Chor der Gesellschaft der Musikfreunde (Foto: LICHTBOX)

Lasst Eure Ohren merken auf die Stimmen dieses Flehens

Musikalische Andacht beim Passauer Konzertwinter unter dem Titel „Aus der Tiefen“

(von Tobias Schmidt)

Am 11. November um 19 Uhr erfährt der Passauer Konzertwinter seine Fortsetzung in der Pfarrkirche St. Peter, Neuburger Str. 118.
Der Chor der Gesellschaft der Musikfreunde Passau und sein musikalischer Leiter Michael Tausch gestalten eine musikalische Andacht unter dem Titel „Aus der Tiefen“. Auf dem Programm stehen kirchenmusikalische Chorwerke aus der evangelischen Tradition, welche zwar das Ende des Kirchenjahres bestimmende Themen aufgreifen, historisch aber allesamt für Aufführungen zu anderen Jahreszeiten und Anlässen gedacht waren.

Im Zusammenklang ergibt sich so ein Abend über die Endlichkeit des menschlichen Lebens und die tröstliche Vorausschau auf das Kommen des Welterlösers, will sagen, auf den Advent. „Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens! Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen?“ mit diesen Worten beginnt der Psalm 130.

Der 22-jährige Johann Sebastian Bach, 1707 gerade erst (übrigens wegen schlechten Betragens zuvor in Arnstadt) als Organist in der freien Reichsstadt Mühlhausen gestartet, schrieb eine Kantate auf den kurzen Psalmtext und vermengte diesen geschickt mit einem Choral. Für kleines Ensemble und Solisten gesetzt, ohne große Ausschmückung, vermutet man heute in dieser Musik eine Art klanggewordene Buße für Mühlhausens großen Stadtbrand im gleichen Jahr. Auch wenn mancher bis heute in diese Partitur die Not der durch erwähnte Feuersbrunst dezimierte Zahl der verfügbaren Sänger hineinlesen will, beim Konzertwinter wird eine Version mit großem Chor erklingen.
Mit nur wenigen Sängern stand auch Heinrich Schütz, der Vater der deutschen Barockmusik, 1648 am Ende des Dreißigjährigen Krieges am Dresdener Hof da. Damals entstand seine Motettensammlung „Geistliche Chormusik“, gesetzt für 5-7 Stimmen, aus der beim Konzert „Selig sind die Toten“, mit dem Text nach Offenbarung 14,13, erklingen wird. Recht eindeutig verhält sich die Quellenlage bei Schütz‘ „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren“, der Vertonung des am Beginn des Lukasevangeliums nachzulesenden Lobgesang des Simeon bei der Darstellung Jesu im Jerusalemer Tempel.

Chor der Gesellschaft der Musikfreunde (Foto: LICHTBOX)

In Noten gesetzt 1636 als Teil der „Musikalischen Exequien“, entstammt das Stück einer lutherischen Trauermesse anlässlich der Beisetzung des Fürsten Heinrich Posthumus Reuß, Schütz‘ (übrigens insgesamt recht calvinistenfreundlichen) Landesherrn. Sehr viel fröhlicher gestimmt und mit Trompetenklang „klanglich eingedickt“ ist Johann Sebastian Bachs Kirchenkantate „Meine Seel erhebt den Herrn“, eine seiner Vertonungen des vom Evangelisten Lukas überlieferten Lobgesangs Mariens. Von Bach eigentlich für die Jahresmitte fürs Fest Mariä Heimsuchung bestimmt, besingt der Chor der Gesellschaft der Musikfreunde Passau die frohe Hoffnung des nahenden Advents. Gemeinsam mit ihm musizieren das Ensemble „Parocco“ und Konzertmeister Klaus Albrecht sowie herausragende Gesangsolisten, darunter Maria Weber (Sopran), Matthias Deger (Tenor) und Stefan Zenkl (Bariton).
Chorleiter Michael Tausch gibt um 18 Uhr, also eine Stunde vor Konzertbeginn, eine kurze, immer sehr empfehlenswerte Einführung in die verschiedenen Werke des Abends.

Tickets kosten 23,- Euro/ermäßigt 18,- Euro sowie 10,- Euro für Schüler, Auszubildende und Studierende. Unter Tel. 0160 8437159 freut sich das Kartentelefon auf Reservierungen, alternativ ist dies auch per E-Mail an: karten@musikfreunde-passau.de möglich. Außerdem sind Tickets bei Bücher Pustet erhältlich.

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