Bundesvorsitzende Waltraud Weegmann: „Ich bin empört. Kitas dürfen nicht dem Aktionismus geopfert werden.“

Berlin. Die Bundesvorsitzende des Deutschen Kitaverbands, Waltraud Weegmann, kritisiert die Kitaschließungen im Rahmen des Lockdowns im Berchtesgadener Land: „Wie Familienministerien Franziska Giffey und Gesundheitsminister Jens Spahn am Freitag bestätigten, geht von Kindern bis zehn Jahre kein Infektionsrisiko aus. Deshalb dürfen Kitas, Horte und Tagespflegestellen auch bei einem regionalen Lockdown nicht geschlossen werden. Wir fragen uns, wann diese Erkenntnis endlich Einzug in die tatsächlichen Entscheidungen der Verantwortlichen hält. Kinder dürfen nicht weiterhin dem Aktionismus geopfert werden. In der Allgemeinverfügung heißt es, beruflichen Tätigkeiten dürfe weiterhin nachgegangen werden. Wenn Eltern arbeiten gehen sollen, muss auch die Kita-Betreuung stattfinden. Die Familien können nicht beides schultern, was auch bei der Politik seit dem Frühjahr angekommen sein müsste.“

„Kinder gehören bisher zu den Verlierern der Pandemie. Sie wurden und sind durch Schließungen von Kitas und Schulen in ihrem Alltag und ihren Entwicklungsmöglichkeiten so stark eingeschränkt wie kaum eine andere Bevölkerungsgruppe. Nun wissen wir jedoch: Sie sind nicht nur keine Treiber der Infektion, sie verbreiten sie sogar gar nicht. Deshalb werden in Irland während des neu ausgerufenen Lockdowns Kitas explizit von den Schließungen ausgeschlossen. Unser Ziel muss es – wie Gesundheitsminister Jens Spahn gesagt hat – sein, ‚dort, wo die Infektionen sind, einzugreifen‘ und das sind nicht die Kitas. Kinder brauchen ihre Freiräume und dauerhaften Zugang zu Bildung. Kinder brauchen Kinder! Das Wohl des Kindes muss bei politischen Entscheidungen im Vordergrund stehen“, appelliert Weegmann, die mit ihrem Träger selbst über 40 Kitas in drei Bundesländern betreibt.

Weiter fordert sie: „Wir brauchen ein klares politisches Bekenntnis dazu, Kitas künftig von coronabedingten Schließungen auszunehmen. Denn dies entspräche den aktuellen medizinischen Erkenntnissen. Gleichzeitig würden wir unsere Kinder damit vor den vielfältigen negativen psychologischen Folgen schützen, die die Corona-Maßnahmen auf sie haben – zum Beispiel weil sie weniger Nähe und Herzlichkeit in ihrem Alltag erfahren. Wir dürfen auch nicht weiter zulassen, dass Kinder das subtile Gefühl entwickeln, einer ungreifbaren Bedrohung ausgesetzt zu sein, und sich dies in ihrem Lebensgefühl manifestiert.“

„Wir fordern, den Fokus der gesamtgesellschaftlichen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID19 darauf auszurichten, dass Erwachsene das Virus nicht weiterverbreiten. Entsprechend sollten sich auch im Kitabereich die präventiven Maßnahmen auf die Erwachsenen – Erzieher und Eltern – konzentrieren, um den Kindern größtmögliche Freiräume zu lassen. Da uns die Pandemie noch lange begleiten wird, haben wir einen Stufenplan entwickelt, der den Einrichtungen je nach lokalem Infektionsgeschehen konkrete Schritte empfiehlt“, erklärt Weegmann.

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