Integriertes Klimaschutzkonzept der Stadt Passau

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    Zwischenbericht im Stadtrat

    Passau. Im Herbst 2019 hat der damalige Ausschuss für Umwelt und Energie beschlossen, die Erstellung eines Klimaschutzkonzepts für die Stadt Passau in Auftrag zu geben. Seitdem wurden u. a. die Mittel bereitgestellt, ein externer Partner gefunden und eine Beteiligungsstruktur erarbeitet. Den Stadtratsmitgliedern wurden in der gestrigen Plenumssitzung die Energie- und CO2-Bilanz und die Potenziale in Bezug auf das Thema erneuerbare Energien und Energieverbrauch vorgestellt.

    Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „Die vorliegende Bilanz zeigt die Möglichkeiten auf, wo wir noch mehr auf erneuerbare Energie setzen und wo wir Energie einsparen können. Mit diesem Fahrplan werden wir nun in die einzelnen Gruppen gehen und konkrete Maßnahmenideen erarbeiten. Auch wenn der Kommune nur einen geringerer Teil des Gesamtenergieverbrauchs anzurechnen ist, so ist es unser Ziel, mit gutem Beispiel voran zu gehen und in Sachen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz auch Impulsgeber für Haushalte und die Wirtschaft zu sein.“

    Die Energiebilanz für die Stadt Passau hat ergeben, dass der gesamte Energieverbrauch in den letzten 10 Jahren leicht gesunken ist. Für das Jahr 2019 wurde ein Energieverbrauch von ca. 1.803 GWh errechnet. Der größte Teil wurde in den Haushalten verbraucht, wobei die Bereiche Wirtschaft und Verkehr ebenfalls einen entscheidenden Anteil am Gesamtverbrauch tragen. Die meiste Energie (56 %) wurde für Wärme verbraucht, 28 % für den Verkehr und 16 % in Form von Strom.

    Bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien dominierte die Wasserkraft mit fast 90% (≙ 606 GWh/a), wobei davon ca. 96 % allein aus den Wasserkraftwerken Kachlet und Ingling stammte. Der prozentuale Anteil an erneuerbare Energie aus Wasserkraft mit 199 % übertrifft sogar den örtlichen Bedarf. Allein durch Effizienzsteigerung (Repowering) könnte noch weiteres Potenzial erschlossen werden. Mit den 5 Biogasanlagen sowie 3 Pflanzenöl-Blockheizkraftwerken (≙ ca. 31 GWh) sind die Potenziale in diesem Sektor gut ausgeschöpft.
    Im Bereich der erneuerbaren Wärmeenergie wurden in der Stadt Passau 8.800 m² Solarkollektoren, die ca. 4 GWhth erzeugen, 5 Biogasanlagen und 3 Pflanzenöl-Blockheizkraftwerke, die ca. 42 GWhth erzeugen sowie 111 Wärmepumpen mit einer Leistung von ca. 17 GWhth gezählt. Außerdem standen rd. 26 GWhth Fernwärme aus Biogas und ca. 50 GWhth durch Holzverfeuerung zur Verfügung.

    Auch die CO2-Bilanz erzeugt ein ähnliches Bild wie die Energie-Bilanz. Im 10-Jahres-Vergleich konnte insgesamt eine Reduzierung festgestellt werden. Im Jahr 2019 wurden aufgrund des Energieverbrauchs 571 Tsd. Tonnen CO2 erzeugt. Den größten Anteil hieran trägt der Bereich Wirtschaft, gefolgt von den Bereichen Haushalte und Verkehr. Die Stadt Passau setzt sich zum Ziel, die energiebedingten CO2-Emissionen von 2019 bis 2030 um ca. 20 % und bis 2050 um ca. 80 % zu reduzieren.

    Das Einsparpotenzial im Bereich Strom sieht bis 2030 -10 %, bis 2040 -19 % und bis 2050 -28 % vor. Erreicht werden sollen diese Ziele bei den Haushalten und in der Wirtschaft durch zunehmende Geräteeffizienz, Energieeffizienzmaßnahmen und Verhaltensänderung. Nicht berücksichtigt ist der Mehrbedarf durch Sektorenkopplung (z. B. E-Mobilität, Wärmepumpen und Erzeugung von grünem Wasserstoff). Das Einsparpotenzial beim Wärmebedarf sieht gesamt bis 2030 -16 %, bis 2040 -26 % und bis 2050 -35 % vor. Energetische Sanierungen des Wohngebäudebestands gelten hier als größte Stellschraube.

