Regionale Tourismusanbieter haben zwar eine Internetseite, sind aber kaum digital buchbar. Das ist das Ergebnis eines Gemeinschaftsprojekts „Digitour“ des Centrums für marktorientierte Tourismusforschung der Universität Passau (Centouris), und dem Tourismusverband Ostbayern e.V. (TVO). 4600 kleine und mittelständische Beherbergungsbetriebe aus Ostbayern wurden auf ihren Status quo hin untersucht. Fast drei Viertel der Betriebe präsentieren sich auf einer eigenen Internetseite, jedoch kann nur auf einem Fünftel dieser ein Verfügbarkeitscheck und eine Echtzeitbuchung durchgeführt werden.
 
„Wir leben in einer digitalen Welt. Im Tourismus haben wir aber noch Nachholbedarf in der Umsetzung“, erklärt Dr. Michael Braun, Vorstand des TVO, „Tourismus setzt sich bei uns aus vielen Klein- und Kleinstbetrieben zusammen. Daher schreitet die Digitalisierung langsamer voran, als beispielsweise in der Industrie.“ Es geht bei dem Projekt nicht um die Digitalisierung an sich, sondern sie ist Mittel zum Zweck: „Im Projekt Digitour wollen wir Wertschöpfungspotentiale der Zukunft auszuloten und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken“, erläutert Luisa Grameier, Projektleiterin bei Centouris.
 
In der aktuellen Studie untersuchte man auch, ob die Internetseiten auf verschiedenen Endgeräten wie PC, Smartphone oder Tablet angepasst dargestellt werden. Responsives Webdesign, wie es im Fachjargon heißt, ist bei nahezu der Hälfte der untersuchten Internetseiten gewährleistet. Sicherheitslücken bestehen noch bei einem Drittel der untersuchten Internetseiten, da diese keine abhörsichere Datenübertragung gewährleisten, wie es bei https-Programmierungen der Fall ist.
 

Touristisch relevant bleiben

Warum diese Erhebung so wichtig ist, erklärt Braun: „Wer nicht auf der eigenen Website buchbar ist, zahlt höhere Provisionen an Buchungsplattformen, wer keine sichere Internetseite hat, wird womöglich gemieden. Wird die Seite am Smartphone nicht richtig angezeigt, weicht der potenzielle Gast auf andere Seiten aus. All das sind Stolpersteine in der touristischen Wahrnehmung unserer Region, die wir verhindern wollen. Nur so bleibt das touristische Angebot unserer Region in der Zukunft relevant für die Gäste.“
 
Im nächsten Schritt des Projekts werden die Social-Media-Auftritte und die Aufffindbarkeit der Betriebe auf Buchungsplattformen untersucht. „So erhalten wir ein umfängliches Bild des gegenwärtigen, von außen wahrnehmbaren Digitalisierungsstands“, sagt Grameier, „dadurch können wir dann angepasste Digitalisierungsstrategien definieren. In der zweiten Projektphase können wir so den klein- und mittelständischen Tourismusbetrieben durch praxisnahe Kooperationsprojekte mit regionalen Tourismusakteuren aufzeigen, wie digitale Dienstleistungstechnologien eingesetzt werden können.“


Projekt DIGITOUR

Das Projekt Digitour wird im Rahmen des Programmziels „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung“ Bayern 2014-2020 aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung der Europäischen Union gefördert. Gemeinsam erarbeiten Centouris und der Tourismusverband Ostbayern e.V. Möglichkeiten für klein- und mittelständischen Tourismusunternehmen in Ostbayern, wie diese den Herausforderungen der Digitalisierung begegnen und neue Technologien, Konzepte und Strategien zu ihrem Vorteil einsetzen können.
Der TVO fungiert als Kooperationspartner, der vor allem als Schnittstelle zu den touristischen Leistungsträgern eine wichtige Rolle im Projekt einnimmt und eine nachhaltige Nutzung der Projektergebnisse garantiert. Durch die Unterstützung diverser Lehrstühle der Universität Passau ergibt sich ein interdisziplinäres Projektteam.

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