…auch wenn der Fasching (längst) vorbei ist…

Pfarrer Michael Bauer, Schönberg (Foto: Privat)

Faschingspredigt von Pfarrer Michael Bauer

Schönberg. Mit freundlicher Genehmigung durch den ‚Schöpfer‘, Pfarrer Michael Bauer, nachstehend seine Faschingspredigt, die er am Faschingssonntag (14.02.) gesprochen hat:

Liebe Leute, Jung und Alt,
hört die Predigt, die ich halt´!

Die einen werden`s gar nicht wissen,
die andern freilich sehr vermissen:
Wir steh´n am Faschingswochenende
und `ner ganz besond´ren Wende.
Denn Faschingszug ist heuer keiner.
Selbst das Helau wirkt deutlich kleiner.
Das große Feiern ist verboten.
Da gilt es nur noch auszuloten,
was denn sonst noch möglich ist,
und was man trinkt und was man isst.
Sehr viel mehr kann man nicht tun,
außer lesen oder ruh´n.
Nachdenken kann man und sinnieren
und den Verstand neu aktivieren.
Das wär´ nicht schlecht und täte gut
in dieser Zeit, wo vieles ruht.
So kann man nämlich dann erspüren,
was wichtig ist zum Lebenführen.
Anhaltspunkte gibt´s genug
und leider auch so manchen Trug.
Der gaukelt uns dann dies und das
in einem übergroßen Maß
als völlig unverzichtbar vor,
was allerdings schon längst zuvor
man als sinnlos hat erkannt.
Doch scheint das manchen nicht bekannt.
Drum hängt noch heut fast jedermann
mit seinem ganzen Herzen dran.
Dieser Dinge gibt es viele.
Sie führen alle nicht zum Ziele.
Man erkennt sie an den Zeichen
und an anderem dergleichen.
Manche leuchten wie ein Stern,
andre übersieht man gern.
Drum schau ich jetzt, für den, der´s mag
auf Zeichen von dem heut´gen Tag.

Als Erstes nenn ich, wie ihr seht,
was im Evangelium steht.
Zwar ist das Thema dort das Heil,
doch gibt´s da noch den zweiten Teil.
Denn der Mann soll niemand sagen,
dass er befreit ist von den Plagen,
dass Jesus ihn vom Aussatz heilte
und von der Krankheit ihn befreite.
Doch dieser schert sich darum nicht,
auch wenn er sein Versprechen bricht.
Er erzählt es überall
beinahe fast einhundertmal.
Dem Jesus setzt das derart zu,
dass der nur eins will: seine Ruh´.
Der Kluge zieht daraus den Schluss,
dass man öfter schweigen muss.
Denn wer sich brüstet mit sei´m Wisssen,
der lässt die Demut arg vermissen.
Drum findet auch die Schnattergans
bei Gott nicht Ehr und auch nicht Glanz.
Nur wer für sich behält sein Wissen,
darf auch Gottes Gnad´ genießen.
Wer voll Stolz es allen zeigt,
hat seine Chance dadurch vergeigt
und wird, weil er sich groß gemacht,
am Ende nur noch ausgelacht.

Mit Wissen soll man andern nützen
und nicht die eigne Macht nur stützen
Doch macht in der Coronazeit
sich das Schnattern furchtbar breit.
Ein jeder meint, gar viel zu wissen
denkt gar nicht mehr an sein Gewissen,
sondern plappert, was nur geht,
auch wenn nichts dahintersteht.
Auch das gehört, ihr lieben Leut´
zu den Zeichen unsrer Zeit,
und die sind wahrlich nicht ganz schön.
Ihr werdet es bald selber sehn.
Denn es werden viele Sachen
stürzen und zusammenkrachen.
Was der Mensch schafft in der Zeit,
hält nicht bis in Ewigkeit.

