Das gibt’s wirklich. Und in Passau gleich zweimal an einem Wochenende

(von Tobias Schmidt)

Man mische die Fiddle und Banjo-geschwängerten Klänge des Bluegrass mit Bluesrock sowie einigen, auf ausgedehnten Odysseen entlang us-amerikanischer Highways (wahlweise tun’s auch deutsche Autobahnen) erlebten Geschichten, lasse den Gesang hübsch episch klingen und dazwischen dann und wann eine Lapsteelgitarre sehnsuchtsvoll jammern, und schon hat man die Basiszutaten von amerikanischer Roots Rock Musik zusammen.

Früher hieß das einmal New Country, dann, mit Banjorolls an stärker angezerrten Gitarrenverstärkern war von Alternative Country die Rede. Seit einigen Jahren trägt diese überreich mit Fernweh gefüllte Popmusikschublade die Aufschrift „Americana“. In Passau bislang selten zu hörende, gibt es diese Musik auch aus deutschen Landen.

Love Machine @Zauberberg (Foto: Unique Records)

Am 24. und am 25. März stellen zwei Bands ihre Lesart vor: Wenn der Münchner Patrick Roche nicht gerade als Synchronsprecher unter anderem für „Game of Thrones“ arbeitet, werkelt er gemeinsam mit Luca Wollenberg an Liedern der gemeinsamen Band Trails. Ihren Sound beschreiben sie als im vergangenen Sommer in Texas geschliffenen „Urban Western“, der alle eingangs erwähnten Zutaten enthält. Die akustischen Qualitäten der Instrumente sind hier sehr schön erhalten, die Band hat zudem keine Angst vor Hooklines mit Mitsingappeal. Mancher Sprechgesang im Stile der frühen Faith No More dürfte ebenfalls für überraschte Ohren sorgen. Und natürlich: kein gediegener Roadtrip ohne die eine oder andere zwielichtige Gestalt im Text. Was hier aber nicht gleich in Gitarrenlärm umgesetzt wird, Trails sind mehr Jason Molina, mehr Magnolia Electric Co. als etwa die pathetische Düsternis verbreitende heulende E-Ukulele eines David Eugene Edwards in der Band Woven Hand.

Trails @Café Museum (Foto: Maximilian Lamm)

Als Livesextett sind Trails am Samstag, 24. März um 20 Uhr im Café Museum (www.cafe-museum.de) zu erleben. Klar retro-orientiert sind Love Machine aus Düsseldorf auch auf ihrem Anfang des Monats erschienenen zweiten Album „Times to come“. Es ist wieder bester, an die späten 1960er gemahnender psychedelischer Jamrock geworden. Marcel Rösches Stimme hat diesen in einem fort beschwörenden Ton, Americana ist eben reich an musikalischen Wanderpredigern. Außerdem muss er mit gleich zwei ziemlich guten Gitarristen (Hendrik Patoka Siems und Felix Wursthorn) mithalten – und hypnotische Jams im Stile von Hawkwind und The Grateful Dead dauern ihre Zeit. Orgel und Saxophon sorgten für abgefahren-interessante Arrangements auf dem Vorgängeralbum „Circles“, das neue Line-up kommt klanglich schlanker daher. Mal sehen, wie das dem Publikum vom Burg Herzberg Festival, Deutschlands ältestem Musik-Open Air, im Sommer gefallen wird.

Schon jetzt austesten kann man Love Machine am Sonntag, 25. März um 20 Uhr im neuen Liveclub Zauberberg, Franz-Stockbauer-Weg 1 (www.zauberberg-passau.com).