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Donnerstag, Februar 26, 2026

Malteserstift St. Nikola bekommt Hundebesuch

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„Wir haben Brösel sehr ins Herz geschlossen“

Passau/Freyung. Seit Oktober vergangenen Jahres besucht die ehrenamtliche Malteserin Ingrid Hess zusammen mit ihrem Golden Retriever Brösel einmal in der Woche das Malteserstift St. Nikola. Für alle Beteiligten sind diese Besuche im Speisesaal sowie in den Wohnbereichen voller fröhlicher und beglückender Momente.

„Brösel und ich haben uns lieb. Wir haben Brösel sehr ins Herz geschlossen“, strahlt Heimleiterin Claudia Hartinger bei der Begrüßung. Für den freundlich und aufgeregt mit dem Schwanz wedelnden Brösel gibt es natürlich gleich Streicheleinheiten. Lob gibt es auch für sein Frauchen: „Ich bin so dankbar, dass Frau Hess regelmäßig kommt. Sie ist eine Seele von Mensch“, sagt Claudia Hartinger. Ingrid Hess antwortet: „Es macht wirklich Spaß.“ Dann geht es in den Speisesaal, wo schon einige Bewohner voller Vorfreude warten. Nach und nach gesellen sich immer mehr dazu.

Brösel, der im Mai vier Jahre alt wird, hat jede Menge zu tun. Erwarten ihn doch immer wieder neue Eindrücke. „Du bist doch unser Allerbester“, bekommt er von der Koordinatorin Sozialdienst Esther Teijeira-Miethe ein weiteres Kompliment. Bei diesem Besuch sind auch die Referentin Soziales Ehrenamt Rosmarie Friedsam und der Freyunger Dienststellenleiter Christoph Fuchs mit von der Partie. Sie wollen sich ein Bild machen.

Ingrid Hess und Brösel sagen zunächst zu jedem Einzelnen „Hallo“, für den Vierbeiner gibt es dabei Leckerlis und Streicheleinheiten. Dann werfen die Bewohner mit Freude ein Entenspielzeug und Brösel bringt es mit ebenso viel Freude immer wieder zurück. Was auf den ersten Blick nur spielerisch anmutet, hat auch noch einen anderen Sinn, wie Ingrid Hess erklärt: „Natürlich sollen alle Spaß dran haben – es sind aber nicht ‚nur‘ Spiele. Brösel liebt apportieren. Ich nehme hier sehr gerne die Ente, da die Bewohner sie erst in die Hand nehmen und sie dann werfen müssen. Das trainiert Motorik und Koordination. Eine Variante ist hier, dass die Bewohner die Ente verstecken und Brösel muss sie dann suchen gehen.“

Als Nächstes können alle Leckerli in ein Muffin-Backblech legen. Und darauf kleine Bälle. „Auch hier ist es für die Motorik gut: Erst ein kleiner Gegenstand und dann ein größerer. Und die Bewohner dürfen entscheiden, wo sie das Leckerchen reinlegen bzw. wo sie den Ball drauflegen wollen. Für Brösel ist es eine Kopfarbeit. Er muss erst die Bälle wegschubsen, um an die Leckerchen zu kommen. Und im Anschluss muss er die Bälle wieder aufräumen“, so Ingrid Hess weiter. Brösel holt sich natürlich alles – und bringt jeden einzelnen Ball zu seinem Frauchen zurück.

Dann wird es noch ein wenig schwieriger- aber auch das ist kein Problem für den Vierbeiner: Ein „Schnüffelteller“ mit verschiedenen Fächern übereinander wird wieder mit Leckerli gefüllt – und Brösel holt sie sich. „Auch hier müssen die Bewohner ein Leckerchen in die Hand nehmen (Motorik), dürfen entscheiden, auf welche Ebene sie es reinlegen wollen und können dann eine Ebene drüber schieben, um das Leckerchen zu verstecken“, sagt Ingrid Hess zu dieser Aktivität. „Für Brösel ist es wieder Kopfarbeit. Er muss es erst erschnüffeln und dann mit der Nase die Ebenen wegschieben.“

Bei all dem seien die Streicheleinheiten nicht zu vergessen: „Es ist so schön zu sehen, was es mit den Bewohnern macht, wenn sie Brösel streicheln.“ Ingrid Hess erklärt auch, wie sich die Besuche im Wohnbereich gestalten, wo die Bewohner leben, die nicht mehr mobil sind: „Hier läuft es ganz anders ab. Hier stehen das Streicheln und Verteilen von Leckerlies im Vordergrund. Entweder sitzen die Bewohner gemeinsam an den Tischen. Oder, wer nicht dabei ist, den besuchen wir auch gern im Zimmer. Hier erzählen die Bewohner und Brösel wird dabei eifrig gekrault.“

