Die Arbeitsgruppe Gesundheit/Pflege/Hospiz der SPD im Landkreis Freyung-Grafenau traf sich mit Marcus Plaschke, Geschäftsführer der Kliniken gGmbH am Goldenen Steig, zum Thema Gesundheitsversorgung im Landkreis.

Im Mittelpunkt der Diskussion stand das Krankenhaus Grafenau. In letzter Zeit leider eher mit schlechtem Ruf behaftet, geht im Grafenauer Land das Gerücht einer baldigen Schließung des Krankenhauses durchs Land. Von Hilde Greiner auf die Gründe angesprochen, gab Marcus Plaschke unumwunden vor allem personelle Querelen als Ursache an, die aber schon abgestellt wurden. Seitdem hat sich die Stimmung im Krankenhaus Grafenau deutlich verbessert, dass ist bei den Patienten angekommen und die Belegung ist bereits merklich wieder angestiegen. Weiter betonte Marcus Plaschke, dass es derzeit keine Planungen gibt, das Krankenhaus Grafenau zu schließen. Er betonte, dass es für sinnvolle strukturelle Anpassungen Verlagerung von einzelnen Bereichen nach Freyung gab und auch weitergeben wird. So die Verlagerung eines Teils der Kardiologie nach Freyung, um dort eine Notfallversorgung von Herzpatienten zu ermöglichen. Geplante Herz-OPs sollen in Grafenau verbleiben. Vor allem die bereits beschlossene Verlagerung der Stroke-Unit für Schlaganfallpatienten, ist notwendig, um den östlichen Landkreis besser abzudecken.

Angesprochen auf mögliche hohe Rückzahlungen von Fördermitteln bei einer Schließung wich Plaschke aus und gab an, dass es sogar reichlich Fördermittel für die Schließung von Krankenhäusern gibt. Hilde Greiner und Andreas Tausch betonten, dass es wichtig ist, das Krankenhaus Grafenau als schneidendes Haus wieder zu etablieren und vor allem wieder voll in die Grundversorgung aufzunehmen. Dies ist ein wichtiger Schritt, den Bestand des Krankenhauses Grafenau auf lange Sicht zu sichern, so die SPD-Politiker. Es ist von allen Entscheidern ein Erhalt des Krankenhauses unbedingt zu garantieren. Plaschke führt aus, dass das Ziel, die chirurgische Ausrichtung in Grafenau zu erhöhen, bereits im Stadtrat Grafenau vorgestellt wurde, aber bis dato politisch nicht aufgegriffen wurde. Seitens der anwesenden SPD-Politiker wurde starke Unterstützung zugesichert, diesen Weg zu beschreiten!

Angesprochen auf die größten Probleme in der Kliniken GmbH gab Marcus Plaschke das Fehlen von ausreichend Ärzten an. Die Kliniken befinden sich in einem Teufelskreis, der Ärzte ans Aufgeben denken lässt, durch die Überlastung werden neue Ärzte abgeschreckt zu kommen. Es sind Stellen da, die aber nicht besetzt werden können. Es wird annähernd jede Fachkraft eingestellt. Es bräuchte mehr Ärzte die ursprünglich aus unserem Raum kommen und nicht von weit hergeholt werden müssen. Umzugshilfe und „Fangprämien“ sind auf Dauer allein nicht ausreichend. Auf Belegarztpraxen hat die Kliniken GmbH nur geringe Einflussmöglichkeiten, wie hier Arztstellen wiederbesetzt werden.

Glücklich können sich die Krankenhäuser im Landkreis schätzen, da sie mit der Berufsfachschule für Krankenpflege direkt vor Ort bedarfsgerecht selbst ausbilden können und somit im Bereich der Krankenpfleger kein Mangel herrscht. Dadurch partizipieren die Krankenhäuser im bundesweiten Vergleich überproportional an gesetzlichen Änderungen, weg vom reinen Pauschalsystem, hin zum, den entstandenen Pflegeaufwand, entlohnenden System. Das hilft aktuell finanziell ungemein. Nur so kann im Moment die Palliativstation über Jahresfrist gesehen, kostendeckend betrieben werden. Bleibt die gesetzliche Situation, können alle Schüler der Pflegeschule übernommen werden.

Weiteres Thema war die Situation im MVZ Waldkirchen. Josef Süß bemängelt, dass die versprochene ambulante Jugendpsychiatrie noch nicht eröffnet wurde. Laut Plaschke ist alles bereit, um zu starten, nur fehlt eine kompetente Leitung. Erst wenn diese gefunden ist, kann gestartet werden.
Andreas Tausch hat nochmal eine Stärkung des MVZ Waldkirchen durch mehr teilstationäre Pflege gefordert, die aber im Moment durch eine volle räumliche Belegung nicht möglich ist. Die Idee wird weiterverfolgt, wenn sich räumlich die Möglichkeiten ergeben.

Außerdem wurde noch die fehlende tarifliche Bindung der Klinik Mitarbeiter, beschäftigt in der eigenen Service GmbH, angesprochen, da es sich dabei rein um ein Lohndumpingmodell handelt, welches es abzustellen gilt. Sollte sich hier in absehbarer Zeit keine andere Lösung ergeben, wird dies ebenfalls wieder auf die Tagesordnung der SPD-Kreispolitik kommen.

Unbedingt verbesserungswürdig sehen die Mitglieder der Arbeitsgruppe die Absicherung der Notfallversorgung im Rettungsdienst. Insofern schließt sich der Kreis zum Krankenhaus Grafenau, um dies wieder in die Grundversorgung aufzunehmen und als auch chirurgische Notfälle aufnehmendes Krankenhaus zu betreiben. Dadurch wird auch wieder fehlende Transparenz für die potenziellen Patienten geschaffen.

Insgesamt waren sich alle Anwesenden einig, dass es wichtig ist, die gesamte Gesundheitsversorgung im Landkreis weiter kritisch politisch zu begleiten und negativen Entwicklung sofort entschieden zu begegnen. Eine feste Säule ist und bleibt auf Dauer das Krankenhaus Grafenau und das MVZ Waldkirchen.

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