Ehrenamtliche Familienpaten bringen Entlastung im Alltag

Die Familienstrukturen haben sich in den letzten Jahrzehnten gravierend geändert. Früher lebten oft drei Generationen unter einem Dach. Oma und Opa halfen meistens noch im Haushalt mit und beaufsichtigten ihre Enkel, wenn es erforderlich war. Auch gab es mehr Kinder in einer Familie und die Großen schauten auf die Kleinen und hatten ebenfalls ihre Aufgaben im Familienleben.

Heute sind die Ein- oder Zweikindfamilien eine normale Erscheinung. Oma und Opa leben häufig wo anders. Zudem sind heutzutage mehr und mehr Frauen berufstätig, denn ein Ernährer reicht immer öfter nicht aus. Last but not least steigt die Zahl der Alleinerziehenden. Kommen dann zusätzliche Problemstellungen auf die Familie zu, benötigt man Hilfe. Hier kommt nun die Einrichtung der Familienpaten ins Spiel.

Diese ehrenamtliche Tätigkeit mit einem durchschnittlichen Aufwand von 2 bis 3 Stunden wöchentlich wird meistens von älteren Frauen ausgeübt, die in ihrer eigenen Familie selbst schon umfangreiche Erfahrungen gesammelt haben. Unterstützung leisten diese beispielsweise, indem sie mit den Kindern spielen, bastelen, lesen oder sie bei den Hausaufgaben unterstützen. Sie bieten praktische Unterstützung bei der Kinderpflege oder bei der Haushaltsführung an. Begleitung der Familien im Alltag, bei Behördengängen und zu sonstigen Terminen ist ein weiterer Punkt.

Welche Unterstützung notwendig ist, sieht die Familienpatin vor Ort. Zu ihrer Motivation befragt, erzählt eine der Patinnen: „Als so viele Flüchtlinge zu uns kamen, gab es gleich Helfer in Massen. Aber da kam mir der Gedanke, dass auch Menschen hier vor Ort Hilfe benötigen, und da stieß ich durch Zufall auf das Projekt Familienpaten. Seit dem bin ich dabei und habe viele Erfahrungen gesammelt. Man kann Menschen, die meine Hilfe annehmen, nicht ändern, man muss sie so nehmen, wie sie sind. Wichtig ist, dass man ihre Probleme erkennt und passende Lösungen anbieten kann. Oft sind es keine großen Dinge. Manche dieser Menschen brauchen zeitweise nur jemanden, der ihnen einfach zuhört und sie erzählen lässt. Natürlich gibt es dabei schon Dinge, die einem persönlich nahe gehen. Es baut sich schon eine Beziehung auf. Für die Kinder in einer solchen Familie bin ich einfach die Oma. Das Ganze ist eine Hilfe zur Selbsthilfe. Deshalb ist so ein Einsatz auf sechs Monate ausgelegt. In meinem Fall sind es mittlerweile 1 1/2 Jahre. Die Probleme in den Familien sind unterschiedlich und so auch Art und Dauer des Einsatzes.“

Die Einsätze werden koordiniert von der KoKi (Koordinierende Kinderschutzstelle) am Landratsamt Freyung-Grafenau. Die KoKi gehört zum dortigen Amt für Kinder und Familie. Thomas Seidl, der Leiter dieses Amtes und Katrin Schätzl von der KoKi erläutern im Gespräch die Details des Einsatzes der Familienpaten, von denen es nach ihren Worten derzeit zehn Personen im Landkreis gibt. Mehr werden dringend benötigt. Die Nachfrage ist größer als das Angebot.
„Außerdem ist die ganze Sache nicht so einfach“, meint Katrin Schätzl. „Zuerst müssen wir feststellen, welche Probleme bei einer Famlie vorliegen. Bei schwerwiegenden Dingen kann man keinen ehrenamtlichen Familienpaten einsetzen. Das sind dann Angelegenheiten für das Jugendamt. Außerdem müssen wir sehen, ob Familie und Pate miteinander harmonieren. Die „Chemie“ muss stimmen. Die ganze Betreuung erfolgt in enger Abstimmung zwischen uns und dem jeweiligen Paten. Die Paten selbst werden von uns geschult. Die nächste Schulung ist im Februar 2018 mit je zwei halben Tagen. Alle drei Monate gibt es ein Patentreffen, wo man sich austauscht und bestimmte Themen behandelt. Die Einsätze sind für die Familien kostenlos und die Paten erhalten nur eine Art Aufwandsentschädigung in Form eines Fahrtkostenersatzes.“
„Natürlich gibt es bei vielen Familien eine Hemmschwelle sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Manchmal bekommen wir aber Anfragen vom Sozialdienst, dass sie jemand hätten, der einen Familienpaten benötigen würde“, erklärt Thomas Seidl.
„Übrigens wären uns Männer als Paten ebenfalls willkommen. Die Anzahl unserer Paten schwankt. Manchmal wird jemand krank oder in der eigenen Familie gibt es Probleme, die gelöst werden müssen.“

Vielleicht noch ein Wort zum Hintergrund des Projekts. Es gibt schon seit einigen Jahren ein Netzwerk Familienpaten Bayern. Dort wurden bayernweit die einheitlichen Standards für Schulung und Einsatz der Familienpaten entwickelt. Ansprechpartner im Landkreis, wenn man Familienpate werden will oder selbst einen brauchen würde, ist die Koordinierende Kinderschutzstelle am Landratsamt Freyung-Grafenau:

Telefon 08551 57151 / Email: koki@lra.landkreis-frg.de

(Bild: Thomas Seidl, Leiter des Amt für Kinder und Familie am Landratsamt Freyung-Grafenau und Katrin Schätzl, KoKi – Foto: MuW/r.demont)

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