IHK-Umfrage: Sehr gute Wirtschaftslage bei verhaltenen Aussichten

Die niederbayerische Wirtschaft läuft weiterhin rund, doch die aktuell sehr gute Lage kann nicht verhindern, dass die Zuversicht für die weitere Entwicklung schwindet. Dieses Fazit zieht Martin Frank, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern, aus den Ergebnissen der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage unter den Betrieben aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Tourismus im Bezirk. Veranschaulicht wird die Stimmung in der Wirtschaft durch den „IHK-Konjunkturklimaindikator“, für den die Beurteilung der aktuellen Lage und die Geschäftserwartungen verrechnet werden. „Der Klimaindikator liegt weiterhin auf überdurchschnittlichem Niveau, sinkt aber nun schon zum zweiten Mal in Folge ab. Nach einer Punktzahl von 133 im Sommer vergangenen Jahres und dann 130 im Herbst sind wir jetzt bei 126 Zählern angelangt – ein Wert so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr.“

Verantwortlich dafür ist allein der Ausblick der befragten Unternehmer, die hier erste dunkle Wolken aufziehen sehen. „Der Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage bleibt sehr positiv, diese Einschätzung konnte sich über den Jahreswechsel fortsetzen“, berichtet Frank. Mehr als jeder zweite Betrieb bewertet demnach die Geschäfte als gut und ist voll ausgelastet, unzufrieden ist lediglich ein kleiner Anteil von sieben Prozent. Die starke Exportorientierung der niederbayerischen Wirtschaft wirkt sich dabei sehr unterschiedlich aus. „Einerseits konnte das Exportgeschäft nach einer Schwächephase im Herbst zuletzt kräftig zulegen. Der weiterhin starke Binnenmarkt stützt zusätzlich diese Entwicklung. Andererseits steigt die Verunsicherung auf dem internationalen Parkett, was wiederum die Aussichten trübt“, meint Frank. Unsicherheitsfaktoren seien hier etwa internationale Handelskonflikte, der Trend zu Abschottung und Protektionismus oder der bevorstehende Brexit. Trotzdem geht Frank von einem weiteren Wachstum im laufenden Jahr aus – wenn auch mit verlangsamtem Tempo: „Jeder Fünfte der befragten Betriebe rechnet mit einer Steigerung im Jahr 2019. Das sind immer noch mehr als die 15 Prozent, die mit einer Verschlechterung rechnen. Nur lag der Anteil der Optimisten in den vorangegangenen Umfragerunden noch jeweils höher.“

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den Beschäftigungsaussichten: „Der Jobmotor läuft noch, aber mit angezogener Handbremse“, sagt der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer. Dauerthema bleibe der Fachkräftemangel: Fehlendes qualifiziertes Personal behindert für die überwiegende Mehrheit von 70 Prozent der Betriebe die weitere wirtschaftliche Entwicklung. In der Folge rechnen die Betriebe mit höheren Arbeitskosten und folglich steigenden Preisen – ein Problem für die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes.

„Die Umfrageergebnisse sind ein Warnschuss an die Politik. Fast jeder Zweite sieht in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mittlerweile ein Geschäftsrisiko. Bürokratieabbau, ein modernes Unternehmenssteuerrecht und angesichts sprudelnder Einnahmen ein Zurückfahren der Steuerbelastung – das sind die Kernforderungen der Unternehmer“, bekräftigt Frank. Die IHK habe der Politik entsprechende Positionen und Vorschläge vorgelegt. Diese müssten nun umgesetzt werden, um die Stellung des Wirtschaftsstandortes im internationalen Wettbewerb zu sichern und auszubauen.

Der detaillierte Konjunkturbericht samt einer Auswertung nach einzelnen Branchen ist interaktiv aufbereitet im IHK-Internetauftritt verfügbar: www.ihk-niederbayern.de/konjunktur