Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich (r.) besuchte mit Uwe Böttcher, dem neuen Krankenhausdirektor des Bezirksklinikums Mainkofen (l.) die Ambulanz für psychische Gesundheit in Grafenau mit ihrem Leiter Prof. Dr. Peter Eichhammer (Foto: M. Lang / Bezirk Niederbayern)

Mehr Personal für schnellere Hilfe

Große Nachfrage in der Ambulanz für psychische Gesundheit – Weitere Fachkräfte gesucht

Grafenau. Es läuft gut in der Ambulanz für psychische Gesundheit in Grafenau, die der Bezirk Niederbayern als Außenstelle des Bezirksklinikums Mainkofen im Jahr 2018 eröffnete. „Die Nachfrage ist sehr groß, im Moment vergeben wir Termine bis November“, wie der Leiter Prof. Dr. Peter Eichhammer in einem Gespräch mit Bezirkstagspräsidenten Dr. Olaf Heinrich erläuterte. Mit dabei auch Uwe Böttcher, der neue Krankenhausdirektor des Bezirksklinikums Mainkofen, für den es der erste Besuch in Grafenau war.

Beide zeigten sich beeindruckt vom Engagement des Teams vor Ort. Während des Corona-Lockdowns war durchgehend geöffnet. „Wir konnten jedem Patienten ein Angebot machen“, so Eichhammer. Der persönliche Kontakt sei unverzichtbar, doch gerade bei jüngeren Patienten habe sich auch eine Kombination aus Präsenzterminen und Videoberatungen bewährt. Durch die Pandemie hätten depressive Störungen zugenommen, auch die Gefahren sozialer Vereinsamung seien gestiegen.

Da es in der Region wenige niedergelassene Psychiater und Psychotherapeuten gebe, kommen die Menschen aus dem Umkreis von gut 40 Kilometer nach Grafenau. „Wir stellen fest, dass es immer mehr zur Normalität wird, sich psychologische Hilfe zu suchen. Es tut sich was in Sachen Entstigmatisierung der Psychiatrie“, freut sich Peter Eichhammer, der für seine Aufgabe brennt. Er würde sich noch mehr Kollegen in Grafenau wünschen, um den Bedarf an Behandlungen noch gerechter zu werden. Wie schwierig die Suche nach geeignetem Personal derzeit ist, wissen Bezirkstagspräsident Heinrich und Krankenhausdirektor Böttcher genau. „In dieser Hinsicht könnte sich die Pandemieerfahrung aber für uns positiv auswirken. Viele Menschen haben erkannt, wie hoch die Lebensqualität auf dem Land ist“, so Heinrich, der offen ist für neue Modelle, um Nachwuchs anzuwerben. „Einige gut ausgebildete Fachkräfte wollen wieder in ihre Heimat zurückkehren, andere entdecken den Bayerischen Wald ganz neu für sich – hier können wir ansetzen.“

Auch Uwe Böttcher zeigte sich interessiert an neuen Wegen, auch fachübergreifenden Kooperationen. Dabei könne Spannendes entstehen. Dass es in Grafenau nicht um Spezialisierung gehe, sondern um die „Grund- und Regelversorgung der Bevölkerung“, hob zuletzt Olaf Heinrich hervor. Die hohe Nachfrage zeige, wie wertvoll eine wohnortnahe Versorgung für die betroffenen Patienten und wie wichtig dementsprechend die Dezentralisierungsstrategie des Bezirks ist. Auch die Arbeitsbedingungen seien in Grafenau sehr angenehm, wie Peter Eichhammer berichtete. „Man braucht mehr Erfahrung und Struktur als in einem großen Haus, hat aber viele Freiheiten.“ Er selbst lebt mittlerweile in Schönberg und schätzt die Nähe zu seinem Arbeitsplatz sowie die Schönheit der Region insgesamt. Diese Trümpfe gelte es bei der Anwerbung von weiterem Fachpersonal auszuspielen, damit insgesamt den Betroffenen in der Region noch schneller geholfen werden kann.