Markt Wegscheid setzt auf eigenes Quellwasser und ertüchtigt die Abwasserleitungen

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    Abwasserleitungssysteme auf neue Herausforderungen, wie Starkregenereignisse, ausrichten und ertüchtigen.

    Förderungen des Freistaats über RZWas dämpft umzulegende Kosten der Kommune, somit auch den Wasser- und Abwasserpreis.

    Trotz hoher, bereits eingeplanter Investitionen in die Abwasserentsorgung und Wasserversorgung verhältnismäßig geringer Anstieg der Wasserverbrauchsgebühren und Senkung der Gebühren für Abwasser.

    Der Markt Wegscheid setzt primär auf die Versorgung mit Trinkwasser aus eigenen Quellen.

    „Zweites Standbein“ über die Verbundleitung zu „Waldwasser“ hat sich in den Trockenmonaten bewährt.

    Trinkwasser „Aus dem Wasserhahn“ das wertvollste Lebensmittel mit hervorragender „Ökobilanz“.

    Wegscheid. Der Marktgemeinderat Wegscheid sprach sich bereits in den vergangenen Sitzungen im Juli, November und im Dezember 2020 für die Antragsstellung zur Kostenbeteiligung über RZWas 2018 für Investitionen im Gemeindebereich zur Trinkwassergewinnung und Abwasserentsorgung aus.

    Begriffserklärung: RZWas 2018 Richtlinien für Zuwendung zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben

    Der Freistaat Bayern fördert nach diesen Richtlinien und den allgemeinen haushaltsrechtlichen Bestimmungen (Art. 23 und 44 der Bayerischen Haushaltsordnung – BayHO) wasserwirtschaftliche Vorhaben durch Zuwendungen und Vorhaben zur Sanierung von Anlagen der öffentlichen Wasserver- und Abwasserentsorgung in Härtefällen nach RZWas 2018. Dies hat direkte Auswirkung auf die Abwasser- und Wassergebühren der Haushalte. Grundsätzlich handelt es sich bei Anlagen der Abwasserentsorgung und Trinkwasserversorgung um Anlagen, die kostendeckend zu betreiben sind. Dies bedeutet, dass grundsätzlich alle hierfür anfallenden Kosten vom Benutzer / Bürger zu tragen sind. Daher haben die Fördermaßnahmen des Freistaats (RZWas) direkte, positive Auswirkungen auf den Abwasser- und Wasserbezugspreis der Haushalte.

    Wie eine Bombe schlug daher im Sommer 2020 die Mitteilung des Freistaats ein, dass für diese Förderungen, wie auch für andere, aufgrund der zu erwartenden Kosten aus der „Coronasituation“ eine sogenannte „Bescheidsperre“ erlassen wurde. Bei noch notwendigen Maßnahmen in die Abwasserentsorgung (Ertüchtigung und Erneuerung von Kanalleitungen, Bau von Regenrückhaltebecken, Bau von Entlastungskanälen, etc.) und den Wasserbau von ca. 10 Mio. Euro wäre dies ein herber Schlag für den Markt gewesen.

    Im November kam dann die – zumindest teilweise – „erlösende Nachricht“, dass Maßnahmen unter der bisher günstigeren RZWas2018 noch beantragt werden können, wenn der Förderantrag bis 01.12.2020 beim Wasserwirtschaftsamt eingereicht wird. Da wir in der Marktverwaltung, trotz der „Bescheidsperre“ weitergeplant haben und uns von den Hiobsbotschaften nicht aus der Ruhe bringen ließen, hatten wir eine eingabefähige Planung vorzuweisen. Kurzerhand wurde noch Ende November 2020 eine „außerordentliche Marktratssitzung“ einberufen, in der die entsprechenden Beschlüsse gefasst wurden.

    Am 30.11.2020 wurden die Antragsunterlagen von Bürgermeister Lothar Venus persönlich beim Wasserwirtschaftsamt Deggendorf eingereicht. Das Folgeprogramm „RZWas2021“, dass das bisherige Förderprogramm dann ablöst, sieht für die Kommunen wesentlich schlechtere Konditionen vor. Daher ist es im laufenden Jahr 2021 wichtig, möglichst die „Großmaßnahmen“, wie z. B. „Abwasserhauptkanal Dorfstraße Wildenranna“, weitgehend abzuschließen.

