Das „Gedächtnis“ der Jüdischen Gemeinde Regensburgs kehrt – in digitaler Form – nach mehr als acht Jahrzehnten an die Donau zurück

Regensburg (obx) – Es ist eine Rückkehr mit hoher symbolischer Bedeutung: Nach mehr als acht Jahrzehnten kehrt das Archiv der Jüdischen Gemeinde Regensburg in seine Heimat an die Donau zurück. Im nächsten Jahr, wenn die Bundesrepublik 1.700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland begeht, soll es dann für die Gemeindemitglieder und auch öffentlich wieder zugänglich sein. Die Heimkehr der historischen Dokumente in digitalisierter Form ist nach der Eröffnung der neuen Synagoge im vergangenen Jahr ein weiterer Baustein, mit dem Geschichte und Zukunft der drittältesten Jüdischen Gemeinde in Regensburg sichtbar und erlebbar wird.

Der Verwaltungsausschuss des Regensburger Stadtrats fasste im Juni einen entsprechenden Beschluss: Das Archiv der Jüdischen Gemeinde Regensburg, das derzeit an der Hebrew University of Jerusalem verwahrt wird, wird in Israel digitalisiert. Die digitale Kopie wird im Stadtarchiv dauerhaft für eine öffentliche Nutzung zur Verfügung zu stehen.
Das umfangreiche und sowohl für die Jüdische Gemeinde und die Stadt Regensburg als auch für die historische Forschung als außerordentlich bedeutsam zu bewertende Archiv umfasst 560 Nummern und gliedert sich in folgende Bereiche: Öffentlich-rechtliche Stellung, Organisation und allgemeine Verwaltung, Personenstand, Kultus, Unterrichtswesen und Kultur, Wohlfahrtspflege, Finanzwesen, Rechtsangelegenheiten, Grundstücks- und Bauwesen, Stiftungswesen, Vereine sowie private Akten von Regensburger Gemeindemitgliedern.

„Nach mehr als 80 Jahren wird dadurch der Jüdischen Gemeinde mit der Rückkehr des Archivs, ihres Gedächtnisses, ein hochbedeutender Teil ihrer Geschichte wieder direkt verfügbar und erfahrbar gemacht“, heißt es in einer Mitteilung der Regensburger Stadtverwaltung. Auch für die Regensburger Stadtgeschichte vom späten 18. Jahrhundert bis zum Jahr 1938 bedeutet das Archiv demnach einen signifikanten und kaum überzubewertenden Zuwachs an Primärquellen.

Bereits im Vorfeld hatten sich laut städtischer Regensburger Pressestelle die Stabsstelle Erinnerungskultur und das Stadtarchiv in enger Abstimmung mit der Hebrew University in Jerusalem in Verbindung gesetzt und eine mögliche Umsetzung des Vorhabens besprochen. „Der einstimmige Beschluss des Ausschusses ermöglicht es der Verwaltung nun, direkt in die Vertragsverhandlungen einzusteigen, um das Projekt schnellstmöglich abzuschließen und das digitalisierte Archiv nach Regensburg zu holen“, heißt es in der Mitteilung weiter. 

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