    Im Gegenzug dazu ist auch vorgesehen, die erneuerbaren Energien weiter auszubauen. Das Ziel der Stadt Passau sieht bis 2030 eine Steigerung um 27 % auf ca. 980 GWh/a, bis 2040 eine Steigerung um 48 % auf 1.140 GWh/a und bis 2050 eine Steigerung um 69 % auf 1.300 GWh/a vor. Im Vergleich zu 2019 wären damit ab 2050 80 % des Energiebedarfs (inklusive Sektorenkopplung) durch erneuerbare Energien auf eigenem Territorium gedeckt.

    Das größte Potenzial liegt im Ausbau von PV-Anlagen. Insbesondere bestehen noch Möglichkeiten auf Dachflächen, entlang von Bahnstrecken und Autobahnen sowie auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Damit kombiniert oder auch separat betrachtet kann die Solarthermie einen weiteren Baustein zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Form von Warmwasserbereitstellung darstellen. Zudem ist ca. 75 % der Siedlungsfläche im Stadtgebiet Passau für oberflächennahe Geothermie geeignet. Diese kann insbesondere bei Neubauten mit Fußbodenheizung durch Wärmepumpen mit Erdwärmesonden zum Einsatz kommen.

    Durch u. a. klimawandelbedingte Waldschäden (Fichtensterben, Eschentriebsterben, Windschäden) kommt es in den nächsten 15 Jahren zu erheblichen Zusatzmengen von Holz. Es ist davon auszugehen, dass sich die jährlichen Hiebsätze von 7,5 auf etwa 8,5 fm/ha (Nadelholz) bzw. von 6,5 auf 7,0 fm/ha (Laubholz) erhöhen. Eine energetische Verwertung wäre durch ein lokales Hackschnitzelheizkraftwerk möglich (ca. 65 GWh/a).
    Eine eher untergeordnete Rolle spielt dagegen die Windkraft, die aufgrund zu geringer Windgeschwindigkeiten im Stadtgebiet nicht in Betracht gezogen wird.

    Im Bereich Verkehr wird prognostiziert, dass bei den PKWs E-Autos bis 2030 18 %, bis 2040 70 % und bis 2050 94 % ausmachen. Bei den LKWs wird bis 2030 ein 3 %-iger Wasserstoff- und 18 % E-LKW-Anteil, bis 2040 ein 23 %-iger Wasserstoff- und 60 %-iger E-LKW-Anteil und bis 2050 ein 30 %-iger Wasserstoff und 68 %-iger E-LKW-Anteil erwartet.

    Mit diesen Erkenntnisse und Maßgaben setzen sich nun die bereits installierten verschiedenen Gremien auseinander und erarbeiten gemeinsam weitere konkrete Maßnahmen, die zur Erreichung der Zielvorgaben führen.

    Entsprechend der festgelegten Zeitschiene ist geplant, dass das Integrierte Klimaschutzkonzept im vierten Quartal 2021 dem Stadtrat zur Beschlussfassung vorgelegt werden kann.

    Maßnahmen, über die Einigkeit besteht und die thematisch aufbereitet sind, werden bereits während des laufenden Prozesses umgesetzt.

    Für das Jahr 2021 sind folgende zusätzliche Einzelmaßnahmen geplant:

    • Nachhaltigkeit – Beschaffung Passau-Becher
    • Öffentlichkeitarbeit – Klima-App (Klimathon)
    • E-Mobilität – Dienstfahrzeuge für die Stadtverwaltung inklusive Wallboxen
    • Zusätzliches E-Bike für Dienstfahrten der Verwaltung
    • Flutlichtanlagen Sportanlagen Reuthinger Weg und Grubweg Umrüstung auf LED
    • Anschaffung Photovoltaikanlage Grundschule St. Anton
    • Anschaffung Photovoltaikanlage Erweiterung Kläranlage
    • Studie Mikrogasturbine Kläranlage
    • E-Ladesäule „Bahnhof“

    Die Stadt Passau hat in den vergangenen Jahren bereits viele verschiedene Maßnahmen zur Förderung des Klimaschutzes ergriffen. Im Jahr 2011 wurde die Arbeitsgruppe „Energie und Klima“ ins Leben gerufen. Im Juli 2019 hat die Arbeitsgruppe „Energie und Klima“ das Erstellen eines Klimaschutzkonzeptes positiv beurteilt, woraufhin der Ausschuss für Umwelt und Energie in seiner Sitzung am 04.10.2019 den Auftrag hierfür erteilt hat.


    Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

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