Tennessee Williams‘ Bühnenklassiker als Tanztheater. Nur zwei Vorstellungen in Passau

(von Tobias Schmidt)

Seit dem späten 19. Jahrhunderts nahm die US-amerikanische Kultur den gesellschaftlichen Wandel der südlichen Bundesstaaten in den Blick. Von der Geldaristokratie mit „adligem“ Lebensstil auf ihren Baumwolle-Latifundien bis zur Rassenfrage. Diese „Southern Gothic“ genannte Strömung des Naturalismus, wusste im Roman, im Theater und im Kino eine Poetik des Niedergangs mit Elementen des Schauerromans, aber auch schon früh mit psychologischen Deutungen zu verbinden.

Man denke an Edgar Allen Poe, an Mark Twain bis hin zu Margaret Mitchells „Vom Winde verweht“. In den 1940er Jahren lag über all dem eine Patina, an welcher gehörig zu kratzen einige junge Schriftsteller gingen. Allen voran William Faulkner, und im Gefolge Davis Grubb („Die Nacht des Jägers“), Truman Capote („Die Grasharfe“, „Kaltblütig“), dessen gute Freundin Harper Lee („Wer die Nachtigall stört“) oder Carson McCullers („Das Herz ist ein einsamer Jäger“).

(Foto: Michal Hančovský – Südböhmisches Theater České Budějovice)

Die Theaterbühne bestimmte wie kaum ein anderer der Dramatiker Tennessee Williams (1911-1983). Ein Mittdreißiger aus ärmlichen Verhältnissen stammend, der es als Drehbuchschreiber in Hollywood versuchen wollte. Und es seinerzeit wie kaum ein zweiter verstand, eine mit schwebender Unsicherheit behaftete spannende Handlung, Sozialkritik und psychologische Figurendeutung zusammen zu bringen.
Seine Erfolge begannen 1944 mit „Die Glasmenagerie“, und bis zu „Die Nacht des Leguan“ (1961) folgten einige Bühnenerfolge. „Die Katze auf dem heißen Blechdach“, „Süßer Vogel Jugend“ oder „Die tätowierte Rose“ sind zu nennen, alle auch erfolgreich verfilmt (mit Kirk Douglas, Burt Lancaster oder natürlich Marlon Brando in den männlichen Hauptrollen).

Und natürlich „Endstation Sehnsucht“ aus dem Jahr 1947. Darin besucht die aus einer einst wohlhabenden Südstaatenfamilie stammende Blanche DuBois ihre Schwester Stella in New Orleans. Die ist mit Stanley Kowalski, einem rechten Grobian verheiratet. Blanche hängt der längst vergangenen gesellschaftlichen Bedeutung und dem Wohlstand ihrer Familie nach, darüber verliert sie den Blick für die Realität. Sie verachtet die erbärmlichen Lebensumstände ihrer Schwester und ist zugleich angezogen und abgestoßen von Stanleys animalisch-primitiven Verhalten. Der, bereits dem Namen nach ein Einwanderer jüngerer Tage, ist rücksichtslos in seiner Sehnsucht, etwas aus sich zu machen. Er kommt Blanches, in rückwärts gewandter Sehnsucht gesponnenen Lügen und Illusionen auf die Schliche. Eine Wucht aus vermasselten Lebensläufen und sexueller Energie triebt beide selbstzerstörerisch aufeinander zu.

(Foto: Jarmila Štuková)

Am Südböhmischen Theater Budweis läuft „Endstation Sehnsucht“ gerade als eine zwischen Tanztheater und Schauspiel schwankende Kammerinszenierung des Choreografen Libor Vaculík mit Musik des bekannten estnischen Komponisten Arvo Pärt an. Das Landestheater Niederbayern zeigt diese Fassung am Samstag, 1. Dezember um 19.30 Uhr und am Sonntag, 2. Dezember um 16 Uhr am Stadttheater Passau. Karten ab sofort an der Theaterkasse oder unter www.landestheater-niederbayern.de.

(Bildquelle: Jarmila Štuková bzw. Michal Hančovský-Südböhmisches Theater České Budějovice)