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Seltenes Gibbonbaby vom Vogelpark Irgenöd an dubiosen Händler abgegeben und auf Parkplatz weiterverkauft

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PETA erstattet Anzeige gegen Tierpark-Verantwortliche

Ortenburg / Pforzheim / Stuttgart, 11. Dezember 2020 – PETA wurde auf einem Onlineportal für Exoten auf das Verkaufsangebot eines streng geschützten Weißhandgibbons aufmerksam. Ein Ermittler der Tierrechtsorganisation gab sich als Interessent aus. Anfang Dezember sollte das erst eineinhalb Jahre alte Affenkind Jimmy auf einem Supermarktparkplatz in Pforzheim für 13.000 Euro an den vermeintlichen Käufer übergeben werden. In einem gemeinsam mit der Pforzheimer Polizei und der Veterinärbehörde vorbereiteten Einsatz konnte der Verkäufer überführt und der Primat beschlagnahmt werden. Jimmy wurde PETA vorliegenden Informationen zufolge 2019 kurz nach seiner Geburt vom Vogelpark Irgenöd an den dubiosen Tierhändler übergeben oder verkauft. Die Tierrechtsorganisation hat gestern Anzeige beim Kreisveterinäramt Passau wegen des Verdachts auf Verstoß gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen gegen die Verantwortlichen des Vogelparks Irgenöd erstattet. Auch eine Überprüfung der Einhaltung artenschutzrechtlicher Bestimmungen wurde gefordert. PETA appelliert an die Behörde, den Tierpark-Verantwortlichen jegliche Tierabgaben an unseriöse Abnehmer zu untersagen.

Mit einem Polizeieinsatz konnte der Händler überführt und Jimmy beschlagnahmt werden. / © PETA Deutschland

„Gibbons sind hochsoziale Tiere, die ohne Artgenossen schwere Verhaltensstörungen entwickeln. Die Verantwortlichen des Vogelparks haben vor Jimmys Abgabe jedoch offensichtlich in keiner Weise sichergestellt, dass die neuen Haltungsbedingungen den Bedürfnissen des Affenkindes gerecht werden. Dass er dann auch noch auf einem Parkplatz weiterverkauft werden sollte, zeigt die Verantwortungslosigkeit aller beteiligten Personen“, so Biologin Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin bei PETA. „Jimmys Schicksal ist kein Einzelfall. Jedes Jahr werden Tausende Tiere aus deutschen Zoos an zweifelhafte Händler verkauft, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mitbekommt. Das ständige Nachzüchten ohne ausreichende Gehegekapazitäten dient nur dem Zweck, zahlende Besucher mit den süßen Tierbabys anzulocken. Wir setzen uns für ein Ende des Systems Zoo ein.“

Zoos im Zentrum des dubiosen Handels mit Tieren

Bereits 2011 veröffentlichte PETA Recherchematerial, das zeigte, dass Dutzende deutsche Zoos und Tierparks jedes Jahr Tausende Tiere an Tierhändler abgeben. Verkauft werden vor allem „ausgediente“ Alttiere und nachgezüchtete bzw. „überschüssige“ Jungtiere. Einer der Händler zählte wiederum Privatzoos, chinesische Zuchtfarmen, ein Gourmetrestaurant und ein Tierversuchslabor zu seiner Kundenliste. Teilweise wurden die Tiere sogar auf Autobahnrastplätzen übergeben.

Exotische Tiere als Statussymbol

Primaten gehören zu den am meisten gehandelten Säugetieren auf Verkaufsplattformen für exotische Tiere im Internet. In Deutschland ist der Handel mit und die Haltung von sogenannten Exoten in Privathand weitgehend unreglementiert. Wenn der Preis stimmt, werden auch streng geschützte und äußerst empfindliche Tierarten selbst an Laien verkauft und als Statussymbol missbraucht. Durch die hohen Sterberaten als Folge der mangelhaften Haltung und Pflege bleibt die Nachfrage auf einem hohen Niveau.

Nicht erst seit der Coronakrise ist bekannt, dass exotische Tiere ein Reservoir für gefährliche Krankheitserreger sein können: Tiere wie Affen, Schlangen oder Schildkröten sind häufig mit ansteckenden Darmparasiten wie Würmern oder Giardien infiziert, die auch auf den Menschen übertragbar sind. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von dem Kontakt zu exotischen Reptilien her. [1]

Weißhandgibbons sind hauptsächlich in den tropischen Wäldern Thailands und Malaysias zu Hause. Charakteristisch sind ihr einzigartiger Gesang und das sogenannte Schwinghangeln, mit dem sie sich durch die Baumkronen fortbewegen.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.


 [1] Robert Koch-Institut (2013): Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.

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