Verbindung für Menschen und Wirtschaft

(von Rainer Eckelt)

Stündlich und das 7x in der Woche von morgens bis in die späten Abendstunden startet die Rottalbahn in Passau, oder vom Gegenbahnhof in Neumarkt St. Veith, bzw. in Mühldorf um die 97 km lange Tour von/bis Neumarkt St. Veith, mit ihren 20 Haltepunkten und Bahnhöfen zu bewältigen.

Der Fahrgast kann sich an den unterschiedlichen Landschaftsbildern erfreuen, die an ihm vorüberziehen, oder sich während der gut 2 Stunden Fahrtdauer in seine Zeitung vertiefen. Schülerinnen und Schüler finden hierzu nicht die Zeit, sie benutzen die Rottalbahn als bequeme Verbindung zwischen dem Zuhause und der Schule, fahren hier nur wenige Stationen. Einige hundert Fahrgäste sind es, die die eingleisige nicht elektrifizierte Strecke nutzen, meist um zur Arbeitsstelle zu gelangen. Für den großen Kurort Bad Füssing, ist die Bahnstrecke eine wichtige Verbindung nach Passau, denn dort halten die Fernverkehrszüge aus allen Himmelsrichtungen, von Hamburg, dem Ruhrgebiet, dem Frankfurter Raum, oder aus Stuttgart. Ein Bus Shuttle bringt die Kurgäste dann von Pocking, dem Anlaufbahnhof des Kurzentrums nach Bad Füssing.

Am 1. September 1979 feierte man in Pfarrkirchen das 100- jährige Bestehen dieser Bahnverbindung. Dies war auch als „stiller Protest“ gegen die damals geplante Stilllegung gedacht und man war hiermit erfolgreich. Die Stilllegung wurde zu den Akten gelegt denn man erkannte, dass die Rottalbahn für den boomenden Fremdenverkehr im Bäderdreieck Bad Füssing, Bad Griesbach, Bad Birnbach wichtig ist. Einige Jahre lang setzte man auch Kurswagen aus deutschen Großstätten ein und ersparte den Kurgästen das Umsteigen in Passau. 2014 wurde dieser Service von der Deutschen Bahn aber eingestellt, wegen zu schwacher Nutzung, wie der Bahnvorstand bekanntgab. Hier half kein Protest der Kurdirektoren und Bürgermeister.

Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde die Strecke von den legendären Uerdinger Schienenbussen befahren, die heute als Museums-Schienenbusse zu Sonderfahrten eingesetzt werden. In den Streckenverlauf und in Bahnhöfe wurden Millionen in die Modernisierung und Gebäudesanierung gesteckt. Heute weist die Strecke einige sehr schön sanierte und denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude auf und bietet Einheimischen und Gästen ein besonderes Reiseerlebnis ländlicher Idylle der früheren Eisenbahnzeit. Vorrangig war die moderne Sicherung der vielen kleinen und großen Bahnübergänge der Rottalbahn. Automatische Schranken, Ampelanlagen, Warnschilder und Straßensanierungen an den Übergängen sollten die Unfallzahlen reduzieren und machten die Übergänge sicherer. An mehreren Kreuzungsbahnhöfen, wie Fürstenzell, Pocking und Massing begegnet man jeweils den Gegenzug. Hier beträgt der Aufenthalt einige Minuten bis Signale und Weichen umgestellt worden sind.

Die Rottalbahn durchquert den Neustifter Wald bei Pfenningbach (Foto: Eckelt)

„Mein Rottal“ ist die Rottalbahn von Passau bis Neumarkt St. Veith und zurück mitgefahren und machte sich einen eignen Eindruck von dieser Verkehrsverbindung. Fahrplanmäßig verlässt das Gespann den Hauptbahnhof in Passau. Einige Minuten lang sieht man beidseitig die vielen Gleise des Güterbahnhofs. Mehrere Güterzüge stehen auf den Anlagen, werden be- oder entladen, oder Warten auf die Weiterfahrt. Ab dem Stadtteil Passau-Neustift dann, abrupt ein anderes Bild: Links beginnt der Neustifter Wald, rechts erblickt man weiter oben den großen Möbelmarkt und ein Einkaufszentrum. Nach einer sanften Linkskurve verschlingt beidseitig dichter Wald das Zuggespann. Etwa 30 Fahrgäste befördert der Zug im Moment und die freundliche Schaffnerin entwertet die Fahrscheine. Die gewaltigen Brückenbauwerke des Autobahnzubringers und der A3 werden unterfahren, danach für einige Minuten kurvenreicher Fahrt wieder dichter Wald, arg gerupft durch die Sturmschäden vom 18. August. Hier wartet ab dem Frühjahr noch sehr viel Arbeit aus die Forstarbeiter.

