Muhanad Al-Halak an die Spitze der Liberalen gewählt – MdL Alexander Muthmann wird Stellvertreter

Grafenau. Die FDP im Landkreis Freyung-Grafenau hat sich neu aufgestellt. An der Spitze der Liberalen steht jetzt der 31-jährige Muhanad Al-Halak, Abwassermeister der Stadt Grafenau. Als Stellvertreter unterstützen ihn  der Freyunger Landtags-abgeordnete Alexander Muthmann (64) und die Polizeibeamtin Claudia Bukall aus Großarmschlag (34). Schatzmeisterin ist die Steuerberaterin Gerda Biel aus Perlesreut, Schriftführer der Jurastudent Jerome Mundt aus Riedlhütte. Gerhard Drexler, der zum 1. April 2020 als Kreisvorsitzender zurückgetreten war, wurde als Beisitzer gewählt. Rechnungsprüfer sind der Steuerberater Markus Reihofer aus Grainet und der Informatiker Sebastian Graup aus Grafenau. „Es ist eine Mischung aus jungen und erfahrenen Kräften“, freute sich Muhanad Al-Halak, der die Mitgliederwerbung als wichtiges Vorhaben nannte. Die FDP müsse näher ran an die Menschen, sie in persönlichen Gesprächen für ihre Ziele begeistern.

Martin Hagen, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Bayerischen Landtag, war virtueller Gast in der außerordentlichen Kreisversammlung, die am Mittwochabend im Gasthaus Knödlweber in Lichteneck stattfand. Es gab immer wieder kleine Störungen in dieser Videoschalte – ein Beweis, für den schlechten Zustand der digitalen Infrastruktur in der Region. Die Corona-Pandemie habe erschreckende Defizite bei der digitalen Transformation in Deutschland und in Bayern aufgezeigt, sagte Martin Hagen. Andere Länder wie das kleine Estland machten vor, wie es sein sollte: Dort könnten die Bürgerinnen und Bürger sämtliche Behördengänge digital erledigen. Hagen bemängelte, dass es im Bayerischen Landtag keinen Ausschuss gebe, der sich speziell mit diesem Zukunfts-Thema beschäftige.

Die schlechten Umfrageergebnisse für die Liberalen in Bayern erklärte Hagen mit dem Ruf nach dem starken Mann in der Corona-Pandemie. Alles sei auf Ministerpräsident Markus Söder als Krisenmanager zugelaufen. Die FDP habe immer wieder die Grundrechtseinschränkungen kritisch hinterfragt, denn in manchen Bereichen sei die Staatsregierung über das Ziel hinausgeschossen. Alleinstehende Menschen seien aller sozialen Kontakte beraubt, Kinder auf der Prioritätenliste ganz unten angesiedelt worden, nannte Martin Hagen als Beispiele: „Alles war wichtiger als Kinder!“ Mit ihrer Politik habe die FDP an Profil gewonnen, aber nicht an Zustimmung in der Bevölkerung. „Irgendwann wird Corona vorbei sein und die FDP kann wieder Akzente setzen“, zeigte sich der FDP-Fraktionsvorsitzende im Landtag überzeugt.

Eine zweite Corona-Welle müsse unbedingt vermieden werden. Dabei komme es auf das Verantwortungsbewusstsein jedes  und jeder einzelnen an, betonte  Landtagsabgeordneter Alexander Muthmann. Sein Appell: „AHA“ beachten: Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. Muthmann ging in  seinem Referat ebenfalls auf die Probleme bei der Digitalisierung ein, die Corona überdeutlich gemacht habe. Der Ausbau der Infrastruktur dürfe nicht länger Sache der Gemeinden sein; der Staat müsse die Zügel in die Hand nehmen. Der Freyunger Abgeordnete ist überzeugt, dass in Zukunft digitale Bildung eine viel größere Rolle spielen wird  als bisher. Für den Landkreis als Sachaufwandsträger kämen damit bedeutend größere Ausgaben zu. Es sei nicht mehr damit getan, alle paar Jahre eine neue Schiefertafel in die Klassenzimmer zu stellen; die Schülerinnen und Schüler müssten mit der entsprechenden Hardware ausgestattet werden.

Im digitalen Zeitalter längst angekommen: Martin Hagen, FDP-Fraktionsvorsitzender im Bayerischen Landtag, war per Video zugeschaltet (Foto: Privat)

Muthmann ist zuversichtlich, dass der Landkreis Freyung-Grafenau von „Urlaub daheim“ profitieren könne, wenn er zum Beispiel Gästen aus der Münchner Gegend, die es bisher eher in den Süden gezogen habe, attraktive Angebote mache. Die  geplante Vergrößerung des Nationalparks Bayerischer Wald sieht der Freyunger Abgeordnete positiv, wenn sie mit einem Pilotprojekt zur Besucher- und Verkehrslenkung verbunden werde. Die   traditionellen „Gipfelgespräche“, zu denen Muthmann jedes Jahr einlädt, finden am 3. Oktober 2020 im künftigen Erweiterungsgebiet um Mauth statt.

In der anschließenden Diskussion wurde angeregt, die Kommunikation zwischen der Vorstandschaft und den Mitgliedern zu verbessern. In Zukunft soll ein reger Meinungsaustausch stattfinden, digital vor allem. „Ich bin jung und ich will etwas bewegen“, kündigte der neue Vorsitzende Muhanad Al-Halal an.

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