Ein Chirurg, ein Krieg, ein Schriftsteller. Die Geschichte hinter dem „Märchen von der Königin, die keine Pfeffernüsse backen, und dem König, der kein Brummeisen spielen konnte“

(von Tobias Schmidt)

Chirurgen und Sportmedizinern ist der einst in Halle an der Saale praktizierende Arzt Richard von Volkmann (1830-1889) ein Begriff. Ein Teil des Sprunggelenks und chirurgisches Besteck sind nach dieser Gründergestalt der modernen wissenschaftlichen Orthopädie benannt. Der auch die in den 1860er Jahren in England entwickelte antiseptische Wundbehandlung mit Carbolsäure im deutschen Reich einführte, was die allgemeine Überlebenschance bei Operationen bestärkte. Im Dienst soll der in den Adelsstand erhobene Professor ein gestrenger, ja durchaus hochfahrender Mensch gewesen sein, doch hatte er mütterlicherseits (Sie stammte aus einer Verlegerfamilie) auch ganz andere Talente mitbekommen.

Unter dem Pseudonym „Leander“ verfasste er schöngeistige Literatur. Das tat er auch in Kampfpausen im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, wo er als konsultierender Generalarzt im Einsatz war. Seine so entstandene Kunstmärchen-Sammlung „Träumereien an französischen Kaminen“ wird bis heute verlegt, und die darin enthaltenen Geschichten von Wunschringen, dem Teufel im Weihwasser oder den drei Schwestern mit gläsernen Herzen lohnen eine Wiederentdeckung. Ein ganz kurzes Märchen mit umso längerem Titel fällt dabei auf: „Das Märchen von der Königin, die keine Pfeffernüsse backen, und dem König, der kein Brummeisen spielen konnte.“

Beinahe schnoddrig erzählt Volkmann-Leander darin die Geschichte einer Brautwerbung. Der König von Makronien beschließt, sich nach einer Königin umzusehen. Und zwar nicht nach irgendeiner, sondern ganz besonders muss sie sein: schön und klug, und sie muss vorzügliche Pfeffernüsse backen können! Ob sich wohl unter den Prinzessinnen der Nachbarländer eine finden lässt, die den königlichen Ansprüchen genügt? Es folgt allerlei Bemäkeln von Unzulänglichkeiten potenzieller Ehepartner, aber keine Angst, am Ende siegt dennoch die Liebe. Eine Geschichte wie geschaffen für unsere Zeit der Online-Partnersuche für paarungswillige Zeitgenossen, die am Zuviel an Auswahl und den Wisch-und-Weg Mechanismen der Dating-Apps verzweifeln. Der Clou dabei: Die Sache gerät ganz und gar nicht schlüpfrig,  dieses Märchen ist selbstverständlich auch etwas für Kinder.

Das Königliche Hoftheater Lumumba bringt „Das Märchen von der Königin, die keine Pfeffernüsse backen, und dem König, der kein Brummeisen spielen konnte.“ am Sonntag, 3. Februar im Café Unterhaus, Höllgase 12, für Zuschauer von 6-99 Jahren auf die Bühne. Es spielen Susanne Kubiak und Gesa Peters, Christian Lichtenauer ist am „Brummeisen“ zu erleben. Der Vorhang hebt sich um 16 Uhr; der Eintrittspreis beträgt 5,- Euro.

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