Der Bedarfshalt in Neukirchen am Inn wird angesagt. Die sehr deutlich zu verstehenden Durchsagen informieren die Fahrgäste über den Streckenverlauf. Eine ausgeprägte Hügellandschaft verschafft viel Abwechslung fürs Auge und die vielen Kurven erlauben nicht mehr als etwa 50 – 70 km/h. Die Fahrt ist dennoch ruhig, das Gleisbett demnach in einem guten Zustand. Man erreicht nun Fürstenzell, den ersten Kreuzungsbahnhof. 7 Minuten Aufenthalt den Gegenzug passieren zu lassen, genug Zeit, sich das schöne alte Bahnhofsgebäude anzusehen. Die nächsten Bedarfshaltepunkte sind Bad Höhenstadt und Engertsham. Die Station Sulzbach a. Inn erreicht man nach gut 40 Minuten Fahrzeit. Kurze Zeit später ist man in Ruhstorf. Ein wichtiger Haltepunkt, denn in Ruhstorf haben einige große Unternehmen wie Siemens und Hatz eine Produktion mit jeweils mehreren hundert Mitarbeitern. Die Niederbayernhalle erschein auf der rechten Seite (in Fahrtrichtung) und liegt verlassen im Schneeregen da. Nichts deutet darauf hin, dass kurz zuvor dort der große Faschings-Hofball mit rund 1000 Gästen stattfand. Weiter geht es in Richtung Pocking, dem nächsten Kreuzungsbahnhof. Hier herrscht reger Betrieb, denn zahlreiche Kurgäste verlassen den Zug um umzusteigen auf die bereitstehenden Shuttle-Busse nach Bad Füssing.

Die Bedarfshaltestationen Karpfham und Bayerbach werden nach Pocking passiert und in Fahrtrichtung links begleitet der Namensgeber der Strecke, die Rott, den Zug. Die Landschaft ist inzwischen flach. Viele alleinstehende Höfe am Horizont und dann erscheinen die ausgedehnten Golfanlagen von Bad Griesbach. Unwirtlich liegen sie da, verlassen, menschenleer. Bei diesem Anblick nur schwer vorstellbar, welch ein reger Sportbetrieb hier ab dem Frühjahr wieder herrschen wird. Einfahrt in Bad Birnbach, dem 3. Bäder- und Kurort im Dreieck, nach einer Fahrzeit von 1:17 Stunden. Die Rottalbahn weist ab Birnbach eine lange Gerade auf und kann auf etwa 100 km/h beschleunigen. Rechts die B 388, links die Rott. Dann wieder weite landwirtschaftliche Flächen und Höfe. In einer weit gezogenen Kurve erscheint die Kreisstadt Pfarrkirchen. Am Bahnsteig warten viele Schüler im unwirtlichen Nieselregen auf die Rottalbahn und es wird lebhaft im Zug. Nach der Ausfahrt in Pfarrkirchen durchfährt die Bahn für einige Zeit Wohngebiete, danach Industrieanlagen. Zahlreiche kleine und große Bahnübergänge durchkreuzen das Gleis und an den unbeschrankten Übergängen muss der Zugführer ein akustisches Signal absetzten um auf den nahenden Zug aufmerksam zu machen. Das laute Signal der Rottalbahn führt immer wieder zu Beschwerden der dicht am Gleis wohnenden Menschen. Eine Lösung ist bisher nur für die verhältnismäßig wenigen beschrankten Übergänge herbeigeführt worden, denn hier ist herrscht keine akustische „Signalabhängigkeit“.

Nach dem Halt in Hebertsfelden geht es weiter in die nächste größere Stadt, nach Eggenfelden. Zuerst hält der Zug in Eggenfelden Mitte, kurz danach heißt es nur „Eggenfelden“. Auch hier viel Betrieb, es herrscht noch Schulschluss-Verkehr. Die zwei Triebwägen füllen und leeren sich in kurzen Abständen. Die Frequenz hier alleine zeigt, wie wichtig diese Nahverkehrsverbindung für die Bewohner der Region ist. Der Kreuzungsbahnhof Massing wird der nächste Halt sein. Auch hier wenige Minuten warten, bis der Gegenzug durch ist und die Strecke wieder eingleisig wird.
Nach 2 Stunden und 10 Minuten erreicht man den 1. Zielbahnhof, Neumarkt St. Veith. Trüb und grau liegt das Städtchen an diesem Januartag da und verwehrt einen regelrecht einen ansonsten sehr lohnenden Rundgang durch die Kleinstadtidylle am Ende des Rottals.
Danach verlässt die der Zug das Rottal und nimmt Kurs auf die Kreisstadt Mühldorf a. Inn.

Eine rund 2- stündige Fahrt mit der Rottalbahn ist nicht nur ein touristisches Erlebnis, dass Abwechslung in den Kuralltag bringt. Diese Nahverkehrsstrecke verbindet einige wichtige Stadtzentren miteinander und ist für die Bürger und einige tausende Mitarbeiter der angrenzenden Unternehmen eine zuverlässige Verkehrsverbindung. Der immer weiter voranschreitende Ausbau der Radwege wird durch die Rottalbahn erschlossen und verbindet einige Rundwege. Fahrräder können in der Rottalbahn mittransportiert werden, ohne Aufpreis.