Im weltweit einzigartigen Museum für historische Maybach-Fahrzeuge wird seit gut zehn Jahren in Neumarkt in der Oberpfalz ein Stück deutsche Automobilgeschichte lebendig. Foto: obx-news/Malter

Ostbayerns Städte: Im Herzen Europas in die Vergangenheit reisen

Museen, die Geschichte(n) erzählen: Was Landshut mit dem „Ground Zero“ verbindet und warum Straubings Besucher über römische Ritterrüstungen staunen

Regensburg (obx) – Einen Tag lang eintauchen in 2.000 Jahre europäische Geschichte und 200 Jahre bayerische Historie, am nächsten Tag gedanklich in den „Big Apple“ reisen: In Ostbayerns Städten entstand in den letzten Jahren eine Museumslandschaft, die auf dem Kontinent ihresgleichen sucht. Vielfältig, faszinierend und spannend, eine Urlaubslandschaft des Wissens, des Erfahrens und des Staunens – mit faszinierenden Ausstellungen, einzigartigen Sammlungen und Museen, die spannende Geschichte und Geschichten erzählen. Diese einmalige Erlebniswelt für alle Sinne im Herzen Europas ist gerade in diesem Jahr ideales Reiseziel für eine Auszeit vom Alltag oder ein unvergessliches Wochenende. Neumarkt macht den „Mythos Maybach“ lebendig.

Im weltweit einzigartigen Museum für historische Maybach-Fahrzeuge wird seit gut zehn Jahren in Neumarkt in der Oberpfalz ein Stück deutsche Automobilgeschichte lebendig: In der Ausstellung sind auf rund 2.500 Quadratmetern knapp zwei Dutzend historische Maybach-Fahrzeuge zu sehen – vom zersägten Scheunenfund bis hin zum edlen Concours-Klassiker. Es ist der privaten Leidenschaft und Initiative von Dr. Helmut Hofmann zu verdanken, dass die Autowelt seit einem Jahrzehnt in die Oberpfalz pilgert.

Zwanzig Jahre lang hat der Präsident des Maybach-Clubs Deutschland gesammelt, gestöbert, renoviert und geforscht, bevor er den Entschluss fasste, ein eigenes Museum für die Luxusmarke von einst zu gründen. Das Besondere: Jeder der exklusiven und originalgetreu restaurierten Wagen ist ein Einzelstück, den Wert jedes einzelnen Fahrzeugs schätzen Kenner auf eine bis mehrere Millionen Euro, einen offiziellen Markt gibt es nicht. Maybach-Limousinen waren im Deutschen Reich zwischen 1920 und 1939 das Statussymbol der Reichen und Mächtigen. Mehr Informationen: www.tourismus-neumarkt.de/museen und www.automuseum-maybach.de

Weiden: Beeindruckende Keramik-Schätze aus sieben Jahrtausenden

Die Geschichte der Keramik reicht Jahrtausende bis in die Antike zurück. Viele kostbare Schätze bewundern Besucher heute im Internationalen Keramik-Museum in Weiden in der Oberpfalz. Keramik aus über sieben Jahrtausenden, unterschiedlichster Technik – von einfacher Irdenware, Fayencen über Steingut, Steinzeug bis zu feinstem Porzellan – aus den verschiedensten Gegenden der Welt sind Teil der umfangreichen Ausstellung. Das Museum feiert 2020/2021 seinen 30. Geburtstag.

Die Geschichte der Keramik reicht Jahrtausende bis in die Antike zurück. Viele kostbare Schätze bewundern Besucher heute im Internationalen Keramik-Museum in Weiden in der Oberpfalz. Foto: obx-news/Tourist-Information Weiden

Bestaunen lassen sich dort sowohl Funde aus prähistorischer Zeit aus dem Zweistromland im Vorderen Orient, Meisterwerke griechischer Vasenmalerei oder Keramiken von den Anden-Kulturen Lateinamerikas bis zu fein dekoriertem Porzellan aus dem Reich der Mitte oder innovativen Geschirrformen der modernen Porzellanindustrie in Europa. Ein besonderer Schwerpunkt gilt der modernen, zeitgenössischen Studiokeramik in Europa, mit wechselnden Ausstellungen und Präsentationen. Sechs Münchner Staatsmuseen unter der Federführung der Neuen Sammlung – The Designmuseum (Museum für angewandte Kunst) steuern ihre Schätze bei.

Regensburg: Ein Museum als „Liebeserklärung“ an den Freistaat Bayern

Für das renommierte Magazin GEO-Saison galt es bereits im Jahre 2019 bei seiner Eröffnung als „Must-See-Museum“: das neue Museum der Bayerischen Geschichte am Regensburger Donauufer, das sich seither zum Besuchermagneten entwickelte. Allein in den ersten zwölf Monaten gingen dort, trotz teilweiser Schließung durch Corona, rund eine halbe Million Menschen auf Zeitreise. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bezeichnete das Haus als eine „Liebeserklärung“ an den Freistaat Bayern. Mehr als 1.000 Exponate zeichnen mit viel Interaktivität auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern den Weg Bayerns vom Königreich zum Verfassungsstaat nach.