    Der Markt Wegscheid setzt in bewährter Weise auf Trinkwasser aus eigenen Quellen. Mit den beiden Wassergewinnungsanlagen Wegscheid (Gewinnungsgebiet Kühberg, Thalberg und Wildenranna) und Kasberg ist der Markt gut aufgestellt. Da die Gewinnungsgebiete inmitten von Waldflächen liegen, ist das vielbeschriebene „Nitrat in Trinkwasser“ bei der Wegscheider Wasserversorgung kein Thema. Nach Meinung von BGM Lothar Venus müssen Kommunen ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger mehr zum Thema „Trinkwasserqualität“ aufklären. Die Wasserversorger müssen auch mal den Mut haben, für „Ihre Ware Werbung zu machen“. In allen Medien ist „Ökobilanz bei Lebensmitteln“, „Fairtrade“, „Bio“ thematisiert. Aber kein Mensch spricht davon, dass täglich tausende Tonnen „Mineralwasser“ sinnlos tausende Kilometer, teilweise aus Gebieten in denen selbst Wassernot herrscht, umhergekarrt werden, und das wertvollste Lebensmittel Wasser aus der Wasserleitung lediglich für das Spülen des Wasserglases verwendet wird. Vergleicht man den Preis, so erhält man für einen Kasten Wasser einen Kubikmeter Trinkwasser aus der Wasserleitung. Gesprochen für die Wegscheider Wasserversorgung, „Ein regionales Produkt, mit einer hervorragenden Ökobilanz, in erstklassischer Qualität“, und vor allem mit „Transportwegen“ unter 20 KM vom Entstehungspunkt bis direkt in die Küche des Haushalts, ohne Kraftanstrengung, oder Kistenschleppen. Früheren Generationen, so BGM Venus, war das „Gut Trinkwasser“ noch ein Begriff und hatte hohe Wertigkeit, es ist die Aufgabe der Versorger und auch der Gesellschaft, diese Wertigkeit wieder in den Blickwinkel der Bürgerinnen und Bürger zu rücken.

    Auch die Versorgungssicherheit spielt eine große Rolle bei der Wasserversorgung. Insbesondere in Trockenzeiten wird die Wegscheider Anlage durch die Verbundleitung zu Untergriesbach unterstützt. Bewährt hat sich auch die Verbundleitung Wegscheid zum Hochbehälter „Lenzenhöhe“ (vormals „Wegscheid-West“), da dadurch das in der Gemeinde gewonnene Quellwasser optimal im Gemeindegebiet verteilt werden kann. Für die elf Quellen im Wassergewinnungsgebiet Kühberg läuft derzeit ein Antrag auf Genehmigungsverlängerung für die Entnahme von Grundwasser. Zum Schutz der Quellen war im Rahmen dieses Verfahrens eine Wasserschutzgebietsneuplanung erforderlich. Nach den nun geltenden Bestimmungen hat sich das Schutzgebiet gegenüber dem bisherigen Schutzgebiet erheblich vergrößert. Insbesondere sind von dem neuen Schutzgebiet auch landwirtschaftliche Flächen betroffen. Bewirtschaftungsnachteile (z.B. keine Gülleausbringung), die sich durch die Schutzgebietsverordnungen ergeben, sind durch den Markt Wegscheid auszugleichen. Daher erwirbt der Markt Wegscheid derzeit mögliche Tauschflächen um sie betroffenen Landwirten anbieten zu können.

    Die Abwasserentsorgung erfolgt über die Kläranlagen in Wegscheid und in der Kläranlage neben dem Rannasee. Rund 85 % der Haushalte in der Marktgemeinde sind über das kommunale Trinkwasser- und Abwassernetz angeschlossen. Dies erklärt auch warum die hohen Investitionskosten, die auf den Wasserpreis und Abwasserpreis umgelegt werden müssen, nur geringe Auswirkungen auf die jeweiligen Gebühren haben. 

    In den nächsten Jahren sind verschiedene Investitionen für Regenwasserableitungen, Trinkwasserversorgung, Quellschutzgebiete und Abwasserentsorgung nötig. Die Kosten in der Gesamtsumme von ca. 10 Mio Euro könnten vom finanzschwachen Markt Wegscheid nicht alleine getragen werden und können nur durch den Zuschuss des Freistaats Bayern umgesetzt werden, daher begründet sich die aktuelle Vielzahl der Maßnahmen in diesem Bereich, um möglichst die Maximalförderung der RZWas ausschöpfen zu können.

    Trinkwasserversorgungen

    Hier wurde bereits 2020 mit der Sanierung des Hochbehälters Wildenranna begonnen, Kleinrathberg und Kasberg werden auch die nächsten Jahre saniert. Die Gesamtmaßnahme mit ca. 750.000 € ist in die aktuellen Wasserpreise bereits mit einkalkuliert. Eigentlich war die Durchführung der Maßnahme für 2020 geplant. Jedoch „coronabedingt“ verzögerte sich ein Teil der Baumaßnahmen, nämlich der Bau der Wasserleitungen im Dorfbereich Wildenranna und Wasserleitung Gewerbegebiet Wegscheid-Nord zum Hochbehälter am Ponzaun. Folgende Maßnahmen konnten abgeschlossen werden – die Wasserleitungen im Quellgebiet Wildenranna, Pölzöd, im Bereich der Staumauer Rannasee Richtung Maierhof, Steinbachhäusl/Möslberg

    Abwasserentsorgung

    In Wildenranna wird in der Dorfstraße eine Ersatzmaßnahme und ein Neubau der Kanäle und Teile der Wasserversorgungsleitungen vorgenommen. Durch die notwendige Förderung des Freistaats unter der bisherigen „RZWas2018“ und die hohen Kosten im Bereich von ca. 4 Mio. für die Abwasserkanäle und ca. 250.000 € für die Wasserversorgung im Dorfbereich Wildenranna, steht diese Maßnahme beim Markt auf der Prioritätenliste für 2021 ganz oben.  In Kailing, Wegscheid bei der Stockhalle und im Bereich Wildenranna-Burgstallstraße wurden die Regenwasserkanäle neu gebaut.

