfach preisgekrönte Experimentaltheatergruppe aus Berlin (u. a. Silberner Löwe der Theaterbienale Venedig für ihr Gesamtwerk), die mit ihrem Projekt „Hausbesuch Europa“ eine Art Gesellschaftsspiel anbietet, das in den Privatwohnungen der Gastgeber stattfindet. In dem Spiel kommen maximal 15 TeilnehmerInnen inklusive der Gastgeber zusammen, die sich völlig fremd sind. Diese Personen setzen sich an einen Tisch, auf dem eine Europakarte ausgebreitet wird und der Platz für Schreibutensilien bietet. Das Tischspiel besteht aus fünf Akten und dauert zwei Stunden.

Dr. Gerhard, der bereits bei einem „Hausbesuch Europa“ mit Begeisterung teilnahm, gab seine Erfahrungen den interessierten Gastgebern in spe weiter: „Es kommen lauter interessierte, vom Grundsatz her offene Personen, die alle bemüht sind, einen schönen Abend zu verbringen. Ich kann Ihnen nur versprechen, dass die subversive Kraft dieses Abends bei jedem der TeilnehmerInnen noch lange nachwirkt.“

Der Abend ist ein Teil eines großen europaweiten Netzwerks. Jeder Hausbesuch wird unter www.homevisiteurope.org mit einem Gruppenbild dokumentiert. Alle Resultate des Abends werden dort auf der interaktiven Europakarte aufgeführt. So entsteht nach und nach ein weltweites Netzwerk, das sich von Haustür zu Haustür über den Kontinent erstreckt.

Die Europäischen Wochen sind bei den Vorbereitungen behilflich. Ein Spielleiter und ein Techniker unterstützen die Gastgeber vor Ort.  Zum Spiel gehört auch ein Kuchen, der während des Ablaufs im Backofen entsteht. Welche geheimnisvolle Funktion dieser jedoch übernimmt, wurde am Infoabend nicht verraten. „Ich kannte Rimini-Protokoll bereits von dem Projekt „Klimakonferenz Paris“ 2017 in den Münchner Kammerspielen“ erklärt Birgit Reineke-Reiprich, die zum Infoabend extra aus Burghausen angereist kam. „Ich war so begeistert, auch was die Nachwirkung dieses Spiels betrifft, dass ich nun große Lust habe, selbst Gastgeberin zu sein.“

Die Termine für das Rimini-Projekt werden gerade von EW-Büroleiterin Anne-Marie Thederahn in Zusammenarbeit mit den Gastgebern abgestimmt und mit dem Gesamtprogramm im März veröffentlicht. Wer als Gast bei einem dieser Gesellschaftsspiele teilnehmen möchte, muss sich lediglich einen Termin auswählen und dafür eine Karte erwerben. Danach wird ihm die Adresse des Spielorts bekanntgegeben.