Wenn Künstliche Intelligenz Bankberatern die Sinnfrage stellt

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    Künstliche Intelligenz erobert den Alltag von immer mehr Unternehmen. Forschende der Universität Passau untersuchen jetzt, wie Beschäftigte damit umgehen, wenn auf einmal die Maschine entscheidet

    Passau (obx). Es ist ein Trend, der in den kommenden Jahren auf vielen Berufsfeldern Einzug halten wird: Künstliche-Intelligenz-Systeme sind zunehmend in der Lage, Entscheidungen autonom zu treffen, ohne dass menschlicher Input nötig ist. Was macht es mit Beschäftigten, wenn sie wesentliche Entscheidungen in ihrer Tätigkeit nicht mehr selbst treffen können, sondern dies durch Künstliche Intelligenz geschieht? Forschende der ostbayerischen Universität Passau und Bayreuth sind dieser Frage nachgegangen. Sie untersuchten diese Frage am Beispiel des Prozesses der Kreditvergabe – und sehen Risiken, aber auch Chancen.

    Die Vergabe von Krediten ist ein Beispiel dafür, wie Künstliche Intelligenz den Alltag in Unternehmen zunehmend erobert. Vor der Einführung eines KI-Systems besaßen Berater hier umfangreiche Kompetenz: Sie entschieden, ob ein Kredit genehmigt wird und zu welchen Konditionen. Das verändert sich durch die Einführung eines KI-Systems fundamental. Was hinzu kommt: Berater können die Entscheidungen des Systems nicht verändern oder ablehnen. Dennoch müssen sie diese der Kundschaft gegenüber plausibel kommunizieren und rechtfertigen.

    „Unsere Studie zeigt, dass sich nicht nur die Arbeitsprozesse grundlegend verändern, sondern eben auch die professionelle Rollenidentität“, sagt Anne-Sophie Mayer, Nachwuchsforscherin am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Management, Personal und Information an der Universität Passau. Wie genau, das hat sie gemeinsam mit dem Psychologen Dr. Franz Strich und der Professorin Dr. Marina Fiedler untersucht. „Wir haben dazu in der Zeit von Januar bis Dezember 2019 qualitative Interviews mit 60 Beraterinnen und Beratern geführt“, erklärt Dr. Stich. Das Ziel: herauszufinden, wie sich Mitarbeiter neu definieren, wenn sinnstiftende Kernbereiche ihrer Tätigkeiten von KI-Systemen übernommen werden.

    Sie hätten Reaktionen zweier unterschiedlicher Gruppen identifizieren können, berichtet Sophie Mayer. Einerseits sei da die Gruppe von Beraterinnen und Beratern, die sich in ihrer Rollenidentität durch das KI-System bedroht fühlten. Es handele sich dabei um Beschäftigte mit langjähriger Berufserfahrung und Expertise. Diese empfinden eine Herausforderung und Abwertung durch das System und versuchen ihre Identität zu schützen. Die andere Gruppe habe sich hingegen in ihrer professionellen Rollenidentität gestärkt gefühlt. Dazu zählten Berater, die erst kürzlich in das Geschäft eingestiegen seien oder vorher in einer anderen Abteilung tätig waren. Sie hätten das KI-System als Chance begriffen, vollumfänglich in der Kreditberatung arbeiten zu können.

    Die Studie verdeutliche nach Worten von Professorin Marina Fiedler einerseits Potentiale, andererseits aber auch Gefahren der Einführung eines KI-Systems. Für viele Organisationen bestehe das Risiko, dass sie bei der Einführung eines solchen Systems den Mitarbeitenden ihre Einflussmöglichkeiten nehmen. Das sei aber eines der grundlegensten Bedürfnisse von Menschen. Organisationen sollten demnach darauf achten, dass Mitarbeitende weiterhin eine sinnstiftende Antwort auf die Frage nach dem ‚Wer bin ich am Arbeitsplatz?‘ finden. Ihr Rat: Organisationen könnten deshalb nicht einfach so ein KI-System einführen und darauf hoffen, dass die Beschäftigten schon das Beste daraus machen würden. Sie sollten sich im Vorfeld Gedanken machen, welche Antworten sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf die Fragen nach ihrer beruflichen Identität bieten könnten.

    Die Studie mit dem Titel „What Do I Do in a World of Artificial Intelligence? Investigating the Impact of Substitutive Decision-Making AI Systems on Employees Professional Role Identity“ ist in der renommierten Fachzeitschrift Journal of the Association for Information Systems erschienen.

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