Fotoausstellung „Artefakte“ mit Arbeiten von Julia Baier, Rudolf Klaffenböck, Paul Kranzler und Verena von Gagern in der Passauer Soiz Galerie

(von Tobias Schmidt)

Wir Menschen sind den Dingen verbundene Wesen. Wir werfen uns in Schale, wenn wir aus dem Haus gehen. Wir dekorieren daheim, um aus Wohnraum ein Zuhause zu machen. Und dafür benutzen wir Dinge zum Ausstaffieren unserer Person, um unser öffentlich inszeniertes Selbst zur Schau zu stellen, und um zu unserem privaten Selbst zu finden. Manche der Dinge sind vielleicht selbst gemacht, manche tragen den patinierten Charme des Ererbten, also eines Auf-uns-herab-gekommenen Imago in sich. Manches ist auch schlichtweg wohlfeil geshoppt. Als Trendsetter oder mit der Hoffnung auf möglichst langanhaltende Freude beim Anschauen oder Angeschaut werden. Eigentlich verrückt, diese Rückbindung ans haptisch Erfahrbare. Ist doch der Aufbruch der Menschheitsreise ins virtuelle Zeitalter nun auch schon wieder ein gutes halbes Menschenalter her. Kabellos im weltweiten Netz der Netze umher schauen, alles schön und gut, aber zum sinnlichen Vergnügen wird das Ganze für uns irgendwie wohl doch erst, wenn der dazu genutzte Laptop auf Omas altem Tisch aus Nussbaumholz zu stehen kommt. Schreinerarbeit, so was erdet einen, holt einen zurück aus virtuellen Weiten, dieses bedeutungsschwangere, menschengemachte Ding, dieses Artefakt. Solche „Artefakte“ zeigt auch die gleichnamige Gemeinschaftsausstellung in der Passauer Soiz Galerie. Jede der gezeigten Fotoserien verfolgt hier einen eigenen Ansatz, bringt aber Dinge zum Sprechen. Julia Baier – in Passau aufgewachsene, heute in Berlin lebende Fotokünstlerin – etwa die Pelzmäntel ihrer Großmutter im Schnee. Sie schauen ein wenig aus wie Nachtfalter. Der Österreicher Paul Kranzler – zuletzt in der Galerie gemeinsam mit Andrew Phelps zu erleben – fotografierte 2013 Totenschädel aus Hallstatt, die rituell mit Rosen, Lorbeer oder Efeu bemalt wurden. Für das Projekt „Schwerkraft“ lichtete Rudolf Klaffenböck Dinge aus seiner persönlichen Sammlung im freien Fall ab, was ihnen eine rätselhafte Unschärfe verleiht. Aus den 1970er und 1980er Jahren stammen die Schwarz-Weiß-Arbeiten mit Alltagsgegenständen von Verena von Gagern. Hochgeachtet als Fotokünstlerin und vormals in Salzburg und Zürich tätige Dozentin für Fotografie tätig, ist sie heute in Kirchdorf nahe Simbach am Inn beheimatet.

Julia Baier “ohne Titel“ aus der Serie “Aus dem Winterschlaf“, 2019 (Quelle: Baier)

Die Ausstellung „Artefakte“ entstand in Kooperation mit dem Freilichtmuseum Finsterau und wurde zu Jahresbeginn dort in Teilen gezeigt. In der der auf zeitgenössische Fotografie spezialisierten Soiz Galerie in der Passauer Schustergasse 19 wird sie am Freitag, 6. März um 19 Uhr eröffnet. Anschließend kann man sie dort noch bis einschließlich 17. April 2020, jeweils Mittwoch bis Freitag 14–18 Uhr und Samstag 11–15 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung unter Tel. 0851 21051990 bei freiem Eintritt besichtigen. Nähere Informationen auch online unter www.soiz.de

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