(von Tanja Wagner)

Moderner Geschichtsunterricht findet nicht nur im Klassenzimmer statt, sondern auch an geschichtsträchtigen Orten. Solche Erinnerungsorte sind ehemalige Konzentrationslager, wo die heute Lebenden in besonderer Weise die Grausamkeit des NS-Unrechtsstaats nachempfinden können. So machten sich die Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe des Gymnasiums Freyung am Montag nach den Pfingstferien auf nach Österreich in die KZ-Gedenkstätte Mauthausen.

Einen ersten Einblick in das „System Mauthausen“ mit all seinen Nebenlagern und den durch die Brutalität der SS geprägten Häftlingsalltag erhielten die Freyunger Schülerinnen und Schüler an der ersten Station ihrer Exkursion, nämlich dem „Wienergraben“ genannten Steinbruch, in dem tausende Häftlinge zu Tode kamen.

Vertieft wurden die anfänglichen Eindrücke durch drei Führungen, in denen sog. Vermittler die Jugendlichen mithilfe von Bild- und Textquellen anschaulich und sachkundig mit den Vorgängen im KZ Mauthausen vertraut machten. Sie ließen ihnen dabei immer wieder Zeit, das Gelände selbst zu erkunden und beantworteten alle aufkommenden Fragen.

Mithilfe verschiedener Materialien vermittelten die Guides den jungen Besuchern einen Eindruck vom Alltag der KZ-Häftlinge und beantworteten alle aufkommenden Fragen (Foto: Tanja Wagner)

Beispielsweise entdeckten einige Schüler auf einer alten Luftaufnahme einen Fußballplatz, der sich direkt vor den Toren des KZ neben dem Siechen- und Krankenlager befunden hatte. Von ihrer Vermittlerin erfuhren sie, dass das KZ eine eigene Fußballmannschaft – bestehend aus SS-Männern – hatte, die erfolgreich in der Regionalliga spielte. Ein Foto der Mannschaft in Verbindung mit den noch zu sehenden Zuschauerplätzen veranlasste die Schülerinnen und Schüler dazu, darüber nachzudenken, was die damals in der Umgebung Lebenden über das KZ wissen konnten und mit welchen Motiven sie diesen Fußballspielen beiwohnten.

Bei der weiteren Begehung des Geländes sahen die Schülerinnen und Schüler zudem zahlreiche Denkmäler. Europäische Staaten und Opfergruppen erinnern hiermit an die begangenen Verbrechen. Frische Blumen, Zeichnungen und angebrachte Fotografien zeigten den Besuchern, dass dieses Erinnern für viele Nachfahren von Opfern sehr wichtig ist.

Erinnern und Gedenken gelingt an der KZ-Gedenkstätte in besonderem Maße im sog. „Raum der Namen“, wo man versucht hat, die Namen aller bekannten Opfer visuell darzustellen. Aber auch die noch stehenden Baracken, der Waschraum und der Appellplatz beeindruckten die Neuntklässler nachhaltig und vermittelte ihnen, welche Auswirkungen die menschenverachtende Ideologie des NS-Regimes auf das Zusammenleben der Menschen hatte.

Mit großem Interesse lasen diese beiden Neuntklässler die Informationen zum Leben in den Häftlings-Baracken (Foto: Tanja Wagner)

Im anschließenden Austausch mit den sie begleitenden Geschichtslehrern Michael Fritz, Markus Michel und Tanja Wagner zeigte sich, dass die Schülerinnen und Schüler vom Gehörten und Gesehenen durchaus mitgenommen waren. Ihr Bewusstsein für die NS-Vergangenheit und wie mit dieser umgegangen werden sollte wurde deutlich geschärft und damit ein wichtiges Lernziel erreicht, das über den reinen Lehrplan hinausgeht.