Gasthof zur Post um 1915 (Foto: Sammlung Krottenthaler)

200 Jahre Post in Röhrnbach

Der Markt Röhrnbach kann am 1. Juli 2016 auf eine 200-jährige Postgeschichte zurückblieben. Auf allerhöchsten Befehl wurde im Intelligenz-Blatt des Unterdonaukreises  durch das Königliche Postamt in Passau von Freiherrn von Leoprechting verkündet, dass ab 1. Juli 1816 nun eine neue Postverbindung von Passau über Röhrnbach, Freyung, Grafenau, Schönberg, Kam nach Böhmen und in die Oberpfalz eröffnet wird. Im Gasthof des Franz Paul Ilg am Marktplatz 1 in Röhrnbach wurde eine Postexpedition eingerichtet. Die Märkte Waldkirchen und Perlesreut hatten ihre Postsendungen per Boten nach Röhrnbach zu bringen. Zugleich wurde in einem weiteren Dekret unter Androhung von Strafe davor gewarnt, Post durch andere Boten, als solche der Königlich Bayerischen Post, überbringen zu lassen.  Anlässlich dieses Jubiläums hat der Kulturverein Röhrnbach e.V. eine Individualmarke mit einer alten Ansicht des Gasthofes zur Alten Post herausgegeben. Zugleich ist eine Bilder- und Dokumenten-Ausstellung zu diesem Thema im Heimat.Museum Röhrnbach.Kaltenbach am Dienstag, 25 Oktober 2016, 19.30 Uhr in Vorbereitung. Ein interessanter Vortrag wird in die Ausstellung einführen.

Wirtshausschild der Mauererzunft von 1800

Anlässlich dieses Jubiläums hat sich der Hotelier und Gastwirt Andreas Dafinger nicht nehmen lassen, die Fassade seines Posthotels am Marktplatz 1 geschmackvoll aufzufrischen. Dabei wurde auch das schmiedeeiserne Wirtshausschild aus der Zeit um 1800 renoviert. Es zeigt die Handwerkszeichen der Maurer, deren Zunftherberge das Ilg`sche Wirtshaus war. Zu diesem Thema  hat Paul Praxl  für das  Röhrnbacher Heimatbuch recheriert. Danach hat 1804 der Maurermeister Georg Käser aus Nebling bei Röhrnbach zusammen mit 20 weiteren Mauerermeistern aus den Pfleggerichten Leoprechting, Fürsteneck und Wolfstein und insgesamt 200 „Maurerindividuen“ an die damals zuständige Salzburger Landesregierung das Gesuch um Errichtung einer selbständigen Mauerermeisterlade im Markt Röhrnbach gerichtet. Der Leoprechtinger Pflegrichter, für Röhrnbach zuständig, hat dies in seinem Bericht gegenüber der fernen Landesregierung abgelehnt. Er befürchtete eine „Unordnung“, wenn diese Handwerker ohne behördliche Aufsicht Zusammenkünfte abhalten würden. Auch gab er zu bedenken, dass eine solche „Lade“ dem „unbedeutenden gewerblosen“ Markt Röhrnbach eine ziemliche Gewerbs-Vergrößerung verschaffen würde. Das war natürlich eine Irreführung der fernen Landesregierung, denn es gab in Röhrnbach schon seit langem zahlreiche Gewerbetreibende. Vor allem das Maurerhandwerk hatte eine alte Tradition. So baute beispielsweise 1796/1797 der Röhrnbach Maurermeister Johann Hainz die Pfarrkirche in Neugebäu bei Winterberg in Böhmen. Hans Krottenthaler hat in seinem Beitrag zur Geschichte des Dorfes Nebling die Maurerdynastie der Käser näher beleuchtet. Der Initiator der „Mauerer-Lade“ Georg Käser (1757 -1817) entstammte einer alten Maurerdynastie aus dem Dorfe Wilhelmsreut bei Röhrnbach, die sich später in mehreren Linien um Röhrnbach herum  verzweigte. Auch schon der  3xUrgroßvater von Maurermeister Georg Käser,  Adam Käser, erscheint als Mauerer in den Kirchenbüchern der Pfarrei Röhrnbach. Ein Sohn von Georg Käser, ebenfalls namens Georg (1791 – 1864) wiederum erbaute 1838 in Kumreut das erste Schulhaus.

Individualmarke anlässlich 200 Jahre Post im Markt Röhrnbach
Individualmarke anlässlich 200 Jahre Post im Markt Röhrnbach

Letztlich bewilligte die Regierung in Salzburg 1805 die Maurermeisterlade in Röhrnbach unter Auflagen. Nachdem Übergang unseres Gebietes an das Königreich Bayern wurden  Zug um Zug die Zünfte zurückgedrängt und der Gewerbefreiheit der Weg gebahnt.