„Der ländliche Raum steht weiterhin an erster Stelle“

Interview mit MdL Alexander Muthmann nach seinem Wechsel zur FDP

  • Bereits im Juni haben Sie erklärt, nicht mehr für die Freien Wähler kandidieren zu wollen. Nun möchten Sie für die FDP ins Rennen gehen. Wie erklären Sie das Ihren Wählern?

Ich habe immer gerne Politik gemacht und mich aus Überzeugung für die Menschen in der Grenzregion eingesetzt. Als Mitglied der Freie Wähler Landtagsfraktion konnte und wollte ich mich allerdings nicht mehr weiter einbringen. Die Differenzen waren zu groß. Es gab viele Positionierungen der Fraktion, die ich nicht mehr mittragen konnte, zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik. Ich habe immer für eine moderate Haltung geworben, leider vergeblich. In den vergangenen Wochen, seit dem ich erklärt habe, nicht mehr für die Freien Wähler kandidieren zu wollen, haben mich viele Menschen angesprochen und erklärt, ich soll doch die politische Szene in der Region nicht der CSU überlassen. Nach vielen Gesprächen mit Vertretern der FDP habe ich dann beschlossen, mich für die Landtagswahl im September 2018 für die FDP um ein Mandat zu bemühen, um mich weiterhin für die Interessen unserer Region in München stark zu machen – und das erwarten die Menschen auch von mir.

  • Aber die Themen der FDP unterscheiden sich in mancherlei Hinsicht von den Ihren. Wie glauben Sie, dass sie mit der Besser-Verdienerpartei FDP den Menschen im Bayerwald helfen können, die sich abgehängt fühlen?

Es mag sein, dass die FDP mit so einem Image zu kämpfen hat. Aber Ziel der FDP ist es, allen Bürgerinnen und Bürgern ein eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, und zwar unabhängig davon, wo in Bayern die Menschen leben. Diese Zielsetzung mündet nach meinem Verständnis zwingend in die Aufgabe der Politik, im ganzen Land dafür zu sorgen, dass die Menschen ihre Fähigkeiten und Talente nutzen können und überall in Bayern gleichwertige Chancen haben. Das Gefühl abgehängt zu sein, das die Menschen im Bayerischen Wald offenbar immer noch spüren, muss verändert werden und dafür will ich kämpfen. Das Thema Landesentwicklung und die Stärkung des ländlichen Raums stehen bei mir nach wie vor an erster Stelle. Meine Einstellung zum Thema Nationalpark ändert sich durch den Parteiwechsel auch nicht. Für meine Wähler bleibt alles gleich. Ich wurde in den Landtag gewählt, um die Anliegen und Probleme unserer ländlichen Region zu vertreten. Dies werde ich auch weiterhin mit Überzeugung und in Übereinstimmung mit den Zielsetzungen der FDP tun.

  • Wie geht es mit den Freien Wählern vor Ort weiter?

Der Austritt aus der Freie Wähler Landtagsfraktion war ausschließlich landespolitisch begründet. Die Arbeit im Kreistag und im Freyunger Stadtrat möchte ich sehr gerne in der bekannten Form fortsetzen. Ich habe mich bisher in der CWG-Fraktion und in der Zusammenarbeit mit den Kollegen der FW-GL sehr wohl gefühlt und würde mich freuen, wenn dies so bleiben könnte. In dieser Woche wird eine Fraktionssitzung der CWG und der FW/GL stattfinden. Dann werden wir klären, wie die Zusammenarbeit weitergeht.

  • Die FDP ist im Bayerischen Wald eher schwach. Hätten Sie bei den Freien Wählern nicht mehr erreichen können?

Die Freien Wähler haben bei der Bundestagswahl zirka ein Prozent, in Bayern ca. 2,7 Prozent der Stimmen erreicht. Insgesamt ist der Zuspruch für die Freien Wähler auch auf Landesebene eher schwach. Die FDP nimmt die Entwicklungen, Trends und Herausforderungen unserer Zeit, wie zum Beispiel Globalisierung, Digitalisierung, Demoskopie und Sicherheit an, um sie zu Gunsten der Menschen in unserem Land zu nutzen. Bei diesem Politikansatz fühle ich mich sehr wohl.

  • Sie sind jetzt bis September 2018 fraktionsloser Abgeordneter: Wie verändern sich dadurch Ihre Aufgaben?

Als fraktionsloser Abgeordneter nimmt man zwar letztendlich nur noch an den Plenarsitzungen teil. Die Ausschüsse fallen für mich weg. Aber ich muss mich jetzt um die ganze Breite der politischen Themen kümmern und viele neue, hilfreiche Kontakte knüpfen. Und – ich habe jetzt mehr Zeit, mich hier vor Ort um Probleme zu kümmern. Dazu gehören unter anderem eine zügige Umsetzung der Behördenverlagerungen, der schnelle Internet-Ausbau, die Verbesserung der Verkehrswege sowie die Sicherung und Verbesserung unserer Bildungsangebote.

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