Auch ist wenig nur bekannt,
was heut gefeiert wird im Land,
das Europa jetzt sich nennt
und das ein jeder sehr gut kennt.
Zwei Patrone hat dies Reich.
Wer die sind, das sag ich gleich.
Zwei Brüder sind´s, man glaubt es kaum,
die missionierten in dem Raum.
Sie war´n in Ungarn und in Mähren,
um den Glauben neu zu lehren.
Damit die Leute ihn verstanden
und einen Zugang zu ihm fanden,
taten sie nicht lange fragen.
Sie taten einfach übertragen
die Kirchentexte von Latein
in die Völkersprach hinein.
Die Mess´ auf Slawisch, das war neu.
Es rief sofort Protest herbei.
Die Bischöf´ waren arg verstört,
empfanden es als unerhört
und unvereinbar mit der Lehr´,
für die sie kämpften wie ein Heer.
Doch konnt´ Hadrian, der Zweite,
der auf dem Stuhle Petri weilte,
keine Anzeichen von Sünden
in dem Tun der beiden finden.
So konnten sie mit seinem Segen
die Übersetzung weiter pflegen.
Für die Bischöf´ war der Tag
eine glatte Niederlag.
Ihre Namen sind vergessen.
Doch die der beiden kann man lesen
ohne jede lange Such´
in jedem guten Kirchenbuch.
Der eine war der Mönch Cyrill,
der andre, wer´s erfahren will,
war auch ein Bischof, mild und gütig
bescheiden, menschlich und demütig.
Der Bischof, der episcopus,
trug den Nam´ Methodius.
Dieser beiden heil´gen Brüder
gedenkt Europa heute wieder.
Am vierzehnten im Februar
spricht es von ihnen jedes Jahr
und bittet sie um ihren Segen
für Europas Zukunftswegen.
Ihnen sei es anvertraut,
wie Europa weiterbaut.
Also Cyrill und auch Method,
bewahret uns vor aller Not
und lasst uns immer auch bedenken:
Gott tut unsre Wege lenken!
Zwar brauchen wir den Rat der Weisen,
doch allwissend sie zu preisen,
ist des Guten viel zu viel,
und führt uns alle nicht zum Ziel.

Drum hört auch nicht auf die „Experten“,
die manches immer falsch bewerten!

Das gilt selbst in Kirchenkreisen,
wo man gern mit viel Beweisen
sehr gezielt und auch beizeiten
manchen Unsinn tut verbreiten.
Weil manche das schon längst durchschauen,
aber sich nichts sagen trauen,
wenden sie sich still und leise
in völlig unauffäll´ger Weise
ab vom kirchlichen Geschehen
und tun eigne Wege gehen.
Und da stellt sich dann die Frag´,
was dafür der Grund sein mag.
Doch wer soll das dann entscheiden,
gilt´s doch, jedes Urteil zu vermeiden?
So hat´s der Herr es einst gelehrt.
Wer anders handelt, lebt verkehrt!

Doch ist damit noch nicht Schluss,
weil Valentin noch kommen muss.
Auch er beansprucht diesen Tag,
wie er auch immer ausseh´n mag:
ob mit Frost, Schnee oder Regen:
Geschenke wird es immer geben.
Blumen werden gern gegeben
oder sonst so mancherlei,
auf dass die Freude größer sei.

Doch sieht auch dieser Tag, o Graus,
in der Geschichte nicht gut aus.
Als sich die Pest vor langer Zeit
über Europa machte breit,
da ist am Tag, dem vierzehnten,
im Monat zwei, was folgt, geschehen.

Was ich sag, ist keine Farce,
Dreizehnneunundvierzig war´s:
Man hat in Straßburg an dem Tag,
was man fast nicht glauben mag,
zweitausend Juden umgebracht.
Zuerst zum Sündenbock gemacht,
hat man sie dann angeklagt
dann mit Folter noch befragt,
verurteilt und dann hingemetzelt
und bestialisch sie zerfetzelt.
So ist die Grausamkeit gescheh´n,
wie aus der Chronik zu erseh´n.
Dahinter steckte purer Hass.
Wie aus einem vollen Fass
entlud sich der auf alle Juden,
auf ihre Häuser, ihre Buden.
Einem Bürgerkriege gleich,
schlug man alles klein und weich.

Drum gilt immer: Wachsam sein,
selbst wenn der Hass scheint noch so klein!
Denn plötzlich paart er sich mit Wut,
mit Ichsucht und mit Übermut,
macht Dinge gar, die schon geschah´n
und überall zu sehen war´n:
im Reichstag und im Kapitol.
Da war vielen nicht mehr wohl,
Deshalb kann man jetzt nur hoffen,
dass wir nicht auch bald sind betroffen
von Hassausbrüchen und Gewalt,
die vor gar nichts machen Halt.
Die als Erstes danach streben,
der Vernichtung preiszugeben,
was andern hoch und heilig ist,
damit das Feuer es zerfrisst.
Umsturz ist das zweite Ziel,
das man damit erreichen will:
Endlich selber oben sein,
Macht ausüben groß und klein,
damit man dann wird anerkannt
als wicht´ger Mensch im ganzen Land.

