Stadt Passau gedenkt der Opfer

Erinnern als wesentlicher Teil von Friedensarbeit, der sich die Stadt verpflichtet sieht, ist umso sinnvoller, je mehr die Bevölkerung direkt mit einbezogen wird. Da aufgrund der Corona- Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen ein angemessenes öffentliches Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 und die damaligen Ereignisse in der Stadt Passau derzeit nicht möglich ist, wird auf die ursprünglich geplante offizielle städtische Gedenkveranstaltung unter Mitwirkung des Adalbert-Stifter-Gymnasiums am Freitag, 08.05.20 verzichtet. Die Veranstaltung soll in noch festzulegender Form zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Unabhängig davon gedenkt die Stadt Passau dieses Ereignisses.

Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „Seit nunmehr 75 Jahren gibt es Frieden, das ist die längste Friedensperiode in der jüngeren deutschen Geschichte. Für viele ist das eine selbstverständlich erlebte Normalität, in Wirklichkeit jedoch ist dies eine Errungenschaft, die es permanent zu verteidigen gilt. Mit dem Blick zurück gilt es daher den Wert von Demokratie und Freiheit und als zentralen Wert die Achtung vor der Würde des Menschen immer wieder zu verinnerlichen und dafür einzutreten. Diesem Auftrag werden wir auch in Zukunft gerecht werden. Sollte es längere Zeit bei einem Veranstaltungs- und Versammlungsverbot bleiben, würde sich anbieten, im Rahmen des Volkstrauertages speziell auch des Endes sowie der Opfer des Zweiten Weltkriegs zu gedenken. Bis dorthin lässt sich sicher eine in diesem Kontext stehende Veranstaltung organisieren. Wichtig ist für uns, dass wir die Öffentlichkeit beteiligen können und man sich gemeinsam erinnert.“

Mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939 hatte der Zweite Weltkrieg begonnen, der in den folgenden Jahren die Welt in einen Abgrund stürzte. In Passau endete er am 2. Mai 1945 mit der Übergabe der Stadt an amerikanische Truppen, bevor Deutschland am 8. Mai 1945 definitiv kapitulierte.

Die Stadt Passau erinnert an die Opfer des Zweiten Weltkrieges, aber auch ganz besonders an jenes Leid, das sich in Passau selbst ereignet hat und die Millionen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Das Gedenken gilt

  • den Opfern der Luftangriffe auf Passau in den letzten Monaten des Krieges.
  • den Passauer Bürgern, die als Angehörige von Hilfsorganisationen in den letzten Kriegstagen getötet wurden.
  • all jenen, die auf den Schlachtfeldern ihr Leben lassen mussten, in Kriegsgefangenschaft gerieten oder als Kriegsversehrte heimkehrten.
  • den Frauen, die vergeblich auf die Rückkehr ihrer Männer und Söhne aus dem Krieg gewartet haben. Viele Kinder haben ihre Väter oder auch ihre Mütter verloren.
  • jenen, die durch Flucht und Vertreibung Schlimmes erlitten haben, darunter auch die über 28.000 Flüchtlinge, Vertriebene und Displaced Persons, die sich allein im September 1945 in unserer Stadt aufgehalten haben.
  • jenen Passauer Bürgern, die der Naziideologie zum Opfer gefallen sind, darunter ehemalige jüdische Mitbürger, Opfer von Euthanasie, Menschen, die aus politischen Gründen verfolgt wurden.
  • Zwangsarbeitern, insbesondere jenen, die in den Außenlagern des KZ Mauthausen Passau I, Oberilzmühle und Passau II und Waldwerke in Grubweg ausgebeutet wurden und dort zum Teil ums Leben kamen.
  • den vielen russischen Kriegsgefangenen, die hier ihr Leben verloren haben, insbesondere jenen, die in den letzten Kriegstagen im Neuburger Wald auf Höhe Ingling brutal ermordet wurden.

Anlässlich des 40. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges sagte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker:

„Der 8. Mai ist für uns vor allem ein Tag der Erinnerung an das, was Menschen erleiden mussten. Er ist zugleich ein Tag des Nachdenkens über den Gang unserer Geschichte.“

Heute, 30 Jahre später, kann man mit Dankbarkeit auf den Gang der Nachkriegsgeschichte zurückblicken. Deutschland hat sich zu einer wahrhaftigen sozialen Demokratie entwickelt, in der die Achtung der Würde des Menschen grundlegend ist. Bürgerliche Freiheiten, Rechtsstaatlichkeit und breite Teilhabe zeigen, dass die richtigen Lehren aus unserer widerspruchsvollen Geschichte gezogen wurden.

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