Unternehmer im IHK-Gremium Rottal-Inn fordern mehr regionale Verantwortung

Eine erste vorsichtige Zwischenbilanz der Corona-Krise haben die Unternehmer im IHK-Gremium Rottal-Inn gezogen. Mit umfassendem Hygienekonzept und ausreichend Abstand trafen sich die Unternehmer um den Gremiumsvorsitzenden und IHK-Vizepräsidenten Peter Glas vergangene Woche zu einer Sitzung im Artrium Bad Birnbach. Im Gremium kommen Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größenklassen zusammen – entsprechend breit war die Summe ihrer Erfahrungen mit Pandemie und Shutdown. „Die regionalen Betriebe haben die vergangenen Monate überwiegend gut überstanden. Manche Unternehmen und Branchen haben es aber weiterhin sehr schwer, gerade auch in unserer Region“, fasste Glas zusammen.

Die Rückmeldungen aus dem Unternehmerkreis bestätigten seinen Befund. So gehen manche davon aus, dass die großen Schwierigkeiten erst noch kommen werden, etwa wenn Beschäftigte aus Kurzarbeit zurückkehren, aber Umsatz und Auftragslage weiterhin nicht angezogen haben. Vertreter aus dem Hotel- und Gaststättenbereich berichteten von harten Einschnitten, der Tourismus im Bäderdreieck sei nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Händler aus Simbach schilderten ihre besondere Situation: Die gemeinsame Einkaufsstadt Simbach-Braunau sei zunächst durch die Grenzschließung auseinander gerissen worden, später hätten unterschiedliche Regelungen in Deutschland und Österreich zur Maskenpflicht für viel Unsicherheit im Einzelhandel gesorgt. Von mehreren Unternehmern wurden die mangelnden Möglichkeiten der Kinderbetreuung als ein Problem genannt, das durch die Corona-Einschränkungen noch verschärft worden sei. Auch dass die Verwaltung im Shutdown lange Zeit nicht erreichbar war, wurde beklagt – beispielsweise seien Bauanträge der Betriebe unbearbeitet liegengeblieben. Als ein positiver Aspekt der Krise wird hingegen der damit verbundene Digitalisierungsschub gesehen.

Glas betonte, Gesellschaft wie Wirtschaft müssten sich für die weitere Entwicklung der Pandemie wappnen, gleichzeitig aber Wege aus der Krise finden: „Viele der von der Politik dazu beschlossenen Maßnahmen gehen in die richtige Richtung – wichtig ist aber deren schnelle und effektive Umsetzung.“ Gerade die regionale Ebene möchte Glas dabei nicht außen vor lassen: „Ein weiterer nationaler Shutdown wäre fatal. Wir sollten stattdessen auf regional begrenzte Eindämmung setzen. Jetzt ist die Zeit, sich auf solche Szenarien vorzubereiten. Sollte es zu erneuten Einschränkungen kommen, erwartet die Wirtschaft schnelle Entscheidungen, klare und faire Regeln sowie flexible Konzepte mit mehr Eigenverantwortung für die Unternehmer. Das alles war in der ersten Corona-Phase, die wir gerade hinter uns gebracht haben, nicht immer gegeben.“

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