Kartierung wertvoller Lebensräume im Landkreis Freyung-Grafenau

Im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) und in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Freyung-Grafenau nehmen Fachleute ab August dieses Jahres die Naturschätze im Landkreis unter die Lupe. Über die Aktualisierung der Biotopkartierung gab das LfU bei der jüngsten Bürgermeisterdienstversammlung im Landratsamt Freyung-Grafenau Auskunft. Vor über 30 Jahren wurde zum ersten Mal die Biotopkartierung im Landkreis Freyung-Grafenau durchgeführt. Das Wissen über die Naturschätze wird jetzt auf den neuesten Stand gebracht. Die wertvollen Biotopflächen prägen die einzigartige Landschaft und machen den Landkreis nicht nur für Touristen attraktiv, sondern tragen auch entscheidend zur hohen Lebensqualität der Bürger bei, wie Landrat Sebastian Gruber ergänzte. Die Biotopkartierung liefert Kommunen, Naturschutzbehörden, Planungsbüros und wissenschaftlichen Einrichtungen wichtige Informationen für ihre tägliche Arbeit, wie die Planung und Beurteilung von Bauvorhaben und Maßnahmen zum Schutz der Natur.

Landrat Sebastian Gruber und die anwesenden Bürgermeister begleiteten den Vortrag mit kritischen Fragen u. a. zur Frage der Entschädigung für Grundeigentümer, wenn ein Biotop auf ihrem Grund festgestellt wird. Hierfür hat der Freistaat Bayern das Vertragsnaturschutzprogramm ins Leben gerufen. Landwirte, die bei der Naturschutzbehörde am Landratsamt einen Antrag stellen, können für die biotoperhaltende Nutzung oder Pflege von Biotopflächen ein Entgelt erhalten. Rund eine Million Euro Fördergelder kommen so schon bisher jährlich in den Landkreis. Auf der Basis der aktualisierten Daten können Landwirte für die naturnahe Bewirtschaftung und Pflege der Biotopflächen gezielt über den Vertragsnaturschutz honoriert werden.

Die Bandbreite der Naturoasen ist in Freyung-Grafenau vielfältig: glasklare Mittelgebirgsbäche, abwechslungsreiche Waldhufenlandschaften und Rodungsinseln, Mager- und Borstgrasrasen sowie extensiv genutzte, blütenreiche Wiesen. Sie alle sind Garant für die kostbare Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Die Flussperlmuschel, das Braunkehlchen, die kürzlich wiederentdeckte Wald-Birkenmaus, die Echte Arnika und der Böhmische Enzian gehören zu den Arten, die im Landkreis Freyung-Grafenau Lebensraum finden. Für den Erhalt dieser einzigartigen Naturausstattung ist die Erfassung in der Biotopkartierung die wesentliche Wissensgrundlage.

Im Jahr 2018 wurden bereits in einem Teil des Landkreises die wertvollen Lebensräume für gefährdete Tier- und Pflanzenarten untersucht. Nach einem bayernweiten Stopp der Biotopkartierung im Frühjahr 2019 wird ab August 2020 das beauftragte Fachbüro aus Deggendorf die Arbeiten fortsetzen. Die Ergebnisse der Kartierung liegen voraussichtlich im Sommer 2024 vor. Über 800.000 Euro stellt der Freistaat für die Naturinventur im Landkreis Freyung-Grafenau zur Verfügung.

Bei der letzten Kartierung wurden ca. 2.700 Biotope mit einer Gesamtfläche von rund 5.300 Hektar erfasst. Dies entspricht einem Biotopanteil von ca. 5,4 Prozent im Landkreis. Vor dem Start der Geländearbeiten erhalten die Gemeinden im Landkreis, die lokalen Behörden, die Interessenverbände der Grundeigentümer und Bewirtschafter sowie die Naturschutzverbände ein Informationsschreiben des LfU. Das beauftragte Büro wird frühzeitig mit dem Bürgermeister der jeweiligen Gemeinde Kontakt aufnehmen und auf Wunsch den Zeitplan der Arbeiten persönlich vorstellen. Die Naturschutzbehörde am Landratsamt in Freyung und das LfU stehen den Bürgern für weitere Auskünfte zur Verfügung.

An der Gemeindeverwaltung liegt die neue Informationsbroschüre des LfU „Lebensräume erfassen und gemeinsam Bewahren“ zur Information für Grundeigentümer und Bewirtschafter aus:


Weitere Informationen

Gemäß Art. 46 des Bayerischen Naturschutzgesetzes (BayNatSchG) ist das LfU für die landesweite Durchführung der Biotopkartierung zuständig. Die Biotopkartierung erfasst und beschreibt nach einem bayernweit einheitlichen Schema wertvolle Lebensräume, wie die nach § 30 und § 39 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) oder Art. 16 und 23 BayNatSchG gesetzlich geschützten Biotoptypen oder die Natura 2000-Lebensraumtypen. Sie liefert eine Bestandsaufnahme der wertvollen Flächen und der Pflanzenarten, die dort leben. Wiederholungskartierungen bringen die Daten auf den neuesten Stand. Das LfU koordiniert die Arbeiten bayernweit und stellt die Ergebnisse den Gemeinden und der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Die Biotope werden im Gelände erhoben und im Maßstab 1:5.000 in Luftbild-Karten eingezeichnet. Dabei erfassen und beschreiben speziell ausgebildete Kartierer die für den Naturschutz wichtigen Flächen und die dort wachsenden Pflanzen. Seit 2006 werden zusätzlich die Lebensraumtypen des europäischen Biotopverbundsystems Natura 2000 erfasst. Rund vier Prozent der Landesfläche Bayerns außerhalb der Alpen sind seit Beginn der Biotopkartierung als ökologisch wertvolle Lebensräume erfasst und beschrieben worden.

×

(Anzeige)

×