„Feengeflüster im Dreiflussreich“ – ein Singspiel des Passauer Studentenchores (ziemlich frei) nach William Shakespeare und Henry Purcell

(von Tobias Schmidt)

Anfang Juli führt der Passauer Studentenchor der katholischen und evangelischen Studentengemeinden das Singspiel „Feengeflüster im Dreiflussreich“ auf.

Der Titel deutet es bereits an, dieses Stück wirft einen augenzwinkernden Blick auf allerlei magisches Treiben an den Ufern von Donau, Inn und Ilz: Die Vorfreude der Flussfeen auf das Sommernachtsfest trübt der ewig nörgelnde Inn. Der sieht nämlich partout nicht ein, warum die Wasser zwischen Dreiflüsseeck und Schwarzem Meer den Namen der Donau führen sollen. Und nicht etwa seinen, wo sich doch an seinen Gestaden die meisten jungen Leute verlieben. Woran denkt der alte „Aenus granticus“ wohl? So still dahinfließend beobachtete er so manches tête-à-tête auf dem Passauer Universitätscampus. Und aus Studierenden werden ja selbst irgendwann Eltern, deren Nachwuchs zieht’s an den Inn, wo er/sie/es sein/ihr Herz verliert undsoweiter, undsoweiter… Fürwahr, ein wirklich „mit allen Wassern gewaschenes“ Nachhaltigkeitsargument.

Plakatmotiv (Quelle: Passauer Studentenchor)

Ein Ränkespiel der Feen um ein Passauer studentisches Liebespärchen soll’s darum entscheiden. Die Donau will beide mit aller Macht trennen, der Inn ebendies verhindern. Strategie trifft auf Schattenwelt, Zufall auf Zauber, mehrere Akteure treiben mit dem Schicksal Schabernack. Nichts kommt bei „Feengeflüster im Dreiflussreich“ wie’s kommen soll, und am Ende doch alles überraschend ins Lot.

Sieben Jahre ist die Uraufführung her; 2012 hatte Diözesanmusikdirektor Dr. Marius Schwemmer diesen ziemlich jetztzeitigen Passauer „Sommernachtstraum“ als Beitrag zum Barockstadtjahr anlässlich der 350. Wiederkehr des Passaur Stadtbrandes und Wiederaufbaus angeregt. Auch heuer obliegen Inszenierung und Regie wieder Johannes Fiedler, Regisseur bei der Passauer Theatergruppe Die Wolperdinger. Chor und Theatergruppe übernehmen sämtliche singende, tanzende und pantomimische Rollen und Gesangspartien, einschließlich anspruchsvoller solistischer Passagen. Das Linzer Ensemble Sonare sowie Passauer Instrumentalisten begleiteten den Abend musikalisch. „Feengeflüster im Dreiflussreich“ ist eine humorvolle Adaption des Sommernachtstraums von William Shakespeare mit Musik aus der 1692 in London uraufgeführten und lange als verschollen geltenden Semi-Oper „The Fairy Queen“ (dt. „die Feenkönigin“) von Henry Purcell. Die Semi-Oper entwickelte sich im 17. Jahrhundert aus dem höfischen Maskenspiel; eine Mischung aus Sprechtheater, Gesang, Tanz und metaphernreichem Bühnenbild sind ihr zu eigen. Dem deutschen Singspiel artverwandt führt Wirkungsgeschichte der Semi-Oper aus der Spätrenaissance über ihre Gegenposition zur barocken Kastratenoper italienischen Stils. Sie reüssierte als Spiegelbild der Londoner Sozialgeschichte und endet beim Musical unserer Tage.

Chor, das Bild entstand bei der Uraufführung des Stückes im Juli 2012 (Foto: Passauer Studentenchor)

Die Aufführungen von „Feengeflüster im Dreiflussreich“ beginnen am Sonntag 7. Juli um 18 Uhr und am Montag, 8. Juli um 20 Uhr jeweils im Festsaal St. Valentin am Domplatz. Karten zu 15,- Euro sowie ermäßigt ab 6,- Euro sind bei „Big Dandy“ am Nibelungenplatz 1 im Vorverkauf zu erwerben. Die Abendkasse öffnet jeweils eine halbe Stunde vor Konzertbeginn. Kartenpreise dann 16,- Euro sowie ermäßigt ab 7,- Euro.