Junger Mann (20) aus Sierra Leone verstarb am vergangenen Donnerstag in Passau

Passau. Sein Name war Lamin. Und wie zahlreiche andere Menschen war er vor Gewalt und Rechtlosigkeit aus seinem Heimatland geflohen. Sein Weg führte ihn unter anderem nach Libyen, wo er in einem der berüchtigten Flüchtlingslager untergebracht wurde – es folgte im Anschluss eine dramatische Überfahrt nach Italien.
Lamin überlebte all das und kam im Dezember 2016 erstmals in Deutschland an. Angekommen in Deggendorf wurde er medizinisch untersucht. Im Januar 2017 wurde bei ihm eine lebensbedrohliche Hepatitis-Erkrankung diagnostiziert, wie seine Freunde berichten. Doch offenbar nahm man dies im Transitlager in Deggendorf nicht so ernst; auf eine weitere medizinische Behandlung und Therapie wurde verzichtet.

Trotz des erkennbar schweren Verlaufs seiner Krankheit wurde Lamin im Spätsommer 2017, aufgrund der Dublin-Verordnung, nach Italien abgeschoben – damals kam die Polizei um zwei Uhr morgens im Transitlager in Deggendorf vorbei, um Lamin abzuschieben. Wie seine Freunde weiter erzählen, hätte er noch auf dem Weg zum Flughafen den Polizisten von seiner schweren Erkrankung erzählt. Ebenso, dass er noch einen Arzttermin habe – eine entsprechende Bestätigung wurde den Polizisten vorgezeigt. Daraufhin erwiderten die Polizisten, sie würden ihn jetzt zu einem Arzt fahren – doch daraus wurde nichts, das Ziel war am Ende der Flughafen in Frankfurt.

Lamin (Foto via: matteo, Kirche & Asyl e.V.)

Wie die meisten zurückgeführten Flüchtlinge musste Lamin sich in Italien auf der Straße durchschlagen, eine medizinische Versorgung bekam er nicht. Sein Zustand verschlechterte sich zusehends. Nach weiteren drei Wochen gelang es Lamin, nach Deutschland zurückzukehren. Anfang Januar dieses Jahres wurde er dann doch noch durch das Klinikum in Passau aufgenommen, wo die Ärzte ein fortgeschrittenes Leberkarzinom feststellen konnten, verbunden mit Metastasen in der Wirbelsäule. Trotz allem medizinischen Einsatz des Klinikums in Passau war sein Leben nicht mehr zu retten. Von einer ehrenamtlichen Hospizhelferin, einer Ärztin aus Passau, wurde Lamin liebevoll in seinen Tod begleitet. Es konnte am Ende sogar noch verhindert werden, dass der Sterbende zurück in eine Flüchtlingsunterkunft (mit Mehrbettzimmern) gebracht wurde.

Natürlich – niemand kann wissen, ob die Abschiebung des damals 20-jährigen jungen Mann nach Italien hauptursächlich für seinen Tod angesehen werden kann. Sicher ist jedoch, dass er bei ausreichender medizinischer Versorgung und Betreuung (vor der Abschiebung nach Italien) und ohne die zusätzlichen Belastungen (das Leben auf der Straße etc.) eine Chance gehabt hätte, noch länger in menschlicher Würde zu leben; vielleicht sogar überleben zu können.

Lamin ist kein Einzelfall. Und wie uns der Verein „matteo – Kirche und Asyl“ mitteilt, erhält diese Institution immer wieder Berichte, dass in Deggendorf und den großen Lagern keine oder nicht ausreichende medizinische Versorgung für Traumatisierung oder Erkrankungen von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt wird: „Der Zugang zu Ärzten wird offen be- und verhindert.“

Deshalb fordert auch dieser humanitäre Verein einmal mehr:

„Es kann nicht sein, dass das BAMF in Deggendorf und die zuständige Ausländerbehörde, die ZAB Niederbayern, angeschlagene oder kranke, hier schwerkranke Menschen auf die Straße nach Italien schicken. Jeder in den Ämtern und den zuständigen Ministerien kennt die Zustände in diesem von der Migration überforderten Land, das die Rückkehrer nicht betreut.

Wir fordern deshalb
– die Etablierung einer ausreichenden medizinischen Betreuung in Deggendorf und anderen Lagern
– die Schließung solcher Großeinrichtungen und die Rückkehr zur dezentralen Unterbringung
– die Untersuchung des Falles von Lamin, der Gründe, warum er trotz bekannter Erkrankung abgeschoben wurde, auch des Verhaltens der Polizei
– die sofortige Aussetzung der Abschiebungen nach Italien, solange Menschen dort unversorgt auf der Straße landen.“

In diesen Tagen findet in Passau die Trauerfeier für Lamin und seine Beerdigung statt.