Dabei will der Tag von heute
uns andres lehren, liebe Leute.
Valentin steht für die Liebe,
nicht für Schrecken oder Hiebe.
Damit das deutlich auch erscheint,
hat die Legende zwei vereint.
Hast du als Beispiel nämlich keins,
dann nimm zwei und mach draus eins.
Die Legend´ hat´s fertigbracht
und aus zweien einen g´macht.
Beide hießen Valentin.
Heut´ weist man nur auf einen hin.
Man tat ihrer beide Leben
zu einem Stück zusammenweben.
Der eine tat in frühen Jahren
den frisch getrauten Ehepaaren
immer eine Freude machen
und brachte sie dadurch zum Lachen.
Er schenkte einen Blumenstrauß
vom eignen Garten rund ums Haus.
Das hat ihm dann den Tod gebracht
und ihn zum Märtyrer gemacht.
All dies geschah im Februar,
am Vierzehnten, und in dem Jahr
zweihundertsechzig und plus neun,
als Claudius sich konnt´ noch freu´n,
dass er als Gothe Kaiser war:
freilich nur noch ein gut´ Jahr. (Claudius II. Gothicus 268-70) 

Denn schon in einem Jahr darauf,
hörte auch sein Leben auf.
Der andre, gleichfalls gut bekannt,
war als Bischof schon ernannt,
segnete bei den Soldaten,
wenn sie ihn nur darum baten,
ihre Ehe und den Ring.
Allerdings war so ein Ding
damals strengstens untersagt.
Wer´s trotzdem tat, wurd´ angeklagt,
weil Soldaten klipp und klar
strafbewährt verboten war,
eine Ehe einzugehen.
Denn bei ihnen war zu sehen,
und das erkennbar bei ganz vielen,
dass sie sehr schnell im Kampfe fielen.
Wovon sollt´ die Frau dann zehren
und die Kinder noch ernähren?  
Drum hat der Kaiser auch beschlossen
und in ein Gesetz gegossen:
Soldatenheirat gibt es nicht,
und hält wer diese Regel nicht,
der hat kein Recht mehr auf sein Leben,
er wird dem Tode übergeben!
Verboten waren damals auch
der Gottesdienst und jeder Brauch,
der auf den Glauben sich berief.
Den Bischof traf das ganz schön tief.
Er achtete nicht das Verbot,
und das brachte ihm den Tod.
Geblieben ist von diesen beiden
noch das Wissen um ihr Leiden.
Doch will der Brauch was andres sagen,
schon gar nicht ihren Tod beklagen,
sondern von der Liebe künden,
denn die vernichtet alle Sünden.
Jede Blume weist drauf hin:
Habt die Liebe nur im Sinn!
Die hätte jetzt zur Faschingszeit
viele Menschen arg erfreut.
Doch darf der Fasching nun nicht sein,
schon gar nicht groß und auch nicht klein.
Wägen, Züge und Verkleiden
sind von allen zu vermeiden.
Auch Maskieren gibt es nicht
dafür jetzt die Maskenpflicht,
auf dass der Fasching nicht verfällt,
sondern ´s ganze Jahr anhält.
Mit Masken geh´n wir durch die Zeit
als wär´ Fasching allezeit
und anstatt Helau zu singen,
tun wir die Zeit daheim verbringen.
Und man nennt das ohne Trug
„Haus-eigner Faschingszug“!
Wem das gefällt, der darf ruhig lachen.
Viele tun sich Sorgen machen
und fragen nach dem tiefen Sinn:
„Wo führt denn das noch alles hin?“
Die Welt steht Kopf, man kann es seh´n:
Sie tut sich völlig anders dreh´n.
Wer dies erkennt, wird nicht verzagen,
sondern neue Wege wagen
und getrost nach vorne schau´n
und an der Zukunft weiterbau´n,
die anders sein wird als bisher.
Denn ein Zurück gibt´s nimmermehr.
Bescheidenheit ist angesagt
und Demut wieder neu gefragt,
ein Glaube, der im Herzen wohnt
und sich nicht vor andern sonnt,
damit die seh´n, wie fromm man ist.
Denn solcher Glaube ist nur Mist.
Angstfrei gilt´s auf Gott zu schauen,
dann kann man auch der Zukunft trauen.
Das merkt euch alle ganz genau!

Denn jetzt ist Schluss: Helau, helau!

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