Mit vereinten Kräften gegen den Ärztemangel

Er der erste Ansprechpartner, egal ob es sich um eine hartnäckige Erkältung, einen Infekt oder andere Beschwerden handelt – der Hausarzt steht mit Rat und Tat zur Seite. Doch wie lange noch? In ländlichen Regionen bahnt sich ein massiver Ärztemangel an. Für die Gesundheitsregion Passauer Land plus steht fest: Schon jetzt muss gehandelt werden, um zukunftsfähige Lösungen zu finden. Deshalb hat Franziska Solger-Heinz von der Geschäftsstelle die Bürgermeister der Gesunden Gemeinden zum 1. Gesundheitspolitischen Stammtisch nach Ortenburg eingeladen. „Vernetzung ist unerlässlich und für unsere Belange Gold wert“, stellte sie heraus. Gemeinsam sollte die mögliche Rolle der Kommunen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Medizin diskutiert werden. Impulse gaben zu Beginn zwei externe Experten. Dr. Ludwig Weber, Chefarzt am Vilshofener Krankenhaus, erläuterte kurz die Ist-Situation und stellte heraus, dass es zur Gewinnung von Medizinernachwuchs wichtig sei, die Bedürfnisse der neuen Generation der Ärzte zu kennen. Dazu zählen eine sehr gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf und auch eine ausgewogene Work-Life-Balance. Wie also können Kommunen auf dieser Grundlage agieren? Oliver Legler vom Kommunalbüro für ärztliche Versorgung ist der Überzeugung: Durch die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen. So könnten von Seiten der Kommunen für die Nachwuchsärzte Fördermöglichkeiten und Wohnraum vermittelt und so die Aus- und Weiterbildung flankiert werden. Unter Berufung auf aktuelle Forschungsergebnisse wies er darauf hin, dass es sinnvoll sei, sich insbesondere auf die „Rückkehrer“ zu fokussieren. „Bei Ärzten, die im ländlichen Raum aufgewachsen sind, gibt es die höchste Wahrscheinlichkeit, dass sie sich später auch hier niederlassen. Das ist die primäre Gruppe, bei der man ansetzen kann“, so Legler, der auch einige Projekte aus anderen Gesundheitsregionen vorstellte, mit denen dort teilweise sehr erfolgreich versucht wird, Ärzte aufs Land zu holen. Natürlich gab es auch im Landkreis Passau vielfältige Initiativen zum Thema, beispielsweise wurden auch bereits Workshops für Medizinstudenten angeboten, um die „Rückkehrer“ speziell in den Blick zu nehmen. Dabei setzte man auf den Erlebnisfaktor. In Kooperation mit niedergelassenen Ärzten, Kliniken und der Privatwirtschaft wurden fachliche Workshops mit einem abwechslungsreichen Erlebnisprogramm kombiniert.

Natürlich gab und gibt es auch im Landkreis Passau vielfältige Initiativen zum Thema, beispielsweise wurden auch bereits Workshops für Medizinstudenten angeboten und die „Rückkehrer“ speziell in den Blick genommen. Bei der Diskussion wurde deutlich, dass die Bürgermeister schon sehr viel tun, um ihre Gesunden Gemeinden attraktiv für Mediziner zu machen oder Nachwuchsärzten bei der Niederlassung zu helfen. Gemeinsam soll nun erarbeitet werden, welche weiteren realistischen Ansätze für Initiativen es geben kann, dabei sollen auch die Ergebnisse einer Ärztebefragung einfließen. Bereits 2020 sollen weitere angedachte Projekte umgesetzt werden. Wichtig: Die Zusammenarbeit mit Ärzten vor Ort und die Kooperation mit der Gesundheitsregion Passauer Land plus. Ortenburgs Bürgermeister Stefan Lang zeigte sich stellvertretend für die anderen Bürgermeister dankbar für die Unterstützung durch die Gesundheitsregion. „Was da im Hintergrund läuft, ist für uns perfekt. Wir werden immer mit den notwendigen Informationen versorgt.“ Auch die Beratung durch das Kommunalbüro für ärztliche Versorgung ist aus Sicht der Bürgermeister hilfreich. Im Landkreis Passau wurden bereits 144 Beratungsgespräche durchgeführt.

Abschließend formulierten die Bürgermeister der Gesunden Gemeinden den Wunsch, dass auch beim Medizinstudium selbst angesetzt werden sollte. Sie fordern einen besseren Zugang zum Studium und vor allem auch mehr Studienplätze. Schließlich sollen Prognosen zufolge bis 2035 jährlich bis zu 6 000 Medizinstudienplätze in Deutschland fehlen.

Bild oben: Gesundheitsmanagerin Franziska Solger-Heinz hat zu dem 1. Gesundheitspolitischen Stammtisch eingeladen. Foto: Gesundheitsregion Passauer Land plus