Verleihung Literaturpreis „Deggendorfer Literatur Knödl“

(v.l.) Claudia E. Sagmeister, Edith Anna Polkehn, Marianne Weidenbeck, Renate Wasmeier (Foto: Stadt Deggendorf)
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Deggendorf. Jetzt hat auch Deggendorf einen. Einen von rund eintausend in Deutschland, mehr oder weniger, regelmäßig vergebenen Literaturpreise: den „Deggendorfer Literatur Knödl“, der die Stadt einreiht in die Liste von Literaturförder-Städten wie Braunschweig (Wilhelm Raabe Preise), Dortmund (Nelly Sachs), Hamburg (Hubert Fichte) oder Frankfurt (Goethe).

Nun verlangt Literaturförderung von Großstädten mit finanziellem Literaturinteresse wie Köln, Leipzig oder Frankfurt auch ein großes ökonomisches Engagement. Doch es geht auch anders. Deggendorf hat bei der erstmaligen Vergabe des „Deggendorfer Literatur Knödls“ vor allem viel Kreativität investiert. Das beginnt mit der Namensgebung. Knödel und Literatur mag auf den ersten Blick nicht recht zusammenpassen. Aber der Heimatkundige erkennt den Bezug zu der bräsigen Knödel-Sage. Und der Weitsichtige schreibt dem Deggendorfer Knödel eine zeitgemäße Marketing-Funktion zu, wie etwa die Bremer ihren Bremer Stadtmusikanten. Der Leiterin der Stadtbibliothek Marion Jürgens ist allerdings der Fördergedanke am wichtigsten: „Die Schreiblust ist in Deggendorf beständig und breit gefächert. Dabei ist die große Zahl jüngerer, weiblicher Teilnehmer auffalend. Um die Nachhaltigkeit der Förderung zu unterstreichen, ist eine zweijährige Wiederholung der Veranstaltung geplant.“

Die Zahl der Teilnehmer:innen und der eingereichten Texte geben ihr Recht: 23 Literarinnen und Literaten haben bislang unveröffentlichte Kurzgeschichten eingereicht. Form und Inhalt der Geschichten konnte unterschiedlicher – und unterhaltsamer – nicht sein.

Der doppelbödige Krimi von Edith Polkehn, der Gewinnerin des ersten Preises, beschreibt professionell die gruselige Atmosphäre in einer Senioren-Residenz und den bösen Überlebenskampf einer alten Pianistin, die weder vor Mord, noch vor Tagebucheinträgen zurückschreckt.

Claudia Sagmeister nimmt einen scheinbar unbedeutenden Zettel und lässt ihn das Liebesglück einer jungen Frau bestimmen. Die Schicksalsmacht des Zufalls in freundlich ironischer Sicht.

Ein Überraschungsteilnehmer war sicher Markus Rankl aus Niedersachsen. Der gebürtige Deggendorfer hatte aus der Zeitung vom Schreibwettbewerb erfahren. In seiner Geschichte um einen kuriosen Bankdiebstahl, stehen Schnucken im Mittelpunkt. Diese kuriose Idee mit dem schrägen Happy End brachte Platz 3.

Eine fachkundige, fünfköpfige Jury wählte die drei Preisträger:innen aus. Zu gewinnen gab es 100, 75 und 50 Euro. Die Preise wurden von Bürgermeisterin Renate Wasmeier überreicht. Dazu zählte auch eine themenbezogene Skulptur des hiesigen Künstlers Max Brauer.

Alle Literatinnen und Literaten erhielten als Erinnerung ein Buch mit allen eingereichten Texten, das die Stadtbibliothek herausgegeben hat und auch für alle Interessierten zu erwerben ist.

Die freundliche Moderatorin der Veranstaltung lag in den Händen von Marianne Weidenbeck. Der musikalische Rahmen wurde swingend und dem Anlass gemäß mit Jazz-Titeln gestaltet; von Martin Krivacec (Saxophon) und Thomas Anleiter (Keyboard).

Und schließlich wurden alle Besucher:innen und Künstler:innen mit einem Knödel belohnt – mit oder ohne Speck.