Am 4. Juli 1971 tippte ein amerikanischer Student namens Michael Hart den Text ‚Declaration of Independence‘ in die Tastatur eines Mainframe-Rechners – es war der Startschuss für das elektronische Lesen und somit dem E-Book (deutsch: E-Buch, auch Digitalbuch). Ein Buch, das auf E-Book-Readern oder mit spezieller Software auf Personal Computern, Tablet-Computern oder Smartphones gelesen werden kann. Diese Abnabelung der Literatur von der Druckerpresse und die anschließende Zeit von zahlreichen E-xperimenten verlief bis in die Neunziger Jahre. Mit dem www (World Wide Web) und dem Auftauchen von markttauglichen mobilen Lesegeräten gelang dann der kommerzielle Durchbruch. Auch wenn das Technologie-Unternehmen Apple, entgegen zahlreichen Meinungen, nicht direkt an der Entwicklung von elektronischen Lesegeräten beteiligt war – geschweige denn das Tablet erfunden hat – so muss man dem Konzern dennoch zu Gute halten, mit der Vorstellung und Markteinführung des iPhone (2007) und iPad (2010) einen wesentlichen Beitrag zur Kommerzialisierung von E-Books beigetragen zu haben. Der Traum von der universalen Bibliothek wurde zum Greifen nahe; Jedes Buch zu jeder Zeit an jedem Ort.

Die Kehrtwende

Schon bald war vom ‚Tod des gedruckten Buches‘ die Rede oder von der ‚Digitalisierung als Totengräberin der Buchkultur‘. Doch es gab sie damals schon, vom Schriftsteller, Verleger, Buchhändler bis hin zur Leserschaft. Leute, die nie der Ansicht waren, dass das gedruckte Buch ganz aus unserem Leben verschwinden würde. Sie alle haben bis heute Recht behalten.
Teils mit ‚analoger Schadenfreude‘ berichteten amerikanische Medien während den letzten Wochen, dass der Absatz von elektronischen Büchern (E-Books) in den vergangenen neun Monaten um satte 10 Prozent zurückgegangen wäre. Nach vielen Jahren von steilen Zuwachsraten stagniert der Anteil von E-Books am US-Buchmarkt bei ungefähr 30 Prozent – dabei waren sich dort doch die digitalen Experten vor nicht allzu langer Zeit noch einig, dass die elektronischen Titel demnächst die 50-Prozent-Marke überschreiten würden und somit das gedruckte Buch an Beliebtheit verlieren wird.

Entschleunigung spürbar – auch im Buchmarkt

Hierzulande kann bereits ein ähnlicher Trend festgestellt werden. Und selbst wenn sich diese Entwicklung noch nicht ganz bewahrheitet hat, dann darf man getrost davon ausgehen, dass diese positive Stoßrichtung – jedenfalls für Freunde der guten alten Gutenbergs Technologie – früher oder später auch hier Wurzeln schlagen wird. Warum das so sein wird? Ganz einfach. Weil die USA uns, was die digitale Entwicklung und dessen Ausmaß auf das gesellschaftliche Leben, schon immer voraus waren. Man kann diese Tatsache als gut oder schlecht bezeichnen.
Es herrscht also so eine (neue) Art von Aufbruchstimmung. Insbesondere bei den zahlreichen Buchläden und kleineren Verlegern um die Ecke – wer kann es ihnen verübeln? Doch zweifelsohne: Auch die Digitalisierung des Buchmarktes hat zu einer Bluterfrischung in der Demokratie geführt. So haben beispielsweise Schreiberlinge die Möglichkeit, die strengen Torwärter von Verlagen zu umgehen, da sie auf einfache Art und Weise selbst publizieren können. Nicht in wenigen Fällen wird dann ein solcher literarischer Erguss im Anschluss im analogen Buchmarkt veröffentlicht und zu einem absoluten Bestseller – ‚Schades of Grey‘ ist nur ein Beispiel von vielen.

Analog oder digital: Beiden gehört die Zukunft

Wie sagt man so schön? Totgeglaubte leben länger. Das gedruckte Buch wird aus unserem Alltag nicht verschwinden. Trotzdem bildet das digitale Lesen unsere Zukunft. Das ist kein Widerspruch in sich. Denn was viele von uns immer noch nicht begriffen haben; es geht darum, zwischen dem analogen und digitalen Medium eine friedliche Koexistenz zu bilden, in der jedes Medium (ob Buch, Zeitung oder Fernsehen) seine Stärken ausspielen kann und seinen Platz hat. Denn zu guter Letzt verhilft eine Digitalisierung auch einem herkömmlichen und analogen Medium, sich in seinem Bereich bestmöglich darzustellen und zu platzieren. Ob analog oder digital; beiden gehört die Zukunft. Entscheidend dabei wird sein – und das ist nichts Neues – welcher Inhalt der Leserschaft präsentiert wird.

×

(Anzeige)

×