„Verwahrloste Städte und Gemeinden verursachen verwahrloste Köpfe und Seelen“

Perlesreut. Da staunten die ersten Frühaufsteher am vergangenen Sonntag nicht schlecht, als sich im Markt zugeklebte Schaufenster der Fachgeschäfte präsentierten – was war geschehen?

Die Werbegemeinschaft Perlesreut hat sich eine besondere Art der Aktion einfallen lassen, um so auf das Sterben von Dorfläden aufmerksam zu machen, das in zahlreichen Gemeinden auf dem Land auch der Kaufkraftabwanderung zu internationalen Online-Versendern geschuldet ist. So fehlen all diesen Fachgeschäften aus Einzelhandel und Handwerk die nötigen Umsätze, um sich wirtschaftlich auch über Wasser halten zu können.

Dieser Verdrängungswettbewerb des Online-Handels lässt vielen inhabergeführten Fachgeschäften keine Luft mehr zum Atmen. Die Folgen sehen wir tagtäglich in vielen Städten und Gemeinden; Leerstände von Geschäftsräumen. Durch diese Geschäftsaufgaben fehlen auch den Kommunen die finanziellen Mittel. Die Folge daraus: Schwimmbäder, kulturelle und soziale Angebote vor Ort müssen gekürzt oder geschlossen werden. Das hat auch Auswirkungen auf den gesamten Landkreis, da auch hier die finanziellen Einnahmen aus diesen Gemeinden fehlen – wahrlich ein Teufelskreis!

Leider ist es nach wie vor so, dass die Menschen vor Ort oft den Zusammenhang zwischen der Verödung der Orte oder dem Verschwinden von Fachgeschäften und dem eigenen Einkaufsverhalten nicht sehen. Um diesen Zusammenhang sichtbar zu machen, startete die Werbegemeinschaft Perlesreut diese Aktion.

Denn auch in Perlesreut beschäftigen sich die Menschen tagtäglich mit der effizientesten Art, das Geld ‚gut‘ auszugeben, den besten (Online-) Deal zu machen; letzteres ist bereits schon zu einem Volkssport geworden. Das alles setzt eine Preisspirale in Gang, die dazu beiträgt, dass sich Produktionsbedingungen verschlechtern, Tierhaltung zur Tierindustrie verkommt und dass Arbeitsplätze entweder verschwinden oder in Niedriglohn-Beschäftigungen übergehen. Mit diesen Auswirkungen werden wir tagtäglich konfrontiert, doch nehmen wir sie beinahe nicht mehr zur Kenntnis.

Dabei wäre es doch so einfach, diesem Negativ-Trend entgegenzuwirken und den Teufelskreislauf zumindest an einigen Stellen zu brechen; Beim Händler vor Ort einkaufen! Hier findet man nicht nur gute Produkte – bei fairen Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter – sondern all diese Fachgeschäfte sind darüber hinaus auch in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht ein echter Gewinn für das Dorfleben und die gesamte Kommune.

Das eigene Kaufverhalten einmal wieder hinterfragen – muss es denn immer gleich der Online-Handel sein? (Foto: MuW/c.niggli)

Die viertägige Aktion „Packen wir es an. Jeder Euro zählt“ hat in Perlesreut wahrlich ihre Spuren hinterlassen und viele Teile der Bevölkerung dazu veranlasst, über ihr eigenes Kaufverhalten nachzudenken – und was in Zukunft hoffentlich der Fall sein wird, noch mehr vor Ort einzukaufen und die eigenen Geschäfte zu unterstützen, damit man in Perlesreut weiterhin seinen eigenen Bäcker, Metzger und andere Einzelhandelsunternehmen im Ortskern vorfindet.

So formulierte es Sigmar Gabriel im Jahr 2015 und brachte es bereits auf den Punkt:

„Verwahrloste Städte und Gemeinden verursachen verwahrloste Köpfe und Seelen.“

(Titelbild: Was ist denn da los? – Foto: MuW/c.niggli)

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