Scharfrichterbeil-Gewinner Sulaiman Masomi gastiert mit neuem Programm „Morgen-Land“

(von Tobias Schmidt)

Passau. Man kann sein Gegenüber bei dessen eigenen Vorurteilen packen, oder man kann sie ihm nett verpackt „unterjubeln“. Letzteres hat gewiss den höheren Unterhaltungswert. Und braucht manchmal gar nicht viele Worte.

Sulaiman Masomi, Literaturwissenschaftler und Kulturanthropologe, seit den frühen 2000er Jahren auf bundesdeutschen Poetry Slam-Bühnen unterwegs, geht es zum Beispiel so nonchalant lakonisch an: „Keine Angst. Ich kann Deutsch.“ Mit diesem Satz beginnt der 1980 als Sohn eines afghanischen Arztes nach Deutschland gekommene Kabarettist zumeist seine Bühnenauftritte. Das „Können“ stellt er etwa in einer seiner bekanntesten Nummern „Der Hohe Rat der Sprache“ unter Beweis. Aus dem Deutschunterricht bekannte sprachliche Stilmittel von Akkusativ über Anapher bis zur Hyperbel führen darin eine Diskussion über Sprachverfall. Urkomisch und dabei auch ein Abbild der zeitgenössischen Streitkultur etwa in Social Media.

Nun ist Kabarett ja in erster Linie Sprache, diese stiftet Realitäten, und eben nicht nur metasprachliche Drechseleien. Dass diese Realitäten politischer Natur sind, Masomi, als ihr sprachlicher Sezierer und Erklärer, und nicht zuletzt auch die Zuhörer ebenfalls Teil derselben sind, bringt der Kabarettist gekonnt auf den Punkt. Wobei gilt, je höher die thematische Fallhöhe desto besser.

Sulaiman Masomi (Foto: Marvin Ruppert)

Selbstgewissheit wird schnell zum eitlen Charakterzug, da ist auch ein Kabarettpublikum nicht ausgenommen. Also warum nicht auch dort daran sägen, Köder auslegen, denen das Publikum auf den Leim geht. Von der selbsterlebten Alltagsgeschichte mit Migrationsvordergrundthematik geht’s hinten herum auf den „Untergang des Abendlandes“ zu. Und das alles mit Pokerface und der Narrenfreiheit des…    …ja, wie sagt man da jetzt…   …sämtlicher (in der Bundesrepublik ja nun auch nicht mehr ganz neuen) ‚Ethnocomedy‘ wunderbar abholden Ausländers, der sich noch mit jedem Nebensatz als der gewieftere Inländer heraus stellt.

Im Dezember 2018 gewann Sulaiman Masomi das Große Passauer Scharfrichterbeil, dorthin kehrt er nun mit seinem neuen Programm „Morgen–Land“ dorthin zurück. Ein schöner Titel, stellt er doch einen reinen Herkunftsbegriff eine Zukunftsperspektive bei. Diese Zukunft ist sehr gut „wortgewerkt“, dessen kann man gewiss sein. Doch ist sie auch hoffnungsvoll?

Davon mag man sich am Freitag, 20. September um 20 Uhr im Scharfrichterhaus überzeugen. Weitere Informationen und Karten unter www.scharfricherhaus.de