Rückblick auf den 3. Passauer KulturJam

(von Tobias Schmidt)

Zum nunmehr dritten Mal fand der Passauer Kultur Jam vom 25. bis 27. Mai auf und rund um den Passauer Klostergarten statt. Ein Mitmach- und Mutmachfest rund um die Themen Offene Gesellschaft, Flucht und Integration mit vielfältigem Programm war es auch heuer wieder. Und von Hochschulangehörigen unter Federführung der Evangelischen Studierendengemeinde u.a. mit Mitteln der Stiftung Welten verbinden für die Passauer Bürgerschaft organisiert.

Klostergarten goes Catwalk: Bei einer Modenschau gab es Jacken und Dirndlmode gefertigt aus in Ghana handverlesenen Stoffen zu bewundern (Foto: Schmidt)

Mit dem Liveclub Zauberberg als neuem Kooperationspartner wurde ein reichhaltiges Musik- und Partyprogramm umgesetzt; ein Schaufenster für Passauer Organisationen war der Passauer Kultur Jam ebenfalls. Refugee Law Clinic, Amnesty International, Deutsch-russische Gesellschaft, Chancen gestalten-Changes Passau, Book Aid, die Kulturkarte Passau, Enactus und andere stellten sich vor. Mit einer Demonstration, Diskussionen und Workshops wurde auf die Veränderung der Willkommenskultur hin zu Ablehnung gegenüber Fremden in der Bundesrepublik hingewiesen. Wie bereichernd dieses fremde Leben für die hiesige Gesellschaft sein kann, und welche Erfahrungen Migranten bei und mit uns machen, war vor allem rund um den Klostergarten zu erleben. Die Musikbeiträge reichten von syrischen Geflüchteten bis zum russischen Chor; hiesige Musiker wie die Soliba-Trommler aus Arnstorf oder der in Passau aufgewachsene Reggae-Musiker Uwe Kaa stellten ihre Beschäftigung mit außereuropäischen Musikkulturen vor.

Herkunft, Hautfarbe, Alter, Geschlecht – beim gemeinsamen Tanz spielte das alles keine Rolle (Foto: Schmidt)

Eman Alriss, im Verein Gemeinsam leben und lernen in Europa e.V. aktiv, gab im „Festzelt“ eine Einführung in die arabische Sprache. Die Hamburger Designerin Gloria Cudjo führte im Rahmen einer Modenschau ghanaisch inspirierte Designs vor, Dirndlmode inklusive. Jeevitha Prabhakara, Studierende an der Universität Passau, beeindruckte mit ihrer Tanzdarbietung des in der indischen Tempelkultur wurzelnden Bharatanatyam.

Jeevitha Prabhakara beeindruckte mit ihrer Tanzdarbietung des in der indischen Tempelkultur wurzelnden Bharatanatyam (Foto: Schmidt)

Bewegend war die Lesung mit dem Arzt Umeswaran Arunagirinathan, der als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling Anfang der 1990er Jahre dem tamilischen Bürgerkrieg entkam. Mit Mitte Dreißig und anlässlich des Todes des eigenen Vaters reiste er erstmals nach Sri Lanka zurück. Manchmal braucht es auch in einer Epoche mit über 60 Millionen Flüchtlingen weltweit für den Einzelnen sehr viel Zeit, um mit Herkunft und Heimat zurande zu kommen. Solche Biographien, die den von der Politik neu entdeckten und vereinnahmten Begriff „Heimat“ nicht mehr ausschließlich im Singular leben können und wollen, mehren sich gerade. Gerade deshalb sind Feste wie der Passauer Kultur Jam heute wichtig. Nicht nur als drei Tage er- und gelebte Vielfalt, sondern als Beginn eines Alltags in Vielfalt.

Vom Flüchtlingskind zum angehenden Chirurgen. Der aus Sri Lanka stammende Arzt Umeswaran Arunagirinathan berichtet in seinem Buch „Der fremde Deutsche“ über diesen Lebensweg (Foto: Schmidt)