Botschaft des Präsidenten der Handwerkskammer Dr. Georg Haber zum Jahreswechsel

91 Prozent aller deutschen Unternehmen sind in Familienhand und erwirtschaften 42 Prozent aller Unternehmensumsätze. Das Familienunternehmen gilt als die älteste Form des menschlichen Wirtschaftens und gerade im Handwerk ist sie eine tragende Säule. Sie zeichnet sich durch eine besondere Dynamik aus: Denn wo unternehmerische Entscheidungen, Verantwortung und Haftung in einer Hand liegen, werden besondere Kräfte frei. Diese gepaart mit den Werten des “ehrbaren Kaufmanns“ verschafft den Betrieben einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil.

Die wertvollste Grundlage bildet das Vertrauensverhältnis in der Familie. Meist arbeitsteilig im Betriebsgeschehen aufgestellt, erledigt oder eine Part die handwerkliche Arbeit beim Kunden oder in der Werkstatt, der andere managt die Büroarbeit und trägt die Verantwortung für Finanzen und Verwaltung. In größeren Betrieben bildet auch die generationenübergreifende oder unter Geschwistern geteilte Führung ein erfolgreiches Modell. Ein regelmäßiger Austausch und ein harmonisches Betriebsklima perfektionieren den Betrieb, beschleunigen Entscheidungen und machen das Unternehmen wirtschaftlich ertragreich. Ein verbindendes Element dabei ist zweifelsohne die “Faszination Handwerk“: Sie schweißt in der gemeinsamen Zielsetzung zusammen.

Familienunternehmen unterscheiden sich von anderen Unternehmen durch die Nähe vom Unternehmer zum Unternehmen. Im Gegensatz zu Kapitalgesellschaften investieren Familienunternehmer ihr eigenes Geld. Deswegen spielen die langfristigen Wirkungen ihres Handelns für sie eine große Rolle. Das ist auch der Grund, warum familienkontrollierte Unternehmen nachweislich Krisen besser standhalten. Betriebliche Investitionen trifft ein Familienunternehmer nicht nur um einem Anlage-Investor schnelle Erfolge zu zeigen, sondern um erfolgreiche Strukturen für Kinder und Enkel fortzuentwickeln. Neue Impulse des Nachfolgers beflügeln dann bewährte Ideen und Konzepte und verleihen dem Betrieb oft eine neue Dynamik. Und: Tradition und Fortschritt gehen in Handwerksbetrieben seit jeher Hand in Hand – das schätzen wiederum die Kunden.

Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer (Foto: Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz)

Außerdem sind Familienbetriebe von sozialer Kompetenz geprägt: sie gestalten seit Jahrhunderten das Gesicht der Städte und Gemeinden, sie prägen die Sozialstrukturen, sind ihrem Standort treu und aktivieren regionale Potentiale. Zudem fühlen sie sich in besonderer Weise der Integration über die Qualifikation verpflichtet und in einer globalisierten Welt bedienen sie das Bedürfnis nach Nähe und persönlichen Kontakten. Kurzum: Familienbetriebe stehen für werteorientiertes und nachhaltiges Wirtschaften.

Das Modell Familienbetrieb ist ein Erfolgsgarant. Dennoch kann es nur erfolgreich sein, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das gilt vor allem für die Besteuerung. Also Hände weg vom Einkommenssteuer-Splittingtarif! Die Fortsetzung der Verschonungsregelung bei der Erbschaftssteuer ist für die Unternehmer-Familien ein wertvolles Signal. Auch die Lasten für Dokumentation und Bürokratie müssen in Zukunft verträglich sein. Immerhin bilden diese regional verwurzelten Familienbetriebe eine deutsche Besonderheit und sind eine tragende Basis für die Stärke unserer Wirtschaft.