    Für die Zukunft steht in Wegscheid, in den Bereichen Sattlersbrücke, Rosengasse, Kirche und Dreisesslstraße eine Maßnahme mit ges. ca. 2,8 Mio. €, sowie Kanalertüchtigungen in Lacken und Thalberg mit ca. 140.000 € auf der Agenda.

    Die neuen Verbrauchsgebühren und Herstellungsbeiträge für die Wasserver- und Abwasserentsorgung des Marktes Wegscheid waren auch Thema in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats. Die Verwaltungsfachangestellte Barbara Krottenthaler trug die ermittelten Werte der aufwendigen Kalkulationen vor und kam zu folgenden Ergebnissen:

    Der Markt Wegscheid betreibt zwei gemeindliche Wasserversorgungsanlagen, Wegscheid und Kasberg sowie eine Abwasseranlage Wegscheid mit drei Kläranlagenstandorten. Zum 01.01.2021 traten dabei die von der Verwaltung des Marktes Wegscheid kalkulierten geänderten Preise in Kraft. Bei der Wasserversorgung Wegscheid erhöhte sich die Gebühr für einen Kubikmeter Wasser um 0,05 € auf 1,30 €. In dieser Preissteigerung sind bereits die Zukunftsinvestitionen für diverse Leitungserneuerungen im bestehenden Wasserleitungsnetz, sowie die aktuellen Sanierungen der Hochbehälter mit einkalkuliert. Die Herstellungsbeiträge bei Neuanschlüssen oder Erweiterungen haben sich für die Grundstücksfläche auf 0,25 € und für die Geschossfläche auf 7,62 € pro Quadratmeter erhöht. Aufgrund geringerer Unterhalts- und Reparaturkosten konnte sowohl bei der Wasserversorgung Kasberg als auch der Abwasseranlage Wegscheid eine Verringerung der Gebühr erzielt werden. In Kasberg ist der Wasserpreis nun auf 1,59 € je m³ zurückgegangen. Beim Abwasser konnte die Gebühr sogar halbiert werden, es ist nun eine Verbrauchsgebühr von 1,91 € pro Kubikmeter zu zahlen. Die Herstellungsbeiträge im Bereich der Wasserversorgung Kasberg wurden auf 0,24 € je m² Grundstücksfläche und 7,94 € je m² festgesetzt. Die Herstellungsbeiträge im Abwasserbereich haben sich nur geringfügig erhöht. Aktuell gelten 0,65 € und 13,38 € je Quadratmeter Grundstücks- bzw. Geschossfläche. Die Grundgebühren bleiben dabei unverändert. Bei der Angabe der Preise zur Wasserversorgung handelt es sich um Netto-Beträge zzgl. 7 % Umsatzsteuer. Ebenfalls auf der Agenda des Marktgemeinderats stand die Berechnung der Fäkalschlammgebühr. Die Ausfuhr wird ab 2021 mit einem Preis von 52,49 € pro m³ Fäkalschlamm abgerechnet. Hinzu kommen noch die Kosten für den Transport, die ein externes Unternehmen durchführt. Aufgrund der stetigen Umrüstung der privaten Kleinkläranlagen auf vollbiologische Kleinkläranlagen fällt die Anlieferung von Fäkalschlamm zunehmend geringer aus, was sich auch auf die Gebührenkalkulation erhöhend auswirkt. Allerdings muss der Fäkalschlamm so auch nicht mehr alle zwei Jahre abgefahren werden. Die Entleerung erfolgt nach Bedarf. Über die Preise, insbesondere die erreichten Preissenkungen, die nun für den Zeitraum von 01.01.2021 bis 31.12.2023 gelten, freute sich Bürgermeister Lothar Venus. „Wir mussten trotz der vielen bereits durchgeführten und geplanten Investitionen in unsere Anlagen und Leitungen die Preise nur geringfügig erhöhen und konnten sogar Gebührenminderungen erwirtschaften“. Die Kalkulationen, die von der Verwaltungsmitarbeiterin Barbara Krottenthaler angefertigt wurden, wurden allesamt einstimmig beschlossen.

    Der Bürgermeister legt großen Wert darauf, dass Bürgerinnen und Bürger wissen, wo das Wasser, das aus den eigenen Leitungen kommt, seinen Ursprung hat. Das Wegscheider Wasser kommt aus den Quellen im Wegscheider Gemeindebereich. Überwacht durch den Wasserwart Peter Holzinger wird dieses in den Hochbehältern Wildenranna, Wegscheid, Kasberg und Kleinrathberg gespeichert und direkt in die Haushalte geleitet. Venus betonte die Ökobilanz, wenn beispielsweise gekauftes Wasser im Supermarkt verglichen wird mit dem Leitungswasser, so ist die Ökobilanz bei unserem Leitungswasser mit Trinkwasserqualität um vieles besser.

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