Parteiloser Kandidat erhielt 100 Prozent der Stimmen – Schwerpunkt der Nominierungsrede: Nein zum geplanten NML-Neubau

Regen. Die neugegründete Wählergruppe „Frei.Parteilos.Unabhängig.“ (FPU) Regen schickt mit Robert Sommer einen parteilosen Bewerber in das Rennen um den Regener Bürgermeisterstuhl. „Der erste Zorn ist besser als der letzte“, zitierte der Kandidat in seiner Nominierungsrede ein altes bayerisches Sprichwort. Man müsse den Regener Bürgern hinsichtlich der städtischen Finanzlage endlich reinen Wein einschenken. „Und wenn wir raus aus der Misere wollen, müssen wir unbequeme Entscheidungen treffen“, so Sommer. Nur so könne die Stadt Regen mittelfristig überhaupt wieder politische Gestaltungsspielräume gewinnen. 

Zur öffentlichen Nominierungsversammlung konnte FPU-Vorsitzender Robert Sommer im Café am Kurpark in Regen zunächst 19 Mitglieder und Gäste begrüßen. Danach oblag es Vorstandsmitglied Karl Fischer und Versammlungssleiter Erwin Sommer, den Anwesenden FPU-Mitgliedern Robert Sommer als Bürgermeisterkandidat der Wählergruppe vorzuschlagen. Der Vorgeschlagene – der in vergangenen Legislaturperioden bereits Stadtrat und zweiter Bürgermeister war – stellte sich zunächst kurz vor und räumte auch ein, dass es ihn durchaus belastet habe, dass er seine Bürgermeisterkandidatur 2012 frühzeitig beenden musste. „Damals war meine Ehe in eine Krise geraten. Ich musste mich mit Blick auf meine Frau und meine beiden Söhne zurückziehen“, erklärte Sommer. Zwar habe er seine Ehe letztlich nicht retten können, doch sei es ihm wichtig, die Dinge damals „menschlich anständig“ geregelt zu haben. Die Anwesenden bat Sommer um eine zweite Chance.
 
In seiner folgenden Bewerbungsrede ließ der Regener Unternehmer keinen Zweifel daran, dass er nun – neben dem nötigen zeitlichen Freiraum – ein hohes Maß an Motivation mitbringe: „Ich kann nicht mehr mitansehen, wie unsere Heimatstadt politisch geführt wird“, stellte Sommer heraus. Er geißelte im Folgenden wiederholt ein jahrelanges Führungsversagen des „Systems Rathaus“ – gemeint seien damit Bürgermeisterin und Stadtrat als Einheit. „Es reicht halt einfach nicht, dauernd nur über die hohen Kosten für Pflichtaufgaben zu jammern und Jahr für Jahr Leitentscheidungen zur Zukunft der städtischen Einrichtungen auszusitzen“, kritisierte der Kandidat. Bürgermeisterin und Stadtrat sollten seiner Meinung nach eigentlich Gestalter sein, nicht „Getriebene ihres eigenen Infrastruktur- und Verwaltungs- Wasserkopfs“. 

Damit war Robert Sommer bei einem Thema angekommen, das ihn nach eigenen Angaben wirklich erschüttere: Dem geplanten Neubau des Niederbayerischen Landwirtschaftsmuseums. „Das NLM war eine Notlösung, nachdem das Landratsamt 1984 den Stadtplatz verlassen hat und das Gebäude leerstand. Seither zahlen Stadt und Bürger hierfür aber jährlich 120.000 Euro drauf“, erinnerte der 54-Jährige. Doch anstatt die Tatsache, dass der Freistaat Bayern das Gebäude nun für sein „Grünes Zentrum“ erwerben wolle, als Chance zur Schließung zur Einrichtung zu nutzen, plane die Stadt nun einen Museumsneubau neben dem künftigen Zentrum. „Wir haben kein Geld für genügend Kindergartenplatze, Sozialarbeit, Hochwasserschutz, Erhalt unseres Straßennetzes und Dorferneuerungen“, echauffierte sich Sommer „aber wir bauen ein neues Museum, das die Stadt sechs Millionen Euro kostet!“ Andernorts würden defizitäre Museen zugesperrt, in Regen hingegen neu gebaut. Sommer forderte eine Abkehr von dem Projekt und von Bürgermeisterin Ilse Oswald eine umfassende Information der Öffentlichkeit im Rahmen einer Bürgerversammlung. Auch ließ er Kritik an der von ihm geforderten Schließung des NLM nicht gelten: „Ich möchte jeden Kritiker gerne mal fragen: Wann waren Sie denn das letzte Mal als zahlender Gast im NLM? Aber in der Dauerausstellung, nicht bei irgendeiner Vernissage oder ähnlichem!“ An dieser Stelle war raunende Zustimmung aus den Reihen der Zuhörer zu vernehmen. 

Abschließend gab Sommer seine Marschrichtung für die kommenden Wochen vor: „Ich bin nicht Everybody’s Darling. Das kann ich auch gar nicht“, erklärte der Kandidat. Er werde jedoch hart dafür arbeiten, dass die „knallharte Wahrheit“ – auch wenn diese unschön sei – im Bürgermeisterwahlkampf „auf den Tisch kommt“. Die Stadtspitze müsse künftig radikal umsteuern, um den städtischen Haushalt endlich zu konsolidieren. „Die Wahrheit ist: Es wird dieses Jahr keine Weihnachtsgeschenke geben. Und wohl auch nächstes und übernächstes Jahr nicht“, bemühte Sommer einen bildlichen Vergleich. Er sei aber überzeugt, dass die Regener Bürger den notwendigen Konsolidierungskurs mittragen würden, wenn die Stadt im Anschluss daran wieder politischen Gestaltungsspielraum habe.
 
Bei der anschließenden Wahl des Bürgermeisterkandidaten votierten einhundert Prozent der anwesenden FPU-Mitglieder und Bürger für Robert Sommer. Dieser rief die Versammelten auf, ihn insbesondere bei der Sammlung der 180 benötigten Unterschriften im Regener Rathaus, die für parteilose Kandidaten notwendig sind, zu unterstützen. Abschließend diskutierte der Kandidat mit den anwesenden Mitgliedern und Bürgern.