Dr. Pankraz von Freiyberg spricht über Pankraz von Freyberg auf Hohenaschau

(von Tobias Schmidt)

Es ist die spannende Geschichte von Aufstieg und Fall eines Mannes an einer Zeitenwende: Pankraz von Freyberg auf Hohenaschau (1508–1565) entstammte einem oberschwäbischen Adelsgeschlecht. Seine Mutter war als eine von wenigen adeligen Anhängerinnen der Täuferbewegung nach Tirol und später ins Schweizer Exil gegangen, da sie der bayerische Herzog als Ketzerin verfolgte. Er selbst stieg zu einem wichtigen Montanunternehmer in Süddeutschland auf, nahm als Ständeherr am Landtag teil und diente ab 1550 Herzog Albrecht V. von Bayern als Kammerrat und schließlich Hofmarschall, der seinerzeit ranghöchste Verwaltungsbeamte. Neben der wirtschaftlichen Stärkung des Herzogtums setzte sich Pankraz von Freyberg auf Hohenaschau auch für religiöse Freiheiten in Bayern ein. Hierbei stand er mit dem Führer der protestantischen Landstände in Bayern, dem Reichsgrafen Joachim von Ortenburg in reger Verbindung. War einiges beim Augsburger Religionsfrieden zwischen dem Kaiser und den Reichsständen 1555 geglückt, so verhallten etwa die Forderungen nach dem Abendmahl in beiderlei Gestalt lange ungehört – und immer war es der Hofmarschall, der solche Forderungen in München oder auch Rom vorbrachte oder verhandeln ließ. Die ersten Verleumdungen überstand Pankraz von Freyberg auf Hohenaschau noch, doch bat er schließlich 1561 den Herzog um seinen Rücktritt. Als Reichsgraf Joachim dann 1563 den ersten öffentlichen evangelischen Gottesdienst in Bayern feiern ließ, der Ingolstädter Landtag erneut die Freigabe der Confessio Augustana gefordert hatte, und Pankraz sich in diesen Diskussionen hervor tat, wurde er als einer der Hauptverdächtigen der „Ortenburger Adelsverschwörung“ angeklagt.

Der Kupferstecher Hans Lautensack porträtierte Pankraz von Freyberg auf Hohenaschau 1553 im Jahr seines Amstantritts als Hofmarschall Herzog Albrecht V. von Bayern. Durch seine Zusammenarbeit mit dem Reichsgrafen von Ortenburg für eine Einführung der Reformation in Bayern verlor er weniger Jahre später die Gunst seines Dienstherren (Bildquelle: Alberten Wien)

Ein vollumfänglicher Schuldspruch war mangels Beweis unmöglich, dennoch wurde der Hofmarschall a.D. in Haft gesetzt, vom Landtag ausgeschlossen und schließlich auf seine Güter verbannt. Im Gebiet um Schloss Hohenaschau hält man sein Andenken bis heute als Märtyrer seines Glaubens aufrecht. „Mit dem Rücktritt meines Vorfahren von seinen Regierungsämtern beginnt im Grunde der Absolutismus im Herzogtum Bayern“, so ordnet der Passauer Kunsthistoriker Dr. Pankraz Freiherr von Freyberg – bis 2011 Intendant der Festspiele Europäischen Wochen Passau – seinen Namensvetter ein. Am 12. Mai hält Dr. von Freyberg einen Vortrag über Pankraz von Freyberg als Unternehmer, Politiker und Vorkämpfer der Reformation in der Heilig-Geist-Kirche. Das Vokalquartett Floramonte – Maria Weber (Sopran), Marlene Kraft (Alt), Ralf Albert Franz (Tenor) und Dr. Bernhard Forster (Bass) – umrahmt die Veranstaltung mit Musik des einst am Münchner Hof durch von Freyberg geförderten Orlando di Lasso. Dass der Vortrag zudem auf den Namenstag des heiligen Pankratius fällt, ist indes Zufall. Veranstaltungsbeginn ist um 19.30 Uhr; der Eintritt ist frei.

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