Eine gemalte Hommage an die Waldler-Heimat

In der Galerie ihres Wohnhauses hat die Graineter Kunstmalerin Brigitte Hannig ihr kleines Atelier (Foto: Duschl)

Brigitte Hannig haben es vor allem Motive aus dem Bayerwald angetan – In Büchern und Ausstellungen präsent – Ein fünfzigjähriges Künstlerleben

Grainet. Wenn in der Ortschaft Grainet am Fuße des Haidel das alljährliche große Säumerfest gefeiert wird, dann steht auch der Ortsteil „Säumerhügel“ immer wieder im Mittelpunkt. Denn von hier starteten über mehrere Jahrhunderte hinweg die Handel treibenden Säumer nach erholsamer Nacht zur zweiten Etappe auf dem „Goldenen Steig“ ins böhmische Prachatitz. Und sie deckten sich für ihren langen Marsch mit Brotzeit aus der Bäckerei am Säumerhügel ein, während in der Schmiede gegenüber fehlende Hufeisen für ihre Pferde ergänzt werden konnten. An diese Zeit erinnern an gleicher Stelle noch heute einige Bilder und Figuren – gemalt und gefertigt von Brigitte Hannig.

Dabei hat die vielseitige Künstlerin einen sehr engen Bezug zu dem stattlichen Gebäude am Graineter Säumerhügel, in dem sich eben früher die erwähnte Bäckerei befand: Es ist ihr Geburts- und Elternhaus. Dort findet sich zum einen an der Hausfront ein großes Gemälde, das eine Säumerszene zeigt. Wenige Meter vor dem Haus steht außerdem eine lebensgroße Schrottfigur: Sankt Nikolaus, nicht nur bekannter Kinderfreund, sondern auch Patron der Säumer. Auf der Westseite des Gebäudes begrüßt die Schrottplastik Sankt Nepomuk, der „Brückenheilige“, die Nachfahren der Säumer, wenn sie sich auf ihrem nachgestellten Säumerzug entweder auf den Weg auf den Haidel machen oder von dort kommend ins alte Säumerdorf Grainet einziehen.

Ein duftiger Blumenstrauß, Brigitte Hannig (Foto: Duschl)

Neben den eben angeführten Kunstwerken hat die 69-jährige Brigitte Hannig im Lauf der Jahre auch zahlreiche Kunstkarten und -drucke, vor allem mit Motiven aus der Säumerzeit, angefertigt. Anerkennende Erwähnung verdient auch ihre originelle Collage zum Thema „Goldener Steig“, die sie mit bunten Glas- und Keramikscherben aus Böhmen gefertigt hat.

Im Jahr 1996 gestaltete die Künstlerin zwei großformatige Urkunden, auf denen in deutscher und in tschechischer Sprache ein Freundschaftsvertrag zwischen Grainet, Waldkirchen, Prachatitz und Wallern dokumentiert ist. Außerdem hat sie die Säumerfahne gestaltet, die bei Umzügen des Graineter Säumervereins mitgeführt wird. Gerne erinnert sich die Künstlerin an den Heimatkundeunterricht an der Graineter Grundschule, wo das „Fräulein Damböck“ den Kindern unter anderem viel über den Goldenen Steig erzählte, der sich nun in vielen Aquarellen widerspiegelt.

Ihre Verbundenheit zu der Säumerzeit und den Verbindungen zwischen Bayern und Böhmen hat Brigitte Hannig nun auch einen Artikel in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift „Der Böhmerwald“ eingebracht. Darin werden speziell ihre Werke zum Thema „Säumer“ beschrieben. Und auch im neuen Buch „Meine und unsere Künstler“ des Lichtland-Verlages ist Hannig vertreten.

Ein Portrait des unvergessenen „Graineter Doktors“ Josef Rief – Brigitte Hannig (Foto: Duschl)

Zur Kunst ist die Graineterin, eine geborene Maciejewski, schon in jungen Jahren gekommen. Nach dem Abitur in „Kunst“ erfolgten zwei Fernstudien in Malerei, Grafik und Schriftgrafik. Bevorzugt malt Hannig, nach Phasen der Acryl-Malerei, in letzter Zeit mit Aquarelltechnik.

Geeignete Motive fand und findet die Künstlerin vor allem in der näheren Heimat. „Bei uns ist es doch eh so schön“, sagt Brigitte Hannig mit Blick auf ihre luftigen Aquarelle, mit denen sie die Pater-Rupert–Mayer-Kapelle in Obergrainet und das Baum-Ei in Neuschönau in dezenten Farben malt.

Nicht nur Landschaften und Gebäude, auch Blumen in allen Variationen und Stillleben, aber auch Portraits gelingen der Künstlerin in bewundernswerter Weise.

Die besondere künstlerische Begabung blieb schon frühzeitig nicht unerkannt. So konnte Brigitte Hannig schon als Neunzehnjährige – und damals als jüngste Künstlerin in der Runde – im Jahr 1971 einige ihrer Bilder bei einer Ausstellung in Freyung im Schloss Wolfstein präsentieren. Exponate waren später auf unzähligen weiteren bayernweiten Kunst-Events zu sehen und zu bestaunen, zuletzt unter anderem im Jahr 2018 im Adalbert-Stifter-Museum in Lackenhäuser.

Bei ihrem Einzug in Grainet nach beschwerlichem Marsch von Prachatitz her kommen die Säumer auch am Elternhaus der Künstlerin vorbei. An der Fassade hat Brigitte Hannig eine Säumerszene gestaltet (Foto: Duschl)

Als engagierte Künstlerin hat sich Hannig frühzeitig auch in die heimische Künstlerszene eingebracht und ist Gründungsmitglied des Kunstvereins Wolfstein.

Das Geschehen rund um eine Collage ist Brigitte Hannig noch besonders deutlich in Erinnerung: Im Jahr 1970 stellte sie eine Collage zusammen, auf der unter anderem ein großes Passagierflugzeug und ein verängstigtes Kind zu sehen sind. Viele Jahre später sprach ein Besucher aus den USA die Künstlerin daraufhin an und meinte, sie wäre wohl eine Seherin, weil sie die schlimmen Ereignisse von 9/11 in den USA vorausgesehen habe.

Dieser Hinweis brachte Hannig auf die Idee, im Jahr 2006 dem damaligen New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg ein Foto der Collage zu schicken. Und Mister Bloomberg zeigte sich offensichtlich so sehr davon angetan, dass er „Ms. Brigitte Hannig“ mit einem persönlich unterzeichneten Dankschreiben antwortete.

Ein Bilder-Quintett im heimischen Wohnzimmer, Brigitte Hannig (Foto: Duschl)

Wer die Künstlerin in ihrem Wohnhaus „Am Glashügel“ in Grainet besucht, ist überwältigt von der Fülle an Kunstwerken, die dort in mehreren Räumen, im Treppenaufgang und vor allem auch im Dachgeschoss zu betrachten sind. Gerne zeigt Brigitte Hannig ihre Gemälde auch interessierten Besuchern. Mehrmals waren Werke der Künstlerin auch bereits in der PNP zu sehen, zuletzt die Kirche von Ranfels. -flo