Allhartsmais. „Ein großartiges Beispiel für Eigeninitiative, die wirkt und ein Dorf belebt“, so beschrieb MdL Manfred Eibl die Flaschenschenke in Allhartsmais. Mitten im Ort, neben der kleinen Kapelle hat Sepp Preiß hier seinen Traum verwirklicht. „Das ist ein Treffpunkt für alle aus der Gegend, an dem man sich Freitagabends trifft, ratscht und Sachen ausmacht“, betont er. Hinter einer ansprechenden Holzfassade verbirgt sich ein gemütlicher Gastraum mit langen Holztischen und Bänken. Liebevoll haben er und seine Frau die Räume, die früher in der Landwirtschaft genutzt wurden, zusammen mit einem Freund umgebaut und auf viele kleine Details geachtet. Er führt die Flaschenschenke im Nebenberuf und öffnet einmal die Woche regulär seine Tür. „Außerdem haben wir Musikveranstaltungen, z.B. ein Oktoberfest Ende Oktober“, erzählt Preiß der Bürgermeisterrunde der ILE.

Das „Wirtshaussterben“ ist ein Phänomen, das gerade ganz Bayern trifft. In vielen Wirtshäusern steht ein Generationenwechsel an, der nicht einfach ist, neue Brandschutzbestimmungen kommen dazu und es muss renoviert werden. Wenn das Vereinsleben weniger wird, bleiben auch die großen Veranstaltungen aus und weniger Leute kommen abends mal auf ein Bier und einen Ratsch vorbei. Die Gesellschaft verändert sich, die Wirtshäuser leiden und tragen, falls sie aufgeben, wieder zum Abbau der Sozialstruktur vor Ort bei.

Dieses Problem ist auch im „Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzept“ kurz ISEK der ILE Ilzer Land schon vor fünf Jahren thematisiert worden. Denn wenn ein Wirtshaus stirbt, fehlt plötzlich ein Treffpunkt für den Zusammenhalt im Dorf. Wenn man sich nicht mehr regelmäßig trifft, versandet das gemeinsame Leben, man verliert sich aus den Augen. Damit wird das, was das Leben auf dem Land ausmacht, geschwächt. Zu einem zukunftsfähigen Ilzer Land gehören also unbedingt auch diese Orte. Deshalb ist die ILE stets mit guten Beispielen vor Ort im Gespräch und versucht Leute mit guten Ideen zu unterstützen. „Hier in Allhartsmais kann man sich anschauen, wie es gehen kann – mit persönlichem Engagement und Freude am Gemeinschaftsleben“, betont der Schöfweger Bürgermeister Martin Geier, der die ILE Vorstandsrunde dorthin eingeladen hatte. Das Allhartsmaiser Modell könnte auch für andere Orte, an denen Wirtshäuser fehlen, angedacht werden. Auch die stellvertretende Landrätin Helga Weinberger, eine gebürtige Allhartsmaiserin, war bei der Vorstandssitzung und freute sich über das gelungene Beispiel. Klaus Jeggle, der stellvertretende Landrat des Landkreises Passau begutachtete vor allem die die handwerklich beeindruckend gestalteten Tische und Bänke. Und den ein oder anderen reizte natürlich auch der Nagelstock bei der Tür.

Treffpunkte müssen zwar nicht immer professionell bewirtschaftet werden, aber wie der Allhartsmaiser Neu-Wirt betont: „Einer muss ich kümmern, herrichten, aufräumen und dafür sorgen, dass alles passt.“ Und das tut er nun in seiner Flaschenschenke seit gut einem Jahr. Bei ihm hat der Schnupferverein genauso wie die lokale Feuerwehr einen Ort zum Zusammenkommen gefunden. „Die Behörden, vor allem das Landratsamt, haben mich auf dem Weg stark unterstützt. Schon im Vorfeld wurde ich beraten, was alles notwendig ist, um eine kleine Schenke zu eröffnen und dann konnte ich mich gut darauf einstellen“, betont er. Und die Pläne sind noch nicht am Ende. „Oben im alten Stall wäre noch Platz, vielleicht für einen Saal für größere Veranstaltungen. Das wäre unser nächstes Projekt“, überlegt Preiß. Aber bis dahin freut er sich, wenn am Freitagabend die Stube voll ist, eine Brotzeit bestellt wird und das nächste Fest im Dorf und in der Gegend geplant wird.