KULTURmobil Niederbayern unterwegs mit Michail Bulgakows „Der Meister und Margarita“

(von Tobias Schmidt)

Zwanzig Jahre fährt das KULTURmobil nun schon Sommer für Sommer durch die Landkreise.
Am Schul- oder Landgasthof, auf dem Marktplatz oder im Feuerwehrhaus erfreut das fahrende Theater des Bezirks Niederbayern bei freiem Eintritt nachmittags mit einem Familien- und abends mit einem Erwachsenenstück.

Heuer heißt das jeweils an den Wochenenden bis 3. September 2017: Um 17 Uhr „Ein Glückskind namens Hans“ nach dem Märchen der Brüder Grimm „Hans im Glück“ in der Regie von Mirijam Kälberer; und um 20 Uhr „Der Meister und Margarita“ nach dem 1966/67 posthum erschienenen Roman des russischen Schriftstellers, Dramatikers und Arztes Michail Bulgakow (1891-1940) unter der Regie von Konstantin Moreth, Fans von TV-Krimis auch als Schauspieler bekannt. Unter den wohl ungewöhnlichsten Zuarbeitern dieses Stücks ist diesmal auch der Landshuter Arzt und Zauberkünstler Hans-Georg Zirngibl zu finden – als „Zaubercoach“ für die magischen Szenen. Denn allerhand Merkwürdiges geschieht da im Moskau der 1930er Jahre: Der Teufel persönlich kommt mit Entourage in die Stadt und stiftet anarchistisches Chaos. Doch er vereint auch die lange getrennten Liebenden: den Schriftsteller „Meister“, dessen Roman über Pontius Pilatus schon vor der Vollendung Verrisse erntet und dessen Geliebte Margarita.
In einer zweiten Ebene erzählt Bulgakow schließlich abweichend vom Neuen Testament eine alternative Passionsgeschichte. „Der Meister und Margarita“ hat seinen Platz in der Geschichte der phantastischen Literatur des 20. Jahrhunderts, der literarischen Groteske und des jesus-Romans. Und spottet dabei den Mächtigen: in einer Zeit, in der das verabsolutierte Diesseits als geschichtliche Utopie zur totalitären Staatsideologie erhoben wird, bahnt sich hier die, eben auch das Religiös-Jenseitige umfassende, menschliche Wirklichkeit ihren Weg. Lustvoll-chaotisch, und mitten hinein ins Zentrum der Welt, die von sich selbst glaubt, siegreicher Vollender der Geschichte zu sein. Lauter Unwirkliches, dem menschlichen Verstand Verborgenes geschieht.

Iwan Besdomny (Pia Kolb) hatte doch nur einen Verbrecher aufhalten wollen. Doch das ist der Teufel selbst. Binnen kurzem steht der Verseschmied darum nur in Unterkleidung mit angehefteter Ikone da. Einem ärmlichen Jurodowij, einem „Narren in Christo“ gleich, gibt er Oberärztin Strawinskaja (Ursula Berlinghof) seine Erlebnisse zu Protokoll. Das Bühnenbild besteht aus Textseiten und abstrahierten Büchern. Auf den hier gezeigten roten Buchrücken stehen die Namen „L. Tolstoi“ und „M.A. Bulgakow“ zu lesen (Bildnachweis: Kulturmobil Niederbayern)

Was will diese Gegenmacht? Sind dies Vorboten des Jüngsten Gerichts? Hier? Diesseits von Golgotha, wo sich doch ganz andere Mächtige aufschwingen wollten, über die menschliche Wirklichkeit zu richten? Bulgakows faustische „Göttliche Komödie“ fiel auf. Die einen zensierten sie, die anderen schrieben sie im Verborgenen auf der Schreimaschine ab.
Ein grotesk-komischer Kultroman, der da auf die Bühne des KULTURmobils gebracht wird.

Abschließend die Spieltermine im Verbreitungsgebiet unserer Medien: Obernzell (14.7.), Ruderting (22.7.), Wegscheid (29.7.), Röhrnbach (4.8.), Schönberg (11.8.) und Vilshofen (2.9.). Die genauen Spielorte samt Schlechtwetteroption, weitere Informationen zu den Stücken und zum Ensemble sowie der gesamte Tourneeplan sind unter www.kulturmobil.de online abrufbar.

(Titelbild: Der unvollendte Roman über Pontius Pilatus wiegt schwer auf des „Meisters“ (Johannes Schön) Schultern. Von der Kritik verrissen, endet er in der Psychiatrie, getrennt von seiner Muse Margarita. Doch ausgerechnet faustische Mächte bringen die beiden wieder zusammen (Bildnachweis: Kulturmobil Niederbayern)

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