Freuen sich über die gelungene Restaurierung des Marterls an der Schlossberg-Linde: (v.l.) Rudi Ranzinger, Landrat Gruber und Karl-Heinz Paulus (Foto: Landratsamt FRG)

Marterl an der Schlossberg-Linde restauriert

Denkmäler der Volkskunst und der Natur sind identitätsstiftend

Der Landkreis Freyung-Grafenau ist besonders reich an Kleindenkmälern wie u.a. Weg- bzw. Feldkreuzen, Bildstöcken und Marterln. Ein besonders stilvolles Kleinod der Religiösen Volkskunst hängt seit über 100 Jahren am Stamm der stattlichen Schlossberg-Linde, einem der herausragendsten Naturdenkmale dieses Bayerwald-Landkreises.

Karl-Heinz Paulus, ehemaliger, langjähriger Geschäftsleitender Beamter am Landratsamt Freyung-Grafenau, hat das Marterl an der Schlossberg-Linde vor über 30 Jahren von Kunstmaler und Restaurator Anton Ohme renovieren lassen. Nachdem diesem in den zurückliegenden Jahren der „Zahn der Zeit“ arg zugesetzt hatte – der Wind pfiff durchs marode Gehäuse, Feuchtigkeit drang ein, und dem kleinen Herrgott fehlte bereits der rechte Arm! – machte Paulus Landrat Gruber auf die dringende Sanierungsbedürftigkeit aufmerksam. Dieser reagierte sofort und erteilte Malermeister Rudi Ranzinger, der sich auf die Renovierung sakraler Kunst, wie etwa die im „Land der Abtei“ typischen Waffen-Christi-Kreuze, spezialisiert hat, den Auftrag, dieses Kleindenkmal zu restaurieren.

Rudi Ranzinger, bei dem oft „der Herrgott Patient ist“, schuf mit solidem Stilempfinden wieder eine ordentliche Behausung für den kleinen Corpus Christi, ersetzte in eigenhändiger Schnitzarbeit den fehlenden Arm und verwendete in der Fassmalerei selbst angemachte Spezialfarben, die wieder einige Jahrzehnte den Witterungseinflüssen trotzen werden. Das Marterl, das wegen seiner Originalität sogar in dem 1978 im Ringier-Verlag erschienenen Band „Burgen, Schlösser und Klöster in Bayern“ verewigt ist, präsentiert sich jetzt wieder als echte Sehenswürdigkeit der Volkskunst des Bayerischen Waldes, die einst sogar so namhafte Künstlerpersönlichkeiten wie Gabriele Münter und Wassily Kandinsky zu schätzen wussten.

Landrat Gruber und Karl-Heinz Paulus freuen sich, dass dieser geschichtsträchtige und besondere Kraftort auf dem Schlossberg mit der 400 Jahre alten Linde, dem granitenen Sühnekreuz aus der Zeit der mittelalterlichen Gerichtsbarkeit und nun dem frisch renovierten Marterl wieder komplett ist. Sie sind übereinstimmend der Meinung, dass solche Schätze der Volkskunst, zusammen mit den übrigen zahlreichen Flurdenkmalen, den Baudenkmälern und den Naturdenkmalen die Identität und die kulturelle Qualität unseres Bayerwald-Landkreises ausmachen. Darum wird man auch in Zukunft auf die Pflege und Erhaltung solcher Kulturgüter ein besonderes Augenmerk legen.