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Freitag, April 12, 2024

„Deutsch+Ausbildung“: Neues Kombimodell für Flüchtlinge und Migranten

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Ausbildungsangebot speziell für Hotel und Gastronomie an Passauer Berufsschule

Ob traditionelles Wirtshaus oder luxuriöses Sterne-Hotel: Die Gastronomie- und Hotelbranche hat ein Nachwuchsproblem. Zuletzt sind die Zahlen der neuen Auszubildenden aus Gastronomie und Hotellerie in Niederbayern zwar leicht angestiegen, die Betriebe suchen aber trotzdem weiterhin händeringend nach Azubis und können viele offene Stellen nicht besetzen. Hier setzt das von der IHK Niederbayern initiierte „Kombimodell Deutsch+Ausbildung“ an, mit dem geeignete Kandidaten aus der Gruppe der Geflüchteten und Migranten für eine Ausbildung in der Gastronomie fit gemacht werden. Vor kurzem ist an der Berufsschule 1 in Passau der Schulbetrieb der ersten Klasse nach diesem Modell erfolgreich gestartet. Die Schüler kommen aus Syrien, Afghanistan und Iran, aus Rumänien, Ungarn oder dem Kosovo. „Wir freuen uns sehr, dass wir dieses neue Kombimodell erstmals in Niederbayern anbieten können. Wichtig ist uns dabei die Partnerschaft mit den Ausbildungsbetrieben. Acht Unternehmen aus Stadt und Landkreis Passau sind dabei, und das sind allesamt Vorzeigehäuser“, betont Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK, zum Start des Modells. Unabdingbar sei außerdem die Unterstützung von Oberbürgermeister Jürgen Dupper und Landrat Franz Meyer gewesen. „Ohne das Wirken der Lokalpolitik im Hintergrund wäre dieses Modellprojekt nicht zustande gekommen“, ist sich Schreiner sicher.

„Deutsch+Ausbildung“ – das bedeutet eine Ausweitung der Ausbildung von drei auf vier Jahre. Das zusätzliche Jahr dient zunächst der Vorbereitung vor dem eigentlichen Ausbildungsstart. Dieses erste Jahr kann unter bestimmten Voraussetzungen von der Agentur für Arbeit als so genannte „Einstiegsqualifizierung“ gefördert werden: „Die Teilnehmer erhalten im ersten Jahr eine Vergütung, und diese Summe erstattet die Agentur. Angesichts des dringenden Bedarfs in der Branche einerseits und des zusätzlichen Förderbedarfs bei den Schülern andererseits ist das aus unserer Sicht eine sehr sinnvolle Sache“, meint Dr. Klaus Stein, der Chef der zuständigen Arbeitsagentur in Passau. Über den gesamten Ausbildungszeitraum hinweg erhalten die Teilnehmer zudem zusätzlichen Deutsch- und Förderunterricht. In der Praxis bedeutet das einen Tag mehr Berufsschule als üblich. An diesem Tag fehlen die Azubis im Betrieb, gleichzeitig muss die Schule einen Mehraufwand schultern. Hier leisten die Betriebe einen Beitrag, weil sie die Teilnehmer dafür freistellen, aber auch die Schule ist durch den Zusatzaufwand und die Erhöhung des Stundenkontingents gefordert. Die konkrete Umsetzung obliegt dann der Berufsschule vor Ort, in diesem Fall ist das die Karl-Peter-Obermaier-Schule in Passau. Der Schulleiter, Eduard Weidenbeck, sieht das Modell als Herausforderung und Chance zugleich: „Die jungen Leute bekommen bei uns nicht nur das notwendige Rüstzeug für ihre Ausbildung vermittelt. Als Lehrer und Klassenleiter ist man immer auch ein Stück persönlicher Betreuer und Vermittler. Wir haben dafür ein hervorragendes Kollegium, das diesen Aufwand stemmt.“

Ob sich das Modellprojekt bewährt, müssen die nächsten vier Jahre zeigen. Die ersten Rückmeldungen aus den Betrieben, in denen die Teilnehmer bereits praktische Erfahrungen sammeln konnten, sind aber überaus positiv. Entscheidend, so die Einschätzung Schreiners, war für diesen guten Anlauf des Modells die intensive Zusammenarbeit zwischen IHK, den beteiligten Partnern, den Mittelschulen im Raum Passau mit ihren Sprachintensivklassen sowie letztlich dem gesamten Netzwerk in der Region, das zu dem Bereich Flucht und Migration bereits besteht.

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