Landshut: Im KOENIGmuseum können Besucher auch weitere Werke Fritz Koenigs, die in enger Verwandtschaft mit der Kugelkaryatide stehen, entdecken. Foto: obx-news/Museen der Stadt Landshut

Unter den Ausstellungsstücken findet sich auch Kurioses: Im Foyer begrüßt ein mehr als vier Meter großer bayerischer Löwe die Besucher. Er begeisterte über Jahrzehnte Millionen Besucher auf dem Münchner Oktoberfest. Ebenfalls zu sehen: der Füller, mit dem Theo Waigel einst den Maastricht-Vertrag unterzeichnete. Ab 23. Juni ist das Haus Gastgeber für die Bayerische Landesausstellung mit dem Titel „Götterdämmerung II – Die letzten Monarchen“. Kaiserin Elisabeth, Queen Victoria oder König Ludwig III. von Bayern: Am Beispiel dieser Protagonisten beleuchtet das Museum das Lebensgefühl der letzten Herrscher vor der Revolution 1918. Infos: https://tourismus.regensburg.de/ und https://museum.bayern/museum.html

Straubing: 1.700 Jahre alter Römerschatz begeistert Millionen

Fast ein halbes Jahrtausend lang war der bayerisch-österreichische Donauraum für die Römer wichtigste Verteidigungslinie gegen die germanischen Stämme. Ihre Spuren sind bis heute erlebbar – zum Beispiel im Gäubodenmuseum Straubing. Antike Maskenhelme, Ross-Stirnen, Beinschienen und Statuetten aus Messing und Bronze: Allein in den letzten Jahren haben mehr als eine Million Menschen den Straubinger Römerschatz bestaunt. Die 116 einzigartigen Stücke des Funds strahlen seit ihrer Restaurierung um die Jahrtausendwende in neuem Glanz.

Fast ein halbes Jahrtausend lang war der bayerisch-österreichische Donauraum für die Römer wichtigste Verteidigungslinie gegen die germanischen Stämme. Ihre Spuren sind bis heute erlebbar – zum Beispiel im Gäubodenmuseum Straubing. Foto: obx-news/Stefan Angerer

Neu hinzugekommen ist 2018 der Bajuwarenschatz. Mehr als 2.000 Gräber aus dem Frühmittelalter lagen in den Depots des Gäubodenmuseums, bevor dieser Schatz gehoben wurde. Spektakuläre Stücke beleuchten die bayerische Frühgeschichte, die Entstehung der Bayern. Römer- und Bajuwarenschatz sind die Glanzlichter eines Hauses, das lückenlos über gut 7.000 Jahre die Archäologie und Geschichte des fruchtbaren Donaubeckens, des Gäubodens, zeigt. Mehr Infos: www.straubing.de

20 Jahre nach 9/11: Wie ein Landshuter Bildhauer das Gedenken der New Yorker prägt

Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer des 20. Jahrhunderts: Fritz Koenig, der im Alter von sechs Jahren 1930 nach Landshut kam und – trotz seines Welterfolgs – seiner niederbayerischen Heimat bis zu seinem Tode im Jahre 2017 stets verbunden blieb. Ein Gestüt auf dem Ganslberg über der Residenzstadt war über Jahrzehnte hinweg Fritz Koenigs Atelier.

Fritz Koenigs Skulpturen sind heute an vielen Orten der Stadt unter freiem Himmel erlebbar. Sein berühmtestes Werk aber steht tausende Kilometer entfernt: in New York. Koenig hatte von 1967 bis 1971 eine monumentale, fast acht Meter hohe und rund 20 Tonnen schwere Bronzeplastik geschaffen, die bis zum Terroranschlag vom 11. September 2011 beliebter und markanter Treffpunkt der New Yorker im Herzen des World Trade Centers war. „The Sphere“ nannten die Einwohner des Big Apple die an eine Kugel erinnernde Skulptur, die offiziell „Große Kugelkaryatide N.Y.“, heißt. Aus den Ruinen geborgen renovierte Koenig selbst in einer Halle des New Yorker Kennedy-Flughafens die Skulptur. Am 11. März 2002 kehrte „The Sphere“ nach Manhattan zurück und wurde in einer bewegenden Feierstunde mit der ehemaligen Präsidentengattin Hillary Clinton enthüllt. Ihren nunmehr endgültigen Aufstellungsort erhielt die Bronzeplastik auf dem neu gestalteten Gedächtnisort des Ground Zero/Liberty Park.

Im KOENIGmuseum können Besucher auch weitere Werke Fritz Koenigs, die in enger Verwandtschaft mit der Kugelkaryatide stehen, entdecken. Zum 20. Jahrestag von 9/11 zeigt das Museum auch eine eigene Studioausstellung zu diesem Hauptwerk, seiner Entstehung und seiner Geschichte. Mehr Infos: www.landshut-tourismus.bayern und www.koenigmuseum.de

Vom Kultflitzer zum führenden High-Tech-Automobilwerk:
Eine bewegte (Automobil)geschichte in Dingolfing

Die industriegeschichtliche Abteilung des Museums Dingolfing, ausgezeichnet mit dem Bayerischen Museumspreis, dokumentiert die niederbayerische Erfolgsgeschichte der Firma Glas. Seit 1905 hatte Glas die industrielle Entwicklung der Stadt geprägt. Mit dem Bau des legendären Goggomobils ab 1955 wurde Dingolfing zur Autostadt. Mit der Übernahme der Hans Glas GmbH im Jahr 1967 durch den bis dahin im Wesentlichen münchnerischen Autobauer BMW beginnt die Geschichte von Dingolfing als „BMW Stadt“.

Eine bewegte (Automobil)geschichte in Dingolfing: Im Museum in der Oberen Stadt wird diese Geschichte erlebbar. Foto: obx-news

Das war der Beginn des Weges hin zu einer der heute modernsten Hightech-Automobilfabriken der Welt. Mehr als elf Millionen BMWs liefen in den vergangenen fünf Jahrzehnten vom Band. Aktuell sind es pro Jahr knapp 300.000 Fahrzeuge, die die Hallen der Stadt in alle Welt verlassen. Im Museum in der Oberen Stadt wird diese Geschichte erlebbar. Schwerpunkt der Sammlung sind Exponate, die den Weg ins Industriezeitalter aufzeigen. Infos: www.museum-dingolfing.de