Kinder durch die Angst begleiten

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    KDFB und Erziehungsberatung helfen Eltern beim Umgang mit Kinderängsten

    Passau. Das Monster unterm Bett, fremde Menschen, die Sorge, in der Schule zu versagen: Ängste gehören zum normalen Entwicklungsprozess von Kindern. Im Zuge der Corona-Krise lässt sich allerdings beobachten, dass sich bei vielen Kindern insbesondere die Angst, dass Mama oder Papa krank werden könnten, verstärkt hat. Wie Eltern ihre Kinder durch Ängste begleiten können, wurde im Rahmen eines Online-Vortrags des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) in der Diözese Passau deutlich.

    Auf Einladung von Eltern-Kind-Koordinatorin Yvonne Lorenz, ging Andrea Reichert von der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung in Stadt und Landkreis Passau gemeinsam mit den Teilnehmenden Kinderängsten auf die Spur. Zunächst war es ihr wichtig, den Sinn von Ängsten zu beleuchten. „Denn wenn man weiß, wozu Angst gut ist und wie sie funktioniert, ist es auch einfacher, auf Ängste, die Kinder quälen, reagieren zu können.“ Demnach gehört Angst zu den fünf Grundgefühlen, die dem Menschen von Anfang an mitgegeben werden. „Angst ist ganz normal. Jedes Gefühl hat einen Sinn und seine Berechtigung“, betonte Reichert. Die Angst zeigt unter anderem an, wenn Gefahr droht und lässt Menschen in brenzligen Situationen automatisch vorsichtiger, konsequenter und aufmerksamer handeln. Neben dieser Warnfunktion kommt ein weiterer Aspekt hinzu, der gerade für Kinde eine wichtige Rolle spielt: Werden Ängste überwunden, lernen sie, dass sie an Aufgaben wachsen können. „Das ist für das Selbstbewusstsein und die Selbstwirksamkeit förderlich“, betonte Reichert.

    Anschließend wies sie darauf hin, dass es in bestimmten Entwicklungsphasen häufig auch bestimmte Ängste gibt, die „normale“ Begleiter sind. „Säuglinge beispielsweise kennen zunächst gar keine Angst vor Tieren, der Dunkelheit oder Fremden. Sie haben aber das Grundbedürfnis nach Sicherheit, möchten körperlich gehalten werden. Deshalb ängstigt es sie, wenn sie das Gefühl haben, zu fallen. Auch plötzliche, laute Geräusche und zu starke visuelle Reize ängstigen Babys“, erklärte Reichert. Etwa im Alter von acht Monaten entwickelt sich die Trennungs- und Verlustangst, die allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. „Diese Angst setzt dann ein, wenn der kleine Mensch anfängt, die Welt zu erkunden und robbt, krabbelt oder erste Schritte macht. Die Natur hat als Gegenpol, damit die Kinder sich nicht zu weit entfernen, diese Angst geschaffen. Sie bindet die Kinder an eine sichere Umgebung und vertraute Menschen. „Auch in ihrer weiteren Entwicklung können Kinder mit Trennungs- und Verlustangst reagieren. Das ist in der Regel der Fall, wenn aus ihrer subjektiven Sicht die sichere Basis erschüttert wird, also beispielsweise bei Krippe oder wenn Mutter oder Vater in den Beruf zurückkehren. Wichtig zu wissen: „Kinder haben ein unterschiedliches ängstliches Temperament. Viele Studien zeigen, dass dieses Temperament vorgegeben ist und die Eltern oder die Erziehung kaum Einfluss darauf haben“, so Reichert. Allerdings wirke sich das Elternverhalten durchaus darauf aus, wie ein ängstliches Kind mit der Angst umgeht. „Ängstliche Kinder zeigen sich am wenigsten ängstlich, wenn die Eltern sie nicht zu sehr behüten und sanft ermuntern, neue Erfahrungen zu machen. Werden Kinder überhütet, wird ihnen zu wenig zugetraut oder werden sie in Situationen geschubst, sind die Kinder meist noch unsicherer“, schilderte Reichert Ergebnisse aus der Forschung.

    Doch wie können Eltern ihren Kindern bei Trennungs- und Verlustängsten helfen? Wie so oft spielt der Faktor Zeit eine zentrale Rolle. „In der Auftauphase sollte man nicht pushen, sondern Übergänge schaffen und die Kinder miteinbeziehen. Durch Zeit kriegen die Kinder Sicherheit. „Hilfreich seien auch Rituale, denn auch Wiederholungen schaffen Sicherheit. Reichert widmete sich auch entwicklungsbedingten Ängsten von Klein- und Vorschulkindern. „Das ist ein magisches Alter – das Kind hält sich für mächtiger, als es ist, alles ist in der Fantasie möglich, es gibt keine Grenzen!“ Doch genau dadurch können Ängste entstehen, beispielsweise vor Monstern, Gespenstern und Hexen. „Logische Argumente bringen Eltern bei der Begleitung dieser „unrealistischen Ängste“ nicht weiter. Reichert riet ihnen, ebenfalls die magische Ebene zu wählen und gemeinsam mit dem Kind zu überlegen, was das Monster nicht mag. „Oft hilft hier das gemeinsame Basteln“, so Reichert.

    In der nächsten Entwicklungsstufe folgen dann allerdings zunehmend realistische Ängste. Die Angst vor Krankheit und Tod, einem Krieg oder Naturkatastrophen, dem ’nicht dazu gehören‘ oder ’nicht genug sein‘ kann übermächtig werden. Was hilft? „Grundsätzlich lässt sich besser mit diesen Ängsten umgehen, wenn sie greifbar sind. Eltern sollten versuchen, möglichst konkret herauszubekommen, was genau das Kind ängstigt. Unterstützende Gespräche sind ebenfalls hilfreich. Aussagen wie ‚Stell dich nicht so an‘ hingegen bringen nichts, sie beschämen das Kind.“

    Am Ende ihres Vortrags ging die Diplom-Sozialpädagogin Andrea Reichert darauf ein, dass Angst wirklich zum Problem werden kann. „Das ist der Fall, wenn Ängste nicht nur vorübergehend auftreten, untypisch für die aktuelle Entwicklungsphase sind und den Alltag des Kindes stark beeinträchtigen.“ Dann sei es hilfreich, Unterstützung von außen wahrzunehmen. „Das Gute daran ist, dass sich Kinderängste oft relativ schnell wieder auflösen können und gut heilbar sind“, so Reichert.

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