18 C
Hutthurm
Freitag, Juni 21, 2024

Mehr Bedarf, weniger Personal

Lesestoff

Bezirksvertreter besuchen Frühförderdienst der Caritas in Vilshofen

Auf Einladung von Bezirksrätin Cornelia Wasner-Sommer besuchte Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich den Frühförderungsdienst der Caritas in Vilshofen, der neben Hauzenberg und Ruhstorf a.d. Rott eine der Außenstellen der Hauptstelle in Passau/Kohlbruck ist.

Hier wurden im vergangenen Jahr 764 Kinder und Familien pädagogisch-psychologisch im Rahmen der interdisziplinären Frühförderung betreut, die Leistungen trägt dabei der Bezirk. Zudem wurden für 173 wesentlich behinderte Kita-Kinder über 1000 Fachdienststunden zur Teilhabeunterstützung in einem Regelkindergarten erbracht, stellte der Leiter Gerhard Krinninger fest. Einzigartig aber in ganz Bayern ist der Pädagogisch-Psychologische Dienst (PPD), der präventiv in Kindertagesstätten flächendeckend in Landkreis und Stadt Passau im Einsatz ist und dabei mehr als 1200 Kinder pro Jahr im Auge hat. Nach dem Motto „Frühe Hilfen sind die wirksamsten“ können hier frühzeitig Defizite erkannt und gezielt gegengesteuert werden. Der Bezirkstagspräsident war beeindruckt vom breiten Spektrum, das die 63 Mitarbeiter abdecken, denn hinzu kommt auch noch die Beratung rund um die Pränataldiagnostik sowie aktuell das Modellprojekt „Übergang macht Schule“, bei dem zuvor betreute Kinder auch nach dem Wechsel in eine Regelschule noch eine Zeitlang begleitet werden. „Hier sind wir einer von drei Standorten in Bayern, an dem dieses Projekt beispielhaft erprobt wird“, erläuterte Krinninger.

Steigerung der Fallzahlen erkennbar

Insgesamt sei eine Steigerung der Fallzahlen deutlich erkennbar. 2022 gab es bei der Interdisziplinären Frühförderstelle des Caritas-Frühförderungsdienstes so viele Neuanmeldungen wie noch nie (mit 273 rund 30 mehr als noch 2019). „Gleichzeitig werden die Problemlagen immer komplexer“, stellte Regina Weichselgartner, Bereichsleiterin Entwicklung, Behinderung und Teilhabe fest. Dass es einen eklatanten Mangel an Logopäden gibt, betonte Sonja Winklhofer. Sie ist selbst Logopädin und stellvertretende Einrichtungsleiterin. „Außerdem sind derzeit unter dem Personal hohe Krankheits- und Ausfallraten an der Tagesordnung“, wie Gerhard Krinninger betonte, sodass auch die vergleichsweise große Frühförderstelle mit vielen Angeboten vor der Herausforderung steht, den Bedarf heute, aber auch in Zukunft noch abdecken zu können. Sein Eindruck sei auch, dass die Kitas nicht mehr so viel auffangen könnten wie früher, was wohl ebenso einem Fachkräftemangel, aber auch vollen Kita-Gruppen geschuldet sei.

Stellen können nicht ausreichend nachbesetzt werden

Der Fachkräftemangel bei der Frühförderungsstelle verschärfe das Problem nochmals, viele Stellen können nicht so nachbesetzt werden, wie es nötig wäre. Das liege auch an fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten mancher Berufe in Niederbayern, meinte Krinninger. Denn wie im Bereich Logopädie gibt es auch in der Heilpädagogik keine Ausbildung in Niederbayern. „Das wäre dringend notwendig“, so der Leiter weiter. Bei all den Herausforderungen sei man umso dankbarer für die Arbeit des Fördervereins, dessen Vorständin Cornelia Wasner-Sommer ist. Unkompliziert kann über den Verein ergänzendes Therapie- und Fördermaterial bestellt werden, aber auch Familien in akuten Notsituationen wurden im Einzelfall schon unterstützt. „Das hilft den Menschen sehr, vor allem sehen die Mitarbeiter, die häufig in den Familien vor Ort sind, wenn es wirklich brenzlig ist“, so die Bezirksrätin. Zuletzt tauschte man sich in der Runde noch zu fachlichen Themen, wie der geplanten SGB VIII-Reform aus, über die laut Heinrich wohl 2027 entschieden werden soll.

Am Ende bedankte sich Olaf Heinrich für den umfassenden Einblick in die Frühförderstelle, die ihm Cornelia Wasner-Sommer zur Besichtigung ans Herz gelegt hatte. „Was Sie tagtäglich machen, ist unglaublich wichtig für unsere Gesellschaft, vor allem für die Kinder und die Familien. Es zeigt sich immer wieder, dass man mit einer frühen Betreuung große Erfolge erzielen kann“, so der Bezirkstagspräsident. (ml)

- Werbung-

More articles

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Anzeige -

Letzte Beiträge