Am Rande berichtet Claudia Hartinger von einer weiteren schönen Begebenheit in dem Zusammenhang. Als die Leckerli-Vorräte zu Ende gingen, habe man sich auf den Weg gemacht zum Futterhaus und dort erzählt, wofür der Nachschub gebraucht wird. „Daraufhin haben wir ein großes Gebinde kostenlos bekommen und dürfen jederzeit wiederkommen. Das ist eine nette Geste“, lobt sie.

Christoph Fuchs und Ingrid Hess ist es zu verdanken, dass es den Besuchsdienst mit Hund nun auch in Passau gibt. Denn Ingrid Hess ist bisher die einzige Malteserin in der Diözese Passau, die sich in dem Bereich engagiert. Auf dem Weg dorthin hat sie einiges auf sich genommen, tatkräftig unterstützt von Christoph Fuchs.

Da der Besuchsdienst mit Hund im Passauer Bereich Neuland war, hat Ingrid Hess die Ausbildung bei den Maltesern in Landshut absolviert. Im Dezember 2024 fand hier die sogenannte Sichtung statt. Ingrid Hess erklärt, was es damit auf sich hat: „Hier wurden die Hunde einzeln von einem Hundetrainer zusammen mit Claudia Wiesheu, die für die Ausbildung verantwortlich war, ‚geprüft‘, ob sie für den Besuchs- und Begleitungsdienst mit Hund geeignet sind. Ich war mit Brösel im selben Raum, durfte ihn bei der Sichtung aber nicht beobachten. Es wurde z. B. getestet, ob er geräuschempflindlich ist – so fiel z. B. eine Gehhilfe um -, ob man ihn streicheln darf oder was er macht, wenn er auch mal etwas unsanfter angefasst wird. Hat er vor einem Rollstuhl Angst, ist die Situation während der Sichtung schon großer Stress usw.“

Brösel hat das Ganze mit Bravour bestanden und so stand der theoretischen Schulung, die an zwei Tagen im Februar 2025 stattgefunden hat, nichts mehr im Wege. Hier ging es unter anderem um stressauslösende Faktoren, die Signale bei Hunden, den Umgang mit demenzkranken Menschen und um die Einsatzplanung. Im März gab es noch eine schriftliche Abfrage und dann waren die beiden bei fünf begleiteten Durchführungen im Caritas-Altenheim St. Wolfgang in Essenbach im Einsatz. „Außerdem waren wir zusätzlich zur Vorstellung des Hundebegleitdienstes im Altenheim ‚Sanorium‘ in Gerzen eingeladen. Das hat nicht offiziell zur Ausbildung dazugehört, war aber eine sehr tolle Erfahrung, da wir Azubis alle die Hunde dabeihatten. Wir haben sehr viel dabei gelernt“, berichtet Ingrid Hess. Die Abschlussprüfung fand im Juli 2025 im Caritas-Altenheim St. Wolfgang in Essenbach statt.

Jedes Mal ist Ingrid Hess dabei von Passau nach Landshut gefahren. „Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und Brösel und ich wurden von den Landshutern sehr herzlich aufgenommen und während der Ausbildung so toll unterstützt. Es war eine ganz tolle Ausbildungszeit und ich bin sehr dankbar, dass ich sie machen durfte. Brösel und ich gehen so gern ins Malteserstift St. Nikola. Denn ich bin überzeugt davon, dass auch er ganz viel Spaß bei seiner Arbeit als Besuchshund hat“, betont sie.

Alle waren wieder begeistert vom Besuch: „Der ist so schlau. So ein lieber Hund. So ein braver Hund“, und weitere Komplimente waren immer wieder zu hören. Alle freuen sich schon auf das nächste Mal.

Rosmarie Friedsam und Christoph Fuchs haben angesichts der Eindrücke, die sie an dem Nachmittag gewonnen haben, an Ort und Stelle beschlossen, dass nun auch in Passau eine Ausbildung für den Besuchsdienst mit Hund stattfinden soll. Einige Interessenten dafür gibt es schon. Wer auch mitmachen möchte, kann sich gerne bei Christoph Fuchs melden: Tel. 08551/9178705, E-Mail Christoph.Fuchs@